Die Kritiker

«4 Könige»

von

Ein überzeugender Cast, rund um Jella Haase, spielt in diesem unkonventionellen Weihnachtsfilm groß auf. Vier grundverschiedene Jugendliche verbringen die Festtage in der psychiatrischen Klinik.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Jella Haase als Lara
Paula Beer als Alex
Jannis Niewöhner als Timo
Moritz Leu als Fedja
Clemens Schick als Dr. Wolff
Simone Anneke Kim Sarnau als Schwester
Lale Yavas als Sibel

Hinter der Kamera:
Buch: Esther Bernstorff
Regie: Theresa von Eltz
Kamera: Kristian Leschner
Filme rund um das Fest der Liebe ähneln sich üblicherweise in vielen Punkten. Zudem laufen in der Adventszeit und um die Feiertage in vielen deutschen Wohnzimmern die Klassiker, wie letztes Jahr, wie schon 1980. Moderne Ausreißer aus dieser Wohlfühloase verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit. Schließlich ist es keine leichte Aufgabe, das Weihnachts-Feeling rüberzubringen, ohne sich den immer gleichen Plattitüden hinzugeben.

Einen interessanten Ansatz liefert das Drama «4 Könige», das im Rahmen des kleinen Fernsehspiels im ZDF neue Facetten an der Thematik hervorhebt. Schließlich ist nicht jedem vergönnt, die Festtage im Kreise einer intakten Familie zu verbringen. Wenn dann noch psychische Probleme hinzukommen, wird das heile, idealisierte Bild, das so mancher von Weihnachten hat, ins Wanken gebracht:

In vier Familien eskalieren kurz vor Weihnachten die Konflikte. Daraufhin müssen vier sehr
unterschiedliche Jugendliche den Heiligabend in der Psychiatrie verbringen. Während Lara (Jella Haase) mit Drogen in Kontakt kam, kämpft Timo (Jannis Niewöhner) gegen seine unkontrollierten Wutanfälle. Dann wäre da noch Alex (Paula Beer), die unter den Ängsten ihrer Mutter leidet, sowie Fedja (Moritz Leu), der in der Schule zum Mobbingopfer wurde. Zu ihrem Glück steht ihnen der unkonventionelle Arzt Dr. Wolff (Clemens Schick) zur Seite, der in allen vier ihre Stärken erkennt und ihnen mehr zutraut als sie sich selbst. Sie erleben ein unvergessliches Weihnachten – voll Trotz und Traurigkeit, voll Ironie und Überraschungen.

Die eindrückliche Atmosphäre, die das einfühlsame Drama umgibt, resultiert aus der starken schauspielerischen Leistung ihrer jungen Darsteller. Der Film lebt von den Emotionen seiner Hauptfiguren. Egal ob es sich um einen stillen Moment der Angst oder einen ekstatischen Wutanfall handelt, der ebenso jungen wie talentierten Schauspielerriege gelingt es durch die Bank Einblicke in das Seelenleben der scheinbar so unterschiedlichen Charaktere zu vermitteln. Der Druck unter dem Alex leidet ist förmlich greifbar, ebenso wie die Ängste von denen Fedja geplagt wird. Auch die teils ansatzlosen Ausraster von Timo wirken absolut authentisch. Die Figuren decken das gesamte Spektrum der Außenseiter, vom stillen, schüchternen Mobbingopfer, bis hin zum aufbrausenden Problemkind, ab. Allerdings gibt es eine Sache, die die vier verbindet: Ihre Probleme zu Hause.

Im Laufe des bekommt der Zuschauer zunehmend das Gefühl, die „Vier Könige“ immer besser kennenzulernen. Das liegt jedoch nicht nur an den herausragenden Leistungen der Schauspieler, sondern auch am cleveren Drehbuch aus der Feder von Esther Bernstorff. Denn die Wirkung der Therapie auf die Figuren geht Hand in Hand mit der Entwicklung der Story. Der einfühlsame, manchmal etwas zu naiv gezeichnete Dr. Wolff lässt seinen Schützlingen ungeahnte Freiheiten und schafft es auf diese Weise, Schicht für Schicht ihre Kernprobleme offenzulegen und zu ihnen vorzudringen. Auf diese Weise vervollständigt sich auch für den Zuschauer ein Puzzle. Der Authentizität kommen zudem die „Amateuraufnahmen“ der Jugendlichen zu Gute. Dieses Stilmittel vermittelt einen gewissen Realismus. Aufgepeppt wird die Geschichte durch selten eingesetzte, dafür umso wirkungsvollere Schockmomente. In vermeintlich ruhigen Momenten passiert plötzlich Unvorhergesehenes.

Trotz dieser ebenso unkonventionellen wie einfallsreichen Spielereien versteht sich «4 Könige» zur Recht auch als Weihnachtsfilm. Dieses Prädikat verdient sich die von Theresa von Eltz umgesetzte Geschichte nicht einfach mit dem Setting einer Klink über die Weihnachtstage, sondern mit der Wärme, die das Zusammenwachsen der ungleichen Gruppe ausstrahlt. Dabei wird überflüssiger Kitsch dankenswerterweise gekonnt umschifft, wenngleich ein Drama logischerweise nicht ganz ohne etwas fürs Herz auskommt. Obwohl für die Jugendlichen Weihnachten größtenteils negativ konnotiert ist, gibt ihnen ausgerechnet die Klinik, fern von der Familie, ein Stück dieses Gefühls zurück.

Das ganze Themenfeld Weihnachten, wenngleich nicht alleiniges Hauptmotiv des Films, wird in seiner Ambivalenz präsentiert und soll wohl folgende Message transportieren: Einerseits ist es vollkommen okay auch an Weihnachten schlecht drauf zu sein. Probleme lösen sich nicht in Luft auf, nur weil der Kalender den 24. Dezember anzeigt. Nicht jeder erlebt Friede, Freude Eierkuchen Festtage im Kreise seiner Liebsten. Andererseits ist das Fest eine Chance dem Alltag zu entfliehen und selbst in einer wenig festlichen Umgebung wie einer Psychatrie zumindest für ein paar Tage glücklich zu sein. Kombiniert mit den angesprochenen Kniffen und Themen steht unter dem Strich eine absolut sehenswerte, moderne Weihnachtsgeschichte, die recht eigen daherkommt, und genau deshalb zu überzeugen weiß.

Das ZDF zeigt «4 Könige» am Montag, den 11. Dezember um 0.30 Uhr.

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