Die Kritiker

«Der Kroatien-Krimi - Der Teufel von Split»

von

Das Erste erweitert sein Auslands-Krimi-Spektrum am Donnerstag um Kroatien – mit dem üblichen Ergebnis: schnörkellos heruntererzählt, aber wenig einnehmend.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Neda Rahmanian als Branka Maric
Lenn Kudrjawizki als Emil Perica
Kasem Hoxha als Borko Vucevic
Ralph Herforth als Jerko Novac
Alma Prica als Tereza Remic
Max Herbrechter als Tomislav Kovacic
Adriana Altaras als Dada Maric

Hinter der Kamera:
Produktion: Constantin Television
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Regie: Michael Kreindl
Kamera: Stefan Spreer
Produzent: Friedrich Wildfeuer
Branka Maric ist eine junge, talentierte Kommissarin bei der Polizei der kroatischen Küstenstadt Split. Ihr beeindruckender Lebenslauf mit zahlreichen Auslandsaufenthalten, glänzenden akademischen Leistungen und einer bisher sehr erfolgreichen Berufslaufbahn prädestiniert sie eigentlich dafür, die vakante Stelle der Leiterin der Mordkommission zu übernehmen. Eigentlich. Denn die kroatische Gesellschaft, so der Konsens unter den Ranghöheren, sei noch nicht weit genug, um eine Frau in einer solch exponierten beruflichen Position akzeptieren zu können, noch dazu in einer Männerdomäne.

Ihre schlagfertigen Gegenargumente, gepaart mit dem Versprechen, ihrem Dienstvorgesetzten ein Autogramm ihres berühmten Handballspielerbruders zu verschaffen, überzeugen jedoch vom Gegenteil: Sie bekommt den Job und ist von nun an die Vorgesetzte ihrer beiden bisherigen Kollegen. Das wird noch für die sendeplatzüblichen Spannungen sorgen.

Zunächst wartet jedoch Arbeit in der Pathologie: Am Hafen wurde die Leiche von Ante Remic gefunden, eines versoffenen Veteranen aus den Jugoslawienkriegen, der durch neunzehn Messerstiche zu Tode gekommen ist. Kurz darauf bricht jemand in seine Wohnung ein und entwendet Andenken aus der Kriegszeit. Bevor Branka und ihr Team auf nennenswerte Spuren stoßen, scheidet ein weiteres Mitglied von Remics alter Kampftruppe gewaltsam dahin. Der offensichtliche Verdacht: Jemand begleicht eine alte Rechnung.

Natürlich ist Branka, um dem Urlaubs-Krimi-Duktus Genüge zu tun, auch emotional in den Fall verstrickt: Ihr im Krieg umgekommener Bruder ist Teil von Remics Einheit gewesen. Das einzige nun noch lebende Mitglied ist Jerko Novak, ein neureicher Immobilienmogul, der gegen alle Widerstände in Split ein sündhaft teures Objekt nach dem nächsten hochzieht. Er bekräftigt die Theorie von Branka und ihren Kollegen: Während des Kroatienkriegs haben Teile der Truppe auch Kriegsverbrechen begangen – auf Druck von Remic, wie Novak sagt. Doch Novak scheint selbst ein finsterer Geselle zu sein und keine weiße Weste zu haben.

Getreu der ungeschriebenen (und wohl auch eisern dementierten) Devise „Spielort vor Handlung“ legt „Der Teufel von Split“ als erster Teil der Kroatien-Krimi-Reihe den Fokus eher auf die Darstellung einer pittoresken Urlaubsstadt mit einer so spannenden wie düsteren Geschichte, anstatt durch Handlungskomplexität oder vielschichtige Figuren gewinnen zu wollen. Der Krimi wirkt herumgebaut um einen Dreisprung aus Sommer, Sonne und Segelbooten, unterfüttert mit diffusen, ein bisschen schaurigen Allgemeinplätzen von alter Schuld, in Blutrünstigkeit kulminierten Rachephantasien und den langen Nachwehen der brutalsten kriegerischen Auseinandersetzung in Europa seit dem zweiten Weltkrieg.

Eine vielschichtigere, geistvollere Thematisierung hätte freilich besser gefallen als dieses kurze Anreißen, um schnurstracks wieder in den Urlaubs-Krimi-Duktus zu verfallen – und wäre mit diesen Figuren und der talentierten Hauptdarstellerin Neda Rahmanian auch erzählbar gewesen. So bleibt hingegen ein schnörkellos heruntergerattertes Durchschnittsprodukt. Ohne größere dramaturgische Unzulänglichkeiten oder anderweitige Fehlleistungen. Aber leider auch ohne Glanz oder Esprit.

Das Erste zeigt «Kroatien-Krimi – Der Teufel von Split» am Donnerstag, den 15. September um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/88101
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