Die National Football League ist für RTL längst mehr als ein Sportereignis am Sonntagabend. Mit der Saison 2026/27 hat die Sendergruppe ihr Angebot deutlich ausgeweitet. Neben den beiden klassischen Sonntagsspielen sind nun auch die Begegnungen am Donnerstag-, Sonntag- und Montagabend amerikanischer Zeit im deutschen Free-TV zu sehen. Das bedeutet nicht nur erheblich mehr Sendestunden, sondern auch eine größere Präsenz der NFL im RTL-Programm. Die Frage ist allerdings, ob diese Offensive überhaupt auf eine steigende Nachfrage trifft. Eine umfangreiche Auswertung der Einschaltquoten seit September 2023 liefert darauf eine ziemlich eindeutige Antwort: Die NFL verliert im linearen Fernsehen Zuschauer. Das gilt nicht nur für die neuen Übertragungen mitten in der Nacht, sondern zunehmend auch für die etablierten Sonntagsspiele. Allerdings zeigt sich bei den Play-offs ein deutlich anderes Bild.Für diese Ausgabe des Quotengerichts wurden 843 einzelne Quoteneinträge ausgewertet, die sich auf insgesamt 201 Begegnungen verteilen. Für die Analyse wurden die Zuschauerzahlen und Marktanteile der einzelnen Abschnitte entsprechend ihrer tatsächlichen Dauer gewichtet. Dadurch lassen sich näherungsweise durchschnittliche Werte für die gesamte erfasste Spielübertragung ermitteln. Drei unvollständig dokumentierte Begegnungen wurden aus den Spielvergleichen ausgeschlossen. Berücksichtigt sind die NFL-Spielzeiten 2023/24, 2024/25 und 2025/26 sowie die laufende Saison 2026/27 bis Anfang November. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf das lineare RTL-Programm und nicht auf zusätzliche Abrufe bei RTL+, Sky Sport oder anderen Plattformen.
Schon die erste Betrachtung der drei abgeschlossenen Spielzeiten zeigt, dass die RTL-Übertragungen nicht von einem wachsenden Publikum profitieren. Während der Regular Season 2023/24 erreichten die 38 vollständig dokumentierten Begegnungen durchschnittlich 614.000 Zuschauer. In der Saison 2024/25 waren es bei 41 Partien noch 563.000 Menschen. Die Saison 2025/26 brachte mit 40 vollständig erfassten Begegnungen schließlich nur noch 547.000 Zuschauer. Innerhalb von zwei Jahren verringerte sich die durchschnittliche Reichweite damit um rund elf Prozent. Noch auffälliger ist die Entwicklung bei den 14- bis 49-Jährigen. Dort sank der Schnitt von 345.000 über 315.000 auf lediglich 267.000 Zuschauer. Der Rückgang beträgt damit knapp 23 Prozent. Auch die durchschnittlichen Marktanteile bewegten sich in die falsche Richtung: Aus 9,8 Prozent in der klassischen Zielgruppe wurden zunächst 9,5 und schließlich 8,7 Prozent.
Die laufende Saison fällt auf den ersten Blick noch wesentlich schlechter aus. Bei den bislang 40 vollständig erfassten Spielen der Regular Season 2026/27 liegt die durchschnittliche Reichweite nur bei 257.000 Zuschauern. Davon gehören 121.000 Menschen zur Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Die durchschnittlichen Marktanteile betragen 4,5 Prozent insgesamt sowie 8,5 Prozent in der Zielgruppe. Diese Zahlen lassen sich jedoch nicht unmittelbar mit den Vorjahren vergleichen. Schließlich bestand das RTL-Angebot bis einschließlich der vergangenen Saison überwiegend aus den Sonntagsspielen, einzelnen internationalen Begegnungen und dem Auftaktspiel. Nun kommen zahlreiche Übertragungen mitten in der Nacht hinzu. Diese erreichen naturgemäß erheblich weniger Menschen und drücken damit den Gesamtdurchschnitt. Ein sinnvoller Vergleich muss deshalb zunächst die traditionellen Sonntagsübertragungen isolieren.
