«Proserpine, la violence érotisée dans l'art» hinterfragt die Darstellung von Gewalt gegen Frauen in berühmten Kunstwerken.

Entführungen, Übergriffe und Gewalt gegen Frauen gehören seit Jahrhunderten zu den Motiven berühmter Kunstwerke. Doch was heute als Meisterwerk bewundert wird, zeigt nicht selten Szenen, die aus einer anderen Perspektive erschreckend wirken. Mit diesem Widerspruch beschäftigt sich die Dokumentation
«Proserpine, la violence érotisée dans l'art», die der französische Geschichtssender Histoire TV am Samstag, 21. November 2026, um 20.50 Uhr ausstrahlt. Der 52-minütige Film wurde von Mariangela Barbanente inszeniert, die das Drehbuch gemeinsam mit Consuelo Lollobrigida verfasste.
Als erzählerische Leitfigur dient Proserpina, die aus der römischen Mythologie bekannte Tochter der Ceres, die von Pluto in die Unterwelt entführt wird. In der Dokumentation erwacht die mythologische Figur zum Leben und befreit sich aus den Armen ihres Entführers. Anschließend führt sie die Zuschauer durch unterschiedliche Epochen der Kunstgeschichte. Der Film beginnt bei antiken römischen Sarkophagen und beschäftigt sich unter anderem mit den Skulpturen des italienischen Barockkünstlers Gian Lorenzo Bernini. Dessen berühmte Darstellung des Raubes der Proserpina gehört zu den bekanntesten künstlerischen Interpretationen des Mythos.
Die Reise führt weiter zu Werken von Artemisia Gentileschi, die im 17. Jahrhundert als eine der bedeutendsten Malerinnen des Barock hervortrat. Ihre Arbeiten bieten eine andere Perspektive auf weibliche Figuren, Machtverhältnisse und Gewalterfahrungen. Auch die zeitgenössische Performancekünstlerin Marina Abramović wird in die Betrachtung einbezogen. Auf diese Weise verbindet die Dokumentation unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen und untersucht, wie sich die Darstellung des weiblichen Körpers und der Gewalt gegen Frauen im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.
Dabei geht es nicht allein um die Motive der einzelnen Künstler, sondern auch um die gesellschaftlichen Vorstellungen, die ihre Werke geprägt haben. Die Dokumentation hinterfragt ästhetische Konventionen, durch die Szenen von Entführung, Übergriffen und sexueller Gewalt lange Zeit als Ausdruck von Schönheit, Leidenschaft oder mythologischer Dramatik wahrgenommen wurden. Mit der animierten Proserpina erhält die Geschichte eine ungewöhnliche Perspektive, die den Blick auf vertraute Meisterwerke verändern soll.
Im Anschluss setzt Histoire TV sein Programm um 21.45 Uhr mit der Dokumentation «Sarah Bernhardt à corps perdu» fort. Diese widmet sich der französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den bekanntesten Bühnenpersönlichkeiten ihrer Zeit gehörte.
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