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Es war einmal ein Supermann…

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Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht eine Serie oder ein Film um Superhelden startet. Über die Entwicklung des Genres, über den jüngsten Neustart «The Flash» – und über die Frage, was der Erfolg der Superhelden mit dem 11. September zu tun hat.

Zukünftige Comichelden-Serien

  • Constantine (21. Oktober, NBC)
  • Powers (Dezember, PlayStation Network)
  • iZombie (bis Mai 2015, The CW)
  • Agent Carter (Frühjahr 2015, ABC)
  • Daredevil, Jessica Jones, Iron Fist, Luke Cage, The Defenders (ab Mai 2015, alle Netflix)
  • Preacher (AMC, Ende 2015)
  • Supergirl (CBS, 2015/16)
Vorauss. US-Start und Sender in Klammern
Erinnern Sie sich noch an das letzte Jahr, an dem im Kinosommer kein Superheld die Welt rettete? Es ist genau 15 Jahre her, 1999 – eine Zeit, die sich ewig weit weg anfühlt: «Star Wars Episode I», «The Sixth Sense», «Austin Powers», Disneys «Tarzan» und «The Blair Witch Project» waren die Box-Office-Hits dieses Sommers. Im darauffolgenden Jahr sollten die «X-Men» die Kinoleinwand erobern und Pioniere eines Booms sein, der zu dieser Zeit noch kaum vorhersehbar ist. Heute leben wir in einer Kinowelt, in der floppende Superheldenfilme die Ausnahme der Regel darstellen; es ist eine Zeit, in der ein Film wie «Guardians of the Galaxy» der Hit des Sommers wird, obwohl fast niemand die Charaktere vorher kannte – nicht einmal in der Comicszene. Und es ist eine Zeit, in der Figuren wie Iron Man, die Fantastic Four oder Thor jedem Kinogänger so selbstverständlich bekannt sind wie früher Ellen Ripley oder Prinzessin Leia. Wer glaubte, dieses Genre sei nur ein Trend, hat geirrt. Vermutlich sind Batman, Iron Man und Co. für lange Zeit nicht mehr vom Bildschirm wegzudenken.

Der Erfolg von «X-Men» – knapp 300 Millionen US-Dollar wurden eingespielt – fiel zwar groß aus, erschien aber keinesfalls so exorbitant, dass man bereits einen Trend hätte erwarten können. Dennoch kämpfte nach «X-Men» ganz Hollywood um die (damals noch recht günstig) verfügbaren Lizenzen für Comiccharaktere. In Kevin Smiths «Jay und Silent Bob schlagen zurück» (2001) wurde das Rennen bereits parodiert: „Nachdem «X-Men» ein absoluter Hit war, haben sämtliche Studios angefangen, die Rechte an allen Comics zu kaufen, die sie in ihre dreckigen Finger bekommen konnten“, heißt es dort. Man sollte Recht behalten – und mehr: Bald wurden Comicverlage gegründet, die hauptsächlich die filmische Weiterverwertung im Sinn haben. Die gedruckten Comics sind quasi öffentliche Drehbücher, die von Filmemachern aufgekauft werden sollen. Radical Studios (früher Radical Comics) ist ein solches Beispiel; unter anderem kommen «Oblivion» mit Tom Cruise und die diesjährige «Hercules»-Verfilmung aus dieser Schmiede.

Mittlerweile gehören die größten Comicverlage Entertainment-Giganten an; über eine ganzheitliche Verwertungskette werden Print-Charaktere zu riesigen Film- und Serienmarken. DC Comics ist bereits vor Jahrzehnten über Umwege eine Tochter von Warner Bros. geworden, Konkurrent Marvel – größter US-Comicverlag – wanderte 2009 zu Disney. Die gedruckten Comics sind für das Geschäft kaum relevant, es sind die Charakterlizenzen. Disney ließ sich diese 2009 satte vier Milliarden US-Dollar kosten, oder rund 54 Dollar pro Aktie. Gegenüber besagtem Jahr 1999, als Superhelden fast keinen Kinoproduzenten interessierten, war dies für die Aktie eine Wertsteigerung von rund 1000 Prozent.