Besonders aussagekräftig sind die ersten acht Spielwochen der jeweiligen Saison. Damit wird verhindert, dass die laufende Saison mit vollständigen Spielzeiten verglichen wird. Beim ersten Sonntagsspiel um gewöhnlich 19.00 Uhr erreichte RTL in den ersten acht Wochen des Jahres 2023 durchschnittlich 748.000 Zuschauer. Im Jahr 2024 waren es 687.000 und 2025 noch 692.000. In der laufenden Saison sind davon lediglich 516.000 Menschen übrig geblieben. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum ergibt sich ein Rückgang von 25,4 Prozent. Verglichen mit dem ersten RTL-Jahr beträgt das Minus sogar 31,0 Prozent. Das ist keine kleine Schwankung mehr, die sich mit einzelnen unattraktiven Mannschaften erklären ließe. Vielmehr liegt der diesjährige Schnitt deutlich unter dem Niveau sämtlicher vorheriger Spielzeiten.
Auch die Zielgruppe entwickelt sich problematisch. In den ersten acht Wochen des Jahres 2023 erreichten die frühen Sonntagsspiele durchschnittlich 458.000 Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren. Ein Jahr später waren es 399.000, danach 365.000. Aktuell beträgt die durchschnittliche Reichweite nur noch 295.000. Innerhalb von drei Jahren ist somit mehr als ein Drittel dieses Publikums verloren gegangen. Die entsprechenden Marktanteile lagen bei 8,5 Prozent im Jahr 2023, 7,6 Prozent im Jahr 2024, 8,0 Prozent im Jahr 2025 und 7,1 Prozent in der laufenden Spielzeit. Gerade dieser Vergleich zeigt, dass sich nicht lediglich die absolute Fernsehnutzung verändert hat. Auch der Anteil am verfügbaren Fernsehpublikum ist zurückgegangen. Dabei gilt allerdings, dass sich der AGF-Marktstandard zum Jahresbeginn 2024 geändert hat. Für die jüngeren Vergleiche zwischen 2025 und 2026 besteht diese Einschränkung nicht.
Beim zweiten Sonntagsspiel, das gewöhnlich gegen 22.25 Uhr beginnt, fällt die Entwicklung ähnlich ernüchternd aus. In den ersten acht Wochen des Jahres 2023 schalteten durchschnittlich 477.000 Menschen ein. Im darauffolgenden Jahr waren es 452.000 und 2025 noch 447.000. Aktuell sind lediglich 339.000 Zuschauer übrig geblieben. Das entspricht einem Rückgang von 24,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 28,9 Prozent gegenüber 2023. Bei den 14- bis 49-Jährigen ging die durchschnittliche Reichweite im gleichen Zeitraum von 274.000 über 257.000 und 204.000 auf 172.000 Zuschauer zurück. Immerhin liegen die Marktanteile der späteren Übertragungen traditionell etwas höher: In der laufenden Saison werden durchschnittlich 9,1 Prozent in der Zielgruppe erzielt. Allerdings waren es im vergleichbaren Vorjahreszeitraum noch 9,6 und im Jahr 2023 sogar 11,0 Prozent.
Diese beiden Vergleiche sind für die Beurteilung der NFL-Offensive entscheidend. Während RTL mehr Football als jemals zuvor ausstrahlt, verliert ausgerechnet das etablierte Kernangebot rund ein Viertel seiner Zuschauer gegenüber dem Vorjahr. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Reichweiten nicht allein aufgrund der zusätzlichen Nachtspiele sinken. Auch die Partien auf den bekannten Sendeplätzen werden inzwischen deutlich schwächer angenommen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren lassen sich zwar teilweise mit den Begegnungen, dem jeweiligen Spielverlauf und der Konkurrenzsituation erklären. Eine Verschlechterung in dieser Größenordnung auf beiden Sendeplätzen spricht allerdings für ein grundlegenderes Problem der linearen Reichweite.
