Ab kommenden Montag finden in New York die Upfronts-Präsentationen der US-Broadcaster statt. Was wird verlängert, was wird abgesetzt, was geht im Herbst neu auf Sendung? All das wird in der nächsten Woche bekannt gegeben. Oder schon vorher, denn seit einigen Tagen geben einige Sender ihre Pläne bereits häppchenweise heraus. Bei einem Thema wird es vermutlich keine (positive) Überraschung geben: Das Programm am Freitag, das seit Jahren immer weiter degeneriert, wird auch nächste Saison wohl um einen Sender mit Ambitionen ärmer sein.
Der Freitag droht zum neuen Samstag zu werden, ein Sendetag mit ebenso glorreicher Vergangenheit, an dem die Sender schon länger nur noch günstigste Restware oder kapitale Flops versenden. Was ist passiert? Feiert die Wohlstandsgesellschaft trotz Wirtschaftskrise am Freitag immer öfter außer Haus? Sehen am Freitag nur noch so wenige Menschen fern, dass sich kein teures Programm mehr lohnt oder haben die Sender die Misere gar selbst verschuldet? Und wie sieht das eigentlich in Deutschland aus: Liegen die miesen Quoten des Sat.1-Comedyprogramm gar nicht an ausgelutschten Sketchen vom Fließband, sondern daran, dass die Zielgruppe lieber feiern geht?
Es sieht somit eher danach aus, als seien die Probleme der Networks zum Teil selbst geschaffen. Hat man den Freitag als weniger lukrative Option vielleicht so nachlässig behandelt, dass das Kabelfernsehen die Situation genutzt und die Zuschauer gebunden hat, die den Broadcastern nun fehlen? Auch dazu ein paar Zahlen: Freitag abends haben die fünf Networks zusammen gerade mal gut 20 Prozent Marktanteil, am Samstag sogar weniger. An den anderen Wochentagen vereinnahmen sie den Markt mit 30 bis über 40 Prozent viel stärker. Tatsächlich liegt das Hauptproblem also wohl darin, dass zwar Zuschauer da sind, diese aber mittlerweile woanders ein neues Zuhause gefunden haben. Würde eine Serie die verlorenen zehn Prozent zurück zu den Networks holen, sie wäre ein großer Erfolg. Vielleicht wäre es also Risiko wert, hier aggressiv einen Neustart zu wagen, die Konkurrenz hält sich ja in Grenzen. Für einen kleinen Sender wie The CW könnte sogar der als Todeszone verschriene Samstag eine Option sein, denn umgekehrt "funktionierte" es ja bereits: den lukrativen Sonntag gab The CW mangels Erfolg komplett auf.• Upfronts
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