Die Kritiker

«Polizeiruf 110 - Der Tag wird kommen»

von   |  6 Kommentare

Die Kriminellen Sascha Bukow und Katrin König machen wieder Jagd auf andere Kriminelle. Die Law-and-Order-Romantik des Rostocker «Polizeirufs» ist endgültig zur Farce degeneriert.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Anneke Kim Sarnau als Katrin König
Charly Hübner als Alexander Bukow
Andreas Guenther als Anton Pöschel
Josef Heynert als Volker Thiesler
Uwe Preuss als Henning Röder
Klaus Manchen als Veit Bukow
Peter Trabner als Guido Wachs

Hinter der Kamera:
Produktion: Filmpool Fiction GmbH
Drehbuch: Florian Oeller
Regie: Eoin Moore
Kamera: Andreas Höfer
Produzentin: Iris Kiefer
Vor eineinhalb Jahren haben sich die Autoren des Rostocker «Polizeirufs» entschlossen, aus ihren Kommissaren endgültig Verbrecher zu machen: Katrin König (Anneke Kim Sarnau) fingierte Beweismittel, um einem unangenehmen, narzisstischen, aber rechtlich nicht belangbaren Typen einen Mord anzuhängen, den er mit Sicherheit nicht begangen hatte, und Sascha Bukow (Charly Hübner) deckte seine Kollegin, Corpsgeist sei Dank.

Nun meldet sich bei der Beweismittelfälscherin in Uniform das, was sie für ihr Gewissen hält: Sie kann nicht mehr schlafen, sie kratzt sich die Haut wund, sie hat Halluzinationen, agiert immer erratischer, redet irre und frisst die Psychopharmaka flaschenweise. Wir Zuschauer wissen natürlich, woher dieser Verfall eigentlich herrührt: Denn in einem Kabuff unter ihrer Wohnung sitzt ein dicker schmieriger Mann, der so widerlich grinst, wenn er mit allerhand Remote-Nachsichtgeräten Königs Wohnung observiert und dort den Infraschall lauter dreht oder in ihrer Abwesenheit die Pillen manipuliert.

Nicht einmal die Gewissensbisse für ihr Verbrechen dürfen also echt sein. Dabei hätte „Der Tag wird kommen“ zu einer Kurskorrektur für diese Reihe werden können, die sich vor drei Folgen in einer Zumutung verrannt hat: Eine Polizistin, der man bei der Ermittlung von Gewalttätern aufgrund ihrer eigenen schweren Verbrechen keinen Zentimeter über den Weg trauen dürfte und die wegen ihrer Straftaten selbst längst hinter Gitter gehörte, wird weiter als empathische Figur geführt, die auf der unterschwelligen Ebene vormachen soll, wie Staats- und Polizeiapparat im «Polizeiruf»-Idealzustand – also ohne all die nervigen Vorschriften, Verordnungen, Gesetze und Akademiker in unabhängigen Justizämtern – funktionieren könnte.

Damit hat diese Rostocker Reihe den demokratischen rechtsstaatlichen Grundkonsens einmal aufs Neue verlassen und ihren Status als Format für Pegida-Kundgebungen und „Mahnwachen für den Frieden“ zementiert, für die Fans von Xavier Naidoo und Mario Barth, für Menschen mit einem tumben „Volksempfinden“ und einer „gefühlten“ Gerechtigkeit: Der Drecksack hat’s doch verdient.

Doch der gruselige Knacki arbeitet mit finsterem religiösen Überbau an der Korrektur des Verbrechens, das an ihm begangen wurde, und will Rache an Bukow und König nehmen: „Der Tag wird kommen“, hat er sich mittlerweile auf den Unterarm tätowieren lassen. Doch damit er zu seinen tatsächlich verübten Verbrechen steht, soll auch König Buße tun für ihre Taten.

Ein Typ wie Bukow, die Macher dieses Films und die gedachten Zuschauer finden das natürlich unerhört. Die Sympathie muss bei der betrügenden Polizistin bleiben, die morgens beim Joggen noch die letzte Pennerin grüßt, bevor sie schnell eine junge Frau aus den Klauen zweier zugedröhnter Halbstarker befreit, die sie anschließend in die Klinik prügeln. Dass die junge Frau bald abgestochen in dieselbe Notaufnahme gefahren wird, eröffnet den Fall der Woche, der zu einer augenscheinlich harmonischen Patchwork-Familie führt, die natürlich so nicht Bestand haben darf. Geschiedene Eltern und neue Verpartnerungen samt Stiefkind-Anordnung müssen ihren suspekten Touch behalten, und kein Motiv wäre da schöner (und medizinisch sogar noch einigermaßen richtig) als das Broken Heart Syndrome.

Sobald man dann genug im gebrochenen Herzen einer todunglücklichen jungen Mutter herumgewühlt hat, geht es zurück in den Knast, von wo aus der „Frauenmörder“ (O-Ton Bukow) die Menschen drangsaliert, die ihn hinter Gitter gebracht haben. „Eine Hülle ohne Kern, ohne Seele“ soll er sein, weil man den schmierigen Beinahe-Davongekommen nur als blassen Narzissten zeichnen will und nicht als komplizierte Figur in einem ethisch wie juristisch extrem komplizierten Konstrukt. Dagegen fiele das Urteil über Bukow und König viel eindeutiger aus: Sie wären eine Schande für den deutschen Polizeidienst.

Das Erste zeigt «Polizeiruf 110 – Der Tag wird kommen» am Sonntag, den 14. Juni um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/118908
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Es gibt 6 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
11.06.2020 09:13 Uhr 1
Und deine Kritiken werden immer mehr zur Farce!!! Warum nicht gleich 0 %??? Ist ja echt unglaublich, ich kann mich nicht erinnern, dass du je mal einem Film über 80 % gegeben hast!!! :relieved:
Kingsvale
11.06.2020 10:10 Uhr 2
Zum letzten Mal, wenn ich das kurz richtig recherchiert habe, am 18. Mai: 90% für "L'Intrusa - Der Eindringling". Warum erzählst du wieder so einen Schwachsinn, Sentinel?
Kalinkax
11.06.2020 18:10 Uhr 3
die Kritken von Miller lese ich schon gar nicht mehr und ich kann Sentinel verstehen

zu 98% ist bei ihm alles schlecht und furchbar anzuschauen.

Ich komme besser mit tittelbach.de hin und der gibt dem Polizeiruf 5 von 6 Sternen
Sid
11.06.2020 18:38 Uhr 4


Julians jüngste Urteile in der Kategorie "Die Kritiker":



Polizeiruf 110 - Der Tag wird kommen: 20 %

Der Beischläfer: 60%

Der Barcelona-Krimi - Blutiger Beton: 60%

Der Gute Bulle - Friss oder Stirb: 70%

Schwartz & Schwartz - Wo der Tod wohnt: 60%

Laim und der letzte Schuldige: 50%

L'Intrusa - Der Eindringling: 90%

Herr und Frau Bulle - Abfall: 40%

Ich brauche euch: 90%

In der Mitte des Flusses: 80%
Hingucker
17.06.2020 17:48 Uhr 5
Für mich war diese Folge eine der besten Polizeiruf 110/Tatort seit Jahren.
Lucifer
22.06.2020 16:55 Uhr 6
Also wenn man so eine Kritik verfasst wie die oben erwähnte, dann hat man den Rostocker Polizeiruf und insbesondere "Bukow" und "König" nie verstanden... :relieved:

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