Ein Blick auf die laufende Saison zeigt, dass einzelne Begegnungen durchaus noch größere Zuschauermengen anziehen können. Die bislang erfolgreichste vollständig dokumentierte Partie der Regular Season 2026/27 war das Aufeinandertreffen der Carolina Panthers und der Philadelphia Eagles am 18. Oktober. Durchschnittlich 635.000 Menschen verfolgten die Begegnung. In der klassischen Zielgruppe wurden 368.000 Zuschauer und 9,1 Prozent Marktanteil erreicht. Auch innerhalb des Spiels entwickelte sich die Reichweite ordentlich. Das erste Quarter kam auf 572.000 Zuschauer, das zweite steigerte sich auf 667.000. Im dritten Spielabschnitt wurden 632.000 und im vierten 664.000 Menschen ermittelt. Damit gelang es RTL, über den gesamten Spielverlauf ein relativ stabiles Publikum zu halten.
Eine Woche zuvor hatte bereits die Begegnung zwischen den Las Vegas Raiders und den New England Patriots für eine überdurchschnittliche Reichweite gesorgt. Am 11. Oktober erreichte RTL durchschnittlich 565.000 Zuschauer, darunter 334.000 Menschen im Alter zwischen 14 und 49 Jahren. Der Zielgruppenmarktanteil lag bei 7,6 Prozent. Am selben Abend trafen die San Francisco 49ers auf die Seattle Seahawks. Mit 415.000 Zuschauern war die absolute Reichweite zwar deutlich geringer, allerdings verbuchte RTL in der Zielgruppe 15,2 Prozent Marktanteil. Das war unter den vollständig erfassten Spielen der bisherigen Regular Season 2026/27 der höchste durchschnittliche Zielgruppenmarktanteil. Dieses Beispiel unterstreicht, dass hohe Marktanteile und hohe Zuschauerzahlen im Football keineswegs dasselbe bedeuten.
Am jüngsten vollständig dokumentierten NFL-Sonntag, dem 1. November, erreichte die Begegnung zwischen den Baltimore Ravens und den Buffalo Bills durchschnittlich 520.000 Menschen. Davon waren 290.000 zwischen 14 und 49 Jahre alt, was einem Marktanteil von 6,7 Prozent entsprach. Das erste Quarter begann mit 388.000 Zuschauern, ehe das zweite 557.000 Menschen anzog. Anschließend wurden 534.000 und schließlich 494.000 Zuschauer gemessen. Weniger erfolgreich verlief die spätere Begegnung zwischen den Kansas City Chiefs und den Denver Broncos. Sie erreichte durchschnittlich lediglich 269.000 Menschen und einen Zielgruppenmarktanteil von 8,4 Prozent. Dabei begann die Übertragung im ersten Quarter noch mit 448.000 Zuschauern. Im zweiten Abschnitt waren es 353.000, im dritten nur noch 183.000 und im abschließenden Viertel 132.000. Mehr als zwei Drittel der anfänglichen Reichweite waren bis zum Schluss nicht mehr vorhanden.
Genau darin liegt ein strukturelles Problem der späteren NFL-Übertragungen. Die Spiele beginnen zu einer Uhrzeit, zu der viele Zuschauer noch fernsehen. Mit zunehmender Spieldauer verabschiedet sich jedoch ein erheblicher Teil des Publikums. Dieser Effekt lässt sich über alle vier untersuchten Spielzeiten hinweg beobachten. Bei den späten Sonntagsspielen des Jahres 2023 lag die durchschnittliche Reichweite des ersten Quarters bei 649.000 Menschen. Im zweiten waren es noch 561.000, im dritten 432.000 und im vierten 354.000. Bereits damals ging zwischen Spielbeginn und Schlussviertel beinahe die Hälfte der Zuschauer verloren. In der Saison 2024/25 entwickelte sich die Reichweite der vier Quarter von durchschnittlich 618.000 über 530.000 und 394.000 auf nur noch 309.000 Menschen.
