Die Kritiker

«Tatort: Lakritz»

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Seit 1970 wird der «Tatort» ausgestrahlt und gilt als die mitunter kultigste Serie im deutschsprachigen Fernsehen. Die Ermittler-Duos kommen und gehen, doch kaum eines erfreut sich größerer Beliebtheit als das aus Professor Boerne und Kommissar Thiel.

Cast und Crew

Vor der Kamera:
Jan Josef Liefers ist Prof. Karl-Friedrich Boerne
Axel Prahl ist Frank Thiel
Friederike Kempter ist Nadeshda Krusenstern
Christine Urspruch ist Silke Haller
Mechthild Grossmann ist Wilhelmine Klemm
Claus D. Clausnitzer ist Herbert Thiel

Hinter der Kamera:
Regie: Randa Chahoud
Drehbuch: Thorsten Wettcke
Kamera: Kristian Leschner
Schnitt: Jürgen Winkelblech
Musik: Eike Ebbel Groenewold
Redaktion: Nina Klamroth (WDR)
Produzentin: Jutta Müller
"Er ist tot. Endlich." Mit diesem Satz eines Zimmermädchens beginnt «Tatort: Lakritz». Das sagt schon viel über die Beliebtheit des Toten aus, bei dem es sich um Hannes Wagner handelt, seines Zeichens Marktmeister und Organisator von Münster. Thiel und Boerne treffen beim Tatort ein und erfahren, dass der sehr wohlhabende Herr Wagner mit Cyanid vergiftet wurde. Die beiden nehmen die Ermittlungen auf, stoßen aber schnell auf Probleme. Die Konkurrenz des Marktleiters war groß und jeder von ihnen hätte ein Motiv gehabt den unsympathischen Konkurrenten loszuwerden. Doch die Ermittler stoßen auf ein noch größeres Problem: das Lakritz des Marktmeisters war mit Cyanid versetzt und wird weiterhin auf dem Markt in großen Mengen verkauft.

In der langen Historie des «Tatort» wird Humor überwiegend kleingeschrieben. Grundsätzlich stehen ernste Thematiken, einzelne schwere Schicksale und die Morde im Vordergrund. Doch der Münsteraner «Tatort» wählt seit jeher einen anderen Ansatz, der sich bis dato immer ausgezahlt hat. So hat beispielsweise «Tatort: Schwanensee» im November 2015 fast 14 Millionen Menschen vor den Bildschirm gelockt. Zahlen, die für Karl-Friedrich Boerne und Frank Thiel inzwischen zur Gewohnheit geworden sind. Und die große Fangemeinde des Duos aus Münster wird mit Sicherheit dafür sorgen, dass auch «Tatort: Lakritz» starke Einschaltquoten einfahren wird.

Noch dazu kommt, dass der neue Fall wieder eineinhalb Stunden hervorragende Unterhaltung bietet. Die Nachforschungen rund um den Marktmeister bieten viel Situationskomik, die - wie üblich für den Münsteraner «Tatort» - auf den Punkt geschrieben sind. Das gute Timing spürt man nicht nur in den Dialogen, sondern auch im restlichen Tempo des Films. Längen kommen während den knapp neunzig Minuten zu keiner Zeit auf, was insbesondere dem guten Schnitt zu verdanken ist. Mal ist «Tatort: Lakritz» ungewöhnlich schnell geschnitten und zieht das Tempo an, dann wieder kommt der Film zu einem ruhigeren Erzähltempo. Spannung und Humor wechseln sich dabei einander ab, treffen an manchen Stellen sogar aufeinander, behindern sich dabei aber nie gegenseitig.

Neben den perfekt pointierten Dialogen und der Komik bietet der aktuelle Fall von Thiel und Boerne auch noch eine zweite Ebene, die sich mit dem Privatleben von Boerne beschäftigt. Es zählt natürlich zur klassischen Krimi-Struktur, dass neben dem jeweiligen Fall noch eine zweite Erzählung stattfindet, die sich mit dem Privatleben oder ähnlichem der Hauptfigur beschäftigt. Doch «Tatort: Lakritz» geht einen Schritt weiter und beleuchtet die Kindheitsgeschichte von Professor Karl-Friedrich Boerne. Noch dazu wird diese Parallelhandlung organisch mit dem eigentlichen Mord verstrickt, sodass diese Verbindung dem Zuschauer sinnvoll und logisch erscheint. Dadurch bekommt der Charakter Boerne nicht nur deutlich mehr Tiefe, der ansonsten so unnahbare und kalte Professor wird glatt zum sympathischen Wesen.

Was im direkten Vergleich mit anderen Episoden des «Tatort» auffällt, ist die unkonventionelle Inszenierung in «Tatort: Lakritz». Thiel und Boernes aktueller Fall arbeitet teilweise mit Rückblenden, die wiederum mit unüblich bunten und musikalischen Überblendungen arbeitet. Auch die Kamera, die auf dem Blaulicht eines Polizeiwagens montiert ist und im Zeitraffer durch Münster fährt, ist etwas Neues für die sonstigen Sehgewohnheiten des «Tatort».

Mit «Tatort: Lakritz» wird man keinen schweren oder düsteren «Tatort» bekommen, sondern das genaue Gegenteil. Humorvoll, überraschend bunt und clever erzählt sind die neuen Ermittlungen von Thiel und Boerne ein wahres Highlight. Nicht nur, dass insbesondere Boerne stärker charakterisiert und vermenschlicht wird, auch Axel Prahl beweist wieder einmal, dass er die perfekte andere Hälfte des Duos ist. Fans der Beiden werden definitiv auf ihre Kosten kommen, sowie all diejenigen, die etwas für starke Komödien übrighaben.

Das Erste zeigt «Tatort: Lakritz» am Sonntag, den 3. November, um 20.15 Uhr.

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