Die Kritiker

«Tatort: Der Eskimo»

von  |  Quelle: Inhalt: ARD

Nach dem Ausscheiden von Nina Kunzendorf muss Joachim Król am Sonntagabend in Frankfurt zum ersten Mal allein ran. Unsere Rezension verrät, wie er sich dabei so geschlagen hat.

Hinter den Kulissen

  • Produktion: Hessischer Rundfunk
  • Drehbuch: Achim von Borries und Hendrik Handloegten
  • Regie: Achim von Borries
  • Kamera: Bernd Fischer
Inhalt
Frank Steier ist am Ende - ein Wrack. Als er sich nach einer mal wieder durchzechten Nacht im Stadtpark auf einer Bank wiederfindet, wird er Zeuge eines Mordes an einem Jogger. Seine Verfolgung der Täterin endet kläglich. Im Präsidium warten gleich zwei Überraschungen auf ihn: Sein Chef präsentiert ihm die nassforsche Kriminalkommissarsanwärterin Linda Dräger, die ihm zur Seite stehen soll, und gleichzeitig wird er als Tatzeuge von dem Mordfall abgezogen. Doch das hält Steier nicht davon ab zu ermitteln. Dass er die Täterin nicht erwischt hat, nagt an seiner Eitelkeit. Er findet heraus, dass das Opfer ein Lehrer-Kollege seiner Exfrau war. Die zeigt sich kurz erschüttert von dem Mord, benutzt das Treffen aber auch, um ihm von ihrem jungen Geliebten Lars zu berichten. Kein guter Tag für Hauptkommissar Steier. Klammheimlich observiert er den neuen Mann im Leben seiner ehemaligen Frau und entdeckt einige Ungereimtheiten. Gleichzeitig wird er zu einem mysteriösen Toten gerufen. Scheinbar gibt es eine Verbindung zwischen dem Toten und dem Liebhaber seiner Exfrau.

Bald taucht eine zweite Leiche auf: die eines japanischstämmigen Amerikaners, der als Soldat in Frankfurt stationiert war, wie sich schnell herausstellt. Als sich Steier und seine Kollegin zur Kaserne aufmachen, zeigt sich die US Army jedoch äußerst unkooperativ. Erst als Steier hört, wie die Militärkapelle Manfred Manns Klassiker „The Mighty Quinn“ spielt, kommt er weiter: der Song befindet sich auch auf der Festplatte des ermordeten Soldaten.

Darsteller


Joachim Król («Lola rennt») als Frank Steier
Peter Kurth («Goodbye, Lenin!») als Erik Seidel
Alwara Höfels («Allein gegen die Zeit») als Linda Dräger
Jenny Schily («Der Fall Jakob von Metzler») als Julia Steier
Volker Bruch («Die Pilgerin») als Lars Quinn „Tony“
Gerd Wameling («Wolffs Revier») als Walter Hillinger
Jürgen Rißmann («Heiter bis tödlich – Henker und Richter») als Michael Viersen

Kritik


Es besteht Grund zur Skepsis. „Der Eskimo“ ist Joachim Króls erste Folge ohne Nina Kunzendorf. Dass Król sich das nicht lange antun wird, ist derweil schon länger bekannt. Die Brocken sind schon hingeworfen. Dass aus München und Leipzig erst wahre Rohrkrepierer kamen, verstärkt das Bedürfnis noch, die eigene Erwartungshaltung heimlich, still und leise ordentlich nach unten zu korrigieren.

Diese niedrige Erwartungshaltung ist jedoch vor allem eines: unangebracht und völliger Blödsinn. Denn auch wenn einem Kunzendorf stellenweise fehlen mag: Król ist ein hervorragender Schauspieler, wahrscheinlich einer der Besten, die der «Tatort» gerade hat.

Er darf sich bei Achim von Borries und Hendrik Handloegten bedanken, dass die ihm ein Buch geschrieben haben, das frei von all den prätentiösen Tönen ist, die anderswo gerne mal angeschlagen werden. Im „Eskimo“ geht es zwar auch um harten Tobak, um vertuschte Vergewaltigungen und Wahnstörungen, um Depression und Alkoholismus – doch diese Themen betten sich natürlich in die Handlung ein, sind ein authentischer Bestandteil der Lebensrealität der Charaktere, statt zum zeigefingerschwenkenden Lehrstück aufgebauscht zu werden, um Plattitüden abzuhaken.

Bei Achim von Borries darf Król sich noch ein zweites Mal bedanken, nämlich dafür, dass er ihn als Regisseur durch eine stil- und stimmungsvolle Inszenierung besser aussehen lässt als große Namen wie Dominik Graf ihre Schauspieler in jüngsten «Tatorten». Borries erlaubt sich einen gewissen Grad an Entschleunigung, setzt seine Leitmotive sparsam ein und geht mit den Allegorien behutsam um. Sonntagabends im Ersten sieht man das mittlerweile viel zu selten.

Allein die Abwesenheit des seelenlos Durchkalkulierten aus München, Ludwigshafen und Berlin macht die neue Folge aus Frankfurt schon sehenswert. Dass der Zuschauer das Puzzle wieder einmal schneller zusammengesetzt hat als die Ermittler, ist eher ein Schönheitsfehler. Die Kernelemente stimmen: eine packende, gebrochene Hauptfigur, die ohne billiges Gemenschel auskommt; ein gut strukturierter Plot, bei dem es nur im letzten Drittel etwas zu langsam vorwärts geht, und eine glaubwürdige Einflechtung gesellschaftlich relevanter Themen.

Drei Kernelemente, die mittlerweile in erstaunlich vielen «Tatorten» fehlen.

Das Erste zeigt «Tatort – Der Eskimo» am Sonntag, den 5. Januar um 20.15 Uhr.

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