Ein weiteres Jahr später wiederholte sich das Muster. Im ersten Quarter sahen durchschnittlich 584.000 Menschen zu, anschließend 511.000, dann 350.000 und im vierten Quarter lediglich 285.000. In der laufenden Saison liegen die Durchschnittswerte bei 441.000, 402.000, 291.000 und 239.000 Zuschauern. Innerhalb eines einzigen Spiels geht damit weiterhin beinahe die Hälfte der anfänglichen Reichweite verloren. Dass die Marktanteile gleichzeitig teilweise steigen, ist kein Widerspruch. Während das erste Quarter der späten Sonntagsspiele in dieser Saison durchschnittlich 7,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen erreicht, sind es im vierten Abschnitt 10,2 Prozent. Zu dieser Uhrzeit sitzen insgesamt wesentlich weniger Menschen vor dem Fernseher. Die verbliebenen Football-Fans machen dadurch einen größeren Anteil des Publikums aus, obwohl ihre absolute Zahl abnimmt.
Bei den früheren Sonntagsspielen zeigt sich ein anderes Bild. Dort wird das Publikum über die vier Quarter häufig gehalten oder sogar ausgebaut. In der laufenden Saison erreicht das erste Viertel durchschnittlich 448.000 Menschen. Im zweiten steigt die Reichweite auf 549.000 Zuschauer. Nach 506.000 im dritten Quarter werden im vierten noch 533.000 Menschen ermittelt. Auch in den vorherigen Spielzeiten waren solche Entwicklungen üblich. Im Jahr 2025 erreichte das erste Quarter durchschnittlich 631.000 Menschen, während im vierten 713.000 Zuschauer dabei waren. Die NFL besitzt also durchaus die Fähigkeit, ihr Publikum während einer laufenden Übertragung zu halten und teilweise auszubauen. Besonders gut funktioniert dies allerdings zu einer Uhrzeit, zu der die Zuschauer nicht bereits an ihren nächsten Arbeitstag denken müssen.
Damit stellt sich die Frage nach den zusätzlichen Nachtspielen, die RTL seit September 2026 regelmäßig überträgt. Bis einschließlich der siebten Spielwoche liegen jeweils sieben vollständig erfasste Übertragungen von Thursday Night Football, Sunday Night Football und Monday Night Football vor. Zusammen kommen diese 21 Spiele auf durchschnittlich gerade einmal 110.000 Zuschauer. In der klassischen Zielgruppe sind es rund 31.000 Menschen. Die durchschnittlichen Marktanteile betragen 5,4 Prozent insgesamt und 7,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Bei 16 der 21 Spiele blieb der Zielgruppenmarktanteil unter zehn Prozent. Das sind Zahlen, die zwar angesichts der Übertragungszeiten eingeordnet werden müssen, aber keine besonders breite Resonanz im linearen Fernsehen dokumentieren.
Dabei gibt es zwischen den drei Formaten durchaus Unterschiede. Die Donnerstagsspiele erreichen in der laufenden Saison durchschnittlich 106.000 Menschen. Bei den 14- bis 49-Jährigen sind es 33.000 Zuschauer und 8,1 Prozent Marktanteil. Sunday Night Football kommt auf 122.000 Zuschauer sowie 31.000 junge Erwachsene. Hier werden 8,2 Prozent Marktanteil erreicht. Monday Night Football liegt mit durchschnittlich 101.000 Zuschauern sogar noch etwas darunter. Lediglich 28.000 davon gehören zur klassischen Zielgruppe, in der ein Marktanteil von 7,3 Prozent erzielt wird. Einzelne Partien können diese Werte übertreffen. So erreichten die Detroit Lions gegen die Carolina Panthers am 5. Oktober durchschnittlich 176.000 Zuschauer und 14,3 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Grundsätzlich bewegt sich die Reichweite der neuen Nachtspiele aber nur bei einem Bruchteil der regulären Sonntagsspiele.
