In seinem auf wahren Ereignissen beruhenden Drama «Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen» erzählt «St. Vincent»-Regisseur Theodore Melfi von einem unbekannten Kapitel der US-amerikanischen Raumfahrergeschichte.
Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) arbeiten zu Beginn der Sechzigerjahre bei der NASA und sind an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte beteiligt. Die brillanten Mathematikerinnen sind Teil jenes Teams, das dem ersten US- Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglicht. Eine atemberaubende Leistung, die der amerikanischen Nation neues Selbstbewusstsein gibt, den Wettlauf ins All neu definiert und die Welt aufrüttelt. Dabei kämpft das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und ist eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten.
Getragen wird «Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen» in erster Linie von seinen drei Hauptdarstellerinnen. Damit wird das Hollywood-Problem um die Dominanz männlicher weißer Hauptfiguren zwar nicht auf Anhieb unter den Teppich gekehrt, doch ein aussagekräftiges Statement setzt Regisseur Theodore Melfi trotzdem, denn tatsächlich ist in seinem Porträt in erster Linie all das relevant, womit die Frauen in Berührung kommen. Taraji P. Henson («Empire»), Octavia Spencer (demnächst auch in «Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott» zu sehen) und Janelle Monáe («Freunde mit gewissen Vorzügen») spielen ihre vollkommen unterschiedlichen Rollen mit viel Fingerspitzengefühl und verhelfen dem Film gemeinsam zu einer toughen, aufbegehrenden aber auch immer wieder angenehm humorvollen Attitüde. «Hidden Figures» ist Ensemblekino par excellence, in dem sich kein Darsteller in den Vordergrund drängt. Neben Kirsten Dunst («Midnight Special») und Jim Parsons («Visions») setzt auch Kevin Costner («Der mit dem Wolf tanzt») unterschwellige Akzente. Seine Figur des Projektleiters Al Harrison fungiert vor allem als Beobachter, eh er sich schließlich von sich aus anschickt, die unter der Oberfläche permanent brodelnden Problemherde anzugehen. Costners Performance bleibt zurückhaltend, bis die oberflächliche Strenge seiner Person im entscheidenden Moment glaubhaft aufbricht. Mehr als im Hintergrund die Fäden ziehen, lässt Melfi Costners Figur allerdings nicht. Große Gesten wie das Abhängen des „For White Only“-Toilettenschildes sind vornehmlich symbolischer Natur.
Visuell bleibt «Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen» zwar weitestgehend unauffällig, akustisch sieht das hingegen ganz anders aus. Die Kollaboration aus Hans Zimmers («Batman v Superman: Dawn of Justice») theatralischen Orchester-Kompositionen und der Mitarbeit von Pharrell Williams («Minions – Der Film»), der hier nach «Dope» zum wiederholten Mal auch als Produzent auftaucht, ergibt eine wahrlich ungewöhnliche Mischung. Die den Film dominierende, emotionale Gegensätzlichkeit wird so auch auf musikalischer Ebene immer wieder betont. Kamerafrau Mandy Walker («Jane Got a Gun») sorgt für schöne Kontraste zwischen der weltoffenen Atmosphäre der NASA-Gebäude sowie den beengten Lebensverhältnissen der Frauen. Theodore Melfi erzählt in genau richtigem Maße auch von den privaten Hintergründen der Protagonistinnen und macht sie so nahbar und ihre Beweggründe für jedwedes Handeln nachvollziehbar. Trotzdem bleibt sein Film in erster Linie die Erzählung von drei Karrierefrauen, einhergehend mit all den Widerständen, denen sie zu damaliger Zeit ausgesetzt waren. Dass das dann wiederum gelingt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken (der rührendste Moment ist vermutlich ein Heiratsantrag an eine der Hauptfiguren), ist fast eine kleine Sensation.

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