Große Helden auf dem kleinen Bildschirm


Dass sich auch immer mehr Fernsehserien die Geschichten übermenschlicher Heldengestalten annehmen, ist nur eine folgerichtige Entwicklung. Die maskierten Rächer kehren damit zu ihren Wurzeln zurück; im Fernsehen hatten Batman und Co. ihre ersten audiovisuellen Erfolge gefeiert, nicht im Kino: Zwar wurde bereits 1951 ein Superman-Film in den amerikanischen Lichtspielhäusern vorgeführt, doch dieser diente nur als Auftakt einer TV-Serie namens «Adventures of Superman», die ein Jahr später startete. Der 58-minütige Film gehört später als Zweiteiler offiziell zur Serie, die über 100 Episoden erhält und erster größerer Superhelden-Erfolg im Fernsehen wird. 1966 startete dann die legendäre «Batman»-Serie – ebenfalls wieder mit einem Kinofilm als Marketinginstrument, allerdings erst nach der ersten TV-Staffel. 120 Episoden in drei Staffeln wurden gedreht, fast wäre eine vierte dazugekommen: Schauspielerin Yvonne Craig verriet einmal, dass NBC die Serie weiterführen wollte, nachdem ABC sie abgesetzt hatte. Allerdings waren vier Wochen zuvor die Sets bereits abgerissen worden, ein Wiederaufbau soll dem Network letztlich zu teuer gewesen sein.

Unter anderem feierten Superhelden im Animationsprogramm große Erfolge, aber auch Realserien hielten sich auf dem Bildschirm: In den 1970er Jahren waren Formate wie «Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann», «Wonder Woman» und «Der unglaubliche Hulk» erfolgreich, in den 90ern dann «Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark» sowie die Serie «Buffy», die Elemente einer Superheldenserie mit Fantasy und Horror verknüpfte. Der Ansatz einer jungen, normalen Frau, die zur Heldin wird und gegen das Böse kämpft, soll stilbildend werden für kommende Produktionen: Auch «Smallville» (ab 2001) setzt auf die Erdung des Superhelden, der auch mit ganz normalen Alltagsproblemen und Emotionen zu kämpfen hat. Mit «Heroes» traf NBC 2006 voll den Nerv der Zeit, auch wenn keine lizensierten Charaktere zur Verfügung standen.

Seit 2012 sind auch die klassischen Superhelden im Fernsehen zurück, die großen Namen sind mittlerweile jedoch für das Kino reserviert. Fernsehmacher müssen sich also – vorerst – mit Namen aus der zweiten («Arrow») oder dritten Reihe («Agents of S.H.I.E.L.D.») begnügen. Oder sie erzählen Geschichten aus dem Universum der großen Helden aus einer anderen Perspektive: «Gotham» verknüpft geschickt den Batman-Mythos mit einem Polizei-Drama und beleuchtet die Zeit, in der ein junger Kommissar James Gordon das Verbrechen bekämpft. Die Serie interessiert derzeit rund 6,5 Millionen Zuschauer und ist für den Sender Fox auf Anhieb erfolgreichste Live-Action-Serie im Programm geworden.

Noch stärker macht es «The Flash»: Fast fünf Millionen sahen die Premierenfolge und bescherten dem kleinen Sender The CW die besten Zuschauerzahlen seit fünf Jahren. Einmal mehr erzählt «The Flash» die Origin eines normalen jungen Erwachsenen, der durch widrige Umstände zu Superkräften gelangt und nun gegen das Böse antritt. Gewürzt mit einem mysteriösen Geheimnis (Mutter wurde vor Jahren von einer übermenschlichen Gestalt ermordet) und einer tragischen Hintergrundgeschichte (Vater wandert für den vermeintlichen Mord an der Mutter ins Gefängnis) erhält man hier klassischen Superhelden-Stoff. Die Premiere besticht durch einen sympathischen, unverbrauchten Hauptcharakter, eine hervorragende Visualisation und Regie sowie eine etwas (farben)frohere, optimistischere Konzeption im Gegensatz zu den sonst oft düster-dystopischen Heldengeschichten.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
18.10.2014 12:32 Uhr 1
Wie ich diese Super - Helden - Filme hasse!! Ausser Iron Man können mir alle gestohlen bleiben... :roll:

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