Natürlich lässt sich daraus nicht unmittelbar ein wirtschaftlicher Misserfolg ableiten. Entscheidend ist schließlich, welche Kosten RTL für die zusätzlichen Rechte und die Produktion aufwendet, welche Werbepreise erzielt werden und wie sich das gesamte Angebot auf den anderen Plattformen entwickelt. Diese Informationen liegen in den Quotendaten nicht vor. Feststellen lässt sich aber, dass die zusätzlichen Spiele keine neuen Zuschauermassen ins lineare Fernsehen bringen. RTL schafft erheblich mehr Sendezeit für eine vergleichsweise kleine Gruppe besonders engagierter Football-Fans. Gerade die Nachtspiele sind offenbar vor allem für Menschen interessant, die ihrer Mannschaft unabhängig von der Uhrzeit folgen möchten. Ein größeres Gelegenheitspublikum lässt sich damit bislang nicht erkennen.
Eine Sonderrolle nehmen weiterhin die internationalen NFL-Begegnungen ein. Spiele aus Europa beginnen zu wesentlich günstigeren Zeiten und können deshalb auch ein Publikum ansprechen, das nachts nicht vor dem Fernseher sitzen würde. Besonders eindrucksvoll war das Frankfurt-Spiel zwischen den Miami Dolphins und den Kansas City Chiefs am 5. November 2023. Die Begegnung erreichte durchschnittlich 1,346 Millionen Zuschauer. Bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 732.000 Menschen und ein Marktanteil von 20,0 Prozent gemessen. Im vierten Quarter waren sogar 1,474 Millionen Zuschauer dabei. Damit war diese Partie die reichweitenstärkste RTL-Übertragung der gesamten Regular Season 2023/24 und zugleich das erfolgreichste Nicht-Super-Bowl-Spiel des gesamten untersuchten Zeitraums. Das widerlegt bereits die Vermutung, dass ausschließlich die Play-offs für außergewöhnliche Ergebnisse sorgen können.
Allerdings lässt sich ein vergleichbarer Erfolg in den Folgejahren nicht beliebig wiederholen. Die fünf internationalen Spiele der Saison 2023/24 erreichten durchschnittlich 775.000 Zuschauer und 13,5 Prozent Marktanteil in der klassischen Zielgruppe. In der Saison 2024/25 kamen vier Begegnungen auf 585.000 Menschen und 11,1 Prozent. Ein Jahr später lag der Durchschnitt der sechs europäischen Partien bei 629.000 Zuschauern und 11,8 Prozent. Die vier bislang vollständig erfassten internationalen Begegnungen der laufenden Saison erreichen nur noch 469.000 Menschen und 11,6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Dabei schnitt das London-Spiel zwischen den Philadelphia Eagles und den Jacksonville Jaguars am 11. Oktober mit 587.000 Zuschauern am besten ab. Die erste NFL-Partie in Paris zwischen den Pittsburgh Steelers und den New Orleans Saints erreichte am 25. Oktober durchschnittlich 405.000 Menschen. Das international besetzte Angebot bleibt damit ein wichtiger Bestandteil des Football-Programms, garantiert aber ebenfalls keine großen Reichweiten.
Interessant wird die Untersuchung insbesondere beim Übergang von der Regular Season zu den Play-offs. Tatsächlich verbessern sich die Marktanteile in der entscheidenden Saisonphase häufig erheblich. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass jedes Play-off-Spiel eine größere absolute Reichweite erzielt als eine gewöhnliche Sonntagspartie. Während die Regular Season 2023/24 auf durchschnittlich 614.000 Zuschauer kam, erreichten die sechs Begegnungen der Wild Card Round lediglich 554.000 Menschen. Dafür lag der durchschnittliche Zielgruppenmarktanteil mit 18,8 Prozent beinahe doppelt so hoch wie während der regulären Spielzeit. Das liegt auch daran, dass zahlreiche Begegnungen in konkurrenzarmen Nachtstunden ausgetragen werden. Für die Bewertung ist deshalb die Unterscheidung zwischen Reichweite und Marktanteil wesentlich.
