Wirtschaft

Netflix verteuert alle Abos und streicht werbefreien Basistarif

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Der Streamingmarktführer verlangt künftig mindestens 15,99 Euro für ein werbefreies Abonnement. Die Begründung mit hohen Programminvestitionen greift angesichts der Milliardengewinne zu kurz.

Netflix erhöht nach mehr als zwei Jahren erneut flächendeckend seine Preise in Deutschland. Besonders kräftig fällt der Aufschlag beim werbefinanzierten Standard-Abo aus: Statt 4,99 Euro werden künftig 6,99 Euro pro Monat fällig – ein Anstieg um 40 Prozent. Das werbefreie Standard-Paket verteuert sich von 13,99 auf 15,99 Euro, während das Premium-Abo mit 4K-Auflösung und 3D-Sound künftig 21,99 statt 19,99 Euro kostet.

Zugleich lässt Netflix das werbefreie Basis-Abo endgültig auslaufen. Der Tarif war bereits seit 2023 nicht mehr für Neukunden erhältlich, konnte von Bestandskunden bislang aber für 9,99 Euro weitergenutzt werden. Diese müssen sich nun zwischen dem günstigeren Angebot mit Werbung und einem deutlich teureren werbefreien Tarif entscheiden. Damit steigt der Mindestpreis für werbefreies Netflix von 9,99 auf 15,99 Euro – um mehr als 60 Prozent. Auch das Account-Sharing wird teurer. Ein Zusatzmitglied außerhalb des eigenen Haushalts kostet im Werbetarif künftig 4,99 statt 3,99 Euro. Beim Standard- und Premium-Abo steigt der Aufpreis von 4,99 auf 5,99 Euro. In Österreich, wo das Werbe-Abo erst 2027 eingeführt werden soll, verteuert sich das Basis-Paket von 8,99 auf 10,99 Euro.

Netflix verweist bei seinen regelmäßigen Preisanpassungen auf den wachsenden Mehrwert seines Angebots und hohe Investitionen in neue Produktionen. Finanzielle Not leidet der Konzern allerdings nicht: In den zwölf Monaten bis Ende Juni 2026 erwirtschaftete Netflix einen Nettogewinn von 13,65 Milliarden US-Dollar. Allein im zweiten Quartal standen unter dem Strich 3,4 Milliarden Dollar. Die höheren Preise dienen daher weniger der wirtschaftlichen Absicherung des Angebots als der weiteren Steigerung seiner Profitabilität.

Dabei kann sich Netflix auf seine starke Marktstellung verlassen. Untersuchungen zur Nutzungsdauer sehen den Dienst weiterhin deutlich vor Disney+, AppleTV und Prime Video. Gerade diese intensive Nutzung gilt als Argument dafür, dass Netflix noch Spielraum für höhere Preise besitzt. Eine aktuelle Ampere-Analyse warnt allerdings, dass Streamingkunden in Westeuropa allmählich die Grenze ihrer Zahlungsbereitschaft erreichen. Die Region verzeichnete in den vergangenen Jahren bereits die weltweit kräftigsten Preissteigerungen bei Streamingabonnements.

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