In der Saison 2024/25 wiederholte sich dieses Phänomen. Die sechs Wild-Card-Begegnungen erreichten durchschnittlich 424.000 Zuschauer und 16,2 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Bei den sechs Wild-Card-Spielen der Saison 2025/26 waren es durchschnittlich 422.000 Menschen und 14,5 Prozent. Gegenüber der ersten RTL-Saison hat somit nicht nur die Reichweite deutlich nachgegeben, sondern auch der durchschnittliche Zielgruppenmarktanteil um mehr als vier Prozentpunkte. Besonders erfolgreich war zuletzt die Begegnung zwischen den Buffalo Bills und den Jacksonville Jaguars am 11. Januar 2026. Durchschnittlich 930.000 Menschen verfolgten das Spiel, davon 571.000 in der klassischen Zielgruppe. Im vierten Quarter wurde sogar die Marke von einer Million Zuschauern überschritten. Die Partie belegt, dass die NFL weiterhin ein großes Publikum erreichen kann, wenn Spielansetzung und Attraktivität der Begegnung zusammenpassen.
In der Divisional Round zeigt sich ebenfalls eine abnehmende Tendenz. In der Saison 2023/24 erreichten die vier Spiele durchschnittlich 774.000 Menschen sowie 22,0 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen. Ein Jahr später waren es 600.000 Zuschauer und 20,9 Prozent. Die jüngste abgeschlossene Saison brachte schließlich nur noch 493.000 Zuschauer und 14,4 Prozent. Damit hat sich die durchschnittliche Reichweite dieser Play-off-Runde innerhalb von zwei Jahren um mehr als ein Drittel verringert. Allerdings sind gerade bei nur vier Begegnungen pro Saison die jeweiligen Anstoßzeiten und Mannschaften von erheblicher Bedeutung. Der langfristige Rückgang bleibt dennoch auffällig.
Deutlich stabiler präsentieren sich die Conference Championships. In der ersten RTL-Saison erreichten die beiden Halbfinalspiele durchschnittlich 882.000 Menschen. Der Marktanteil in der klassischen Zielgruppe lag bei 23,1 Prozent. Ein Jahr später waren es 765.000 Zuschauer und 25,6 Prozent. Die Saison 2025/26 brachte im Schnitt 809.000 Zuschauer und 23,5 Prozent. Besonders erfolgreich war am 25. Januar 2026 die Begegnung zwischen den New England Patriots und den Denver Broncos, die durchschnittlich 1,120 Millionen Menschen verfolgten. Davon waren 630.000 zwischen 14 und 49 Jahre alt. Der Zielgruppenmarktanteil betrug 16,7 Prozent. Das zweite Conference Championship Game zwischen den Los Angeles Rams und den Seattle Seahawks erreichte nur 497.000 Zuschauer, dafür aber 30,3 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe. Auch hier wird deutlich, wie stark die Uhrzeit die Bewertung der Zahlen verändert.
Unangefochten bleibt der Super Bowl als größtes NFL-Ereignis des Jahres. Allerdings ist selbst das Endspiel nicht von rückläufigen Reichweiten verschont geblieben. Der Super Bowl LVIII zwischen den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs im Februar 2024 erreichte über die erfassten Quarter durchschnittlich 1,915 Millionen Zuschauer. Bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 1,179 Millionen Menschen, die einen außergewöhnlichen Marktanteil von 66,5 Prozent ermöglichten. Ein Jahr später sank die durchschnittliche Reichweite beim Aufeinandertreffen der Kansas City Chiefs und Philadelphia Eagles auf 1,457 Millionen Zuschauer. Die Zielgruppe umfasste 990.000 Menschen, der Marktanteil betrug weiterhin hervorragende 63,0 Prozent.
Beim jüngsten Super Bowl LX zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots im Februar 2026 wurden schließlich durchschnittlich 1,416 Millionen Zuschauer erreicht. Davon waren 863.000 zwischen 14 und 49 Jahre alt. Der Marktanteil in dieser Altersgruppe lag bei 61,3 Prozent. Damit hat der Super Bowl innerhalb von zwei Jahren rund 499.000 Zuschauer verloren. Das entspricht einem Rückgang von ungefähr 26 Prozent. Auch die Reichweite in der klassischen Zielgruppe verringerte sich um nahezu 27 Prozent. Dennoch bleibt das Endspiel ein Ausnahmeereignis, das in Deutschland zu einer Uhrzeit, zu der normalerweise nur ein kleiner Teil der Bevölkerung fernsieht, noch mehr als eine Million Menschen erreicht.
Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung innerhalb der Super-Bowl-Übertragungen. Im Februar 2024 erreichte das erste Quarter durchschnittlich 2,356 Millionen Zuschauer. Im vierten Viertel waren es nur noch 1,632 Millionen Menschen. Dennoch stieg der Zielgruppenmarktanteil in dieser Zeit von 57,3 auf 74,6 Prozent. Beim Super Bowl 2025 sank die Reichweite zwischen dem ersten und vierten Quarter von 1,727 auf 1,151 Millionen Zuschauer. Im Februar 2026 begann das Endspiel mit 1,819 Millionen Menschen, während im letzten Quarter durchschnittlich 1,161 Millionen Zuschauer dabei waren. Der Zielgruppenmarktanteil stieg dabei von 51,0 auf 69,8 Prozent. Besonders in der entscheidenden Schlussphase dominiert der Super Bowl somit das verbleibende Fernsehpublikum, auch wenn die absolute Reichweite im Laufe der Nacht deutlich zurückgeht.
Was bedeutet all dies für RTL? Zunächst ist festzustellen, dass die NFL keineswegs erst mit den Play-offs erfolgreich sein kann. Die internationalen Spiele haben bereits während der Regular Season mehrfach hohe Reichweiten und zweistellige Marktanteile erzielt. Auch die Sonntagsspiele um 19.00 Uhr können mehrere Hunderttausend Menschen anziehen und diese über die gesamte Übertragung halten. Allerdings nehmen die absoluten Reichweiten des Kernprogramms ab. In der klassischen Zielgruppe ist der Rückgang besonders deutlich. Die Zahlen sprechen deshalb nicht für eine wachsende lineare Football-Begeisterung, sondern eher für eine zunehmende Konzentration auf die attraktivsten Spiele.
Für die Verantwortlichen ergibt sich daraus eine interessante strategische Frage. Die NFL eignet sich zweifellos dazu, ein klar umrissenes und besonders engagiertes Publikum langfristig an eine Marke zu binden. Dieses Publikum nimmt auch ungewöhnliche Anstoßzeiten in Kauf und sorgt gerade während der Play-offs für auffällige Marktanteile. Andererseits zeigen die vergangenen drei Jahre, dass eine Ausweitung der Übertragungen nicht automatisch eine Ausweitung des Publikums bedeutet. Der Super Bowl ist weiterhin ein außergewöhnliches Fernsehereignis. Die Conference Championships können zum Quotenhöhepunkt werden. Und auch einzelne internationale Begegnungen haben großes Potenzial. Die gewöhnliche Regular Season entwickelt sich dagegen eher zu einem Programm für die treue Fangemeinde als zu einem reichweitenstarken Angebot für den breiten Fernsehmarkt.
Ob sich das stark ausgeweitete Rechtepaket wirtschaftlich lohnt, lässt sich anhand der Quoten allein nicht beantworten. Rein aus Sicht der linearen Reichweite ist die Entwicklung allerdings ernüchternd: RTL bietet den Football-Fans immer mehr Spiele, erreicht mit den einzelnen Begegnungen aber häufig immer weniger Menschen.







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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
06.11.2026 11:37 Uhr 1
06.11.2026 13:52 Uhr 2