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Interview

Chefautor Björn Firnrohr: So verändert sich «Sturm der Liebe» in der neuen Staffel

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Anfang November startet die 16. große Lovestory in der Dailynovela. Mit Chefautor Firnrohr besprechen wir die strategische Ausrichtung, reden über die ambivalente Figur Christoph, die Wichtigkeit von Antagonisten und wie sich der Fürstenhof im Lauf der Jahre generell verändert hat.

Zur Person: Björn Firnrohr

Firnrohr ist seit Herbst 2016 Chefautor von «Sturm der Liebe». Er folgte in dieser Position auf Peter Süß, der zu UFA Serial Drama gewechselt war. Zuvor hatte Firnrohr schon für «Rote Rosen», «Lena - Liebe meines Lebens», «Lindenstraße», «Alles was zählt», aber auch für den "Sturm" gearbeitet.
Herr Firnrohr, mal generell gefragt: «Sturm der Liebe» startet im November in Staffel 16. Wie hat sich die Serie über die vielen Jahre hinweg verändert?
Das Grundkonzept haben wir über all die Jahre erhalten. Aber wir haben immer mal andere Schwerpunkte gesetzt. Ich erinnere mich an die Staffel mit zwei weiblichen Heldinnen, in der beide dann auch Voiceovers bekommen haben. Wir sind sicherlich auch ein bisschen jünger geworden. Die Handlungsstränge rund um die Teenies gab es früher nicht. Und von den Themen her ist «Sturm der Liebe» sicherlich auch offener geworden, wenn ich an die homosexuelle Geschichte rund um Boris und Tobias denke.

In einem früheren Interview haben Sie mal erwähnt, Sie seien großer Fan von US-Soaps, etwa «California Clan», gewesen…
Ja, ich habe das Ende der 80er, Anfang der 90er sehr gerne gesehen.

Hand aufs Herz: Wenn Sie neue Figuren erfinden, haben Sie sich dann schon mal am US-Vorbild bedient?
So etwas kann man nie ganz ausschließen. Man bekommt ja Inspiration von überall. Daraus werden dann aber nie 1:1-Kopien. Aber so ein Vorbild wie etwa der legendäre JR hilft manchmal schon, neue Figuren zu entwickeln.

Wo liegen denn die Unterschiede zwischen den US-Soaps heute und einer deutschen Dailynovela?
Das ist aktuell schwer zu sagen. Auch in den USA hat sich die Zahl der Daily Soaps ja deutlich reduziert. Ich denke, ähnlich wie in Deutschland, werden die Geschichten da schneller als früher erzählt. Aber man darf nie vergessen, dass das deutsche Publikum eine andere Mentalität hat. Wir müssen grundsätzlich geerdeter sein. Unter den deutschen Dailys ist «Sturm der Liebe» der ursprünglichen südamerikanischen Telenovela in seiner inhaltlichen Ausrichtung aber noch am ähnlichsten, denke ich.

Sie sind seit Oktober 2016 Chefautor am Fürstenhof. Welche Suite bewohnen Sie eigentlich gerade?
(schmunzelt)
: Natürlich die Fürstensuite. Und Alfons bringt mir jeden Abend zum Einschlafen ein Glas Milch.

Man sagt ja manchmal, dass Autoren eine sadistische Seite haben und solche Geschichten mit Freude erzählen. Das war hier wirklich nicht so. Von diesen Szenen war das ganze „Sturm“-Team tief bewegt, was sich offenbar auch auf die Zuschauer übertragen hat. Bei allem Entsetzen ist am Ende eine traurig-schöne Geschichte daraus geworden, die die Zuschauer emotional berührt hat.
«Sturm der Liebe»-Chefautor Björn Firnrohr über das tragische Ende der Liebe zwischen Romy und Paul. Romy starb.
In ihrer Zeit als Chefautor: War die Giftgeschichte mit dem Tod von Romy die bisher aufregendste?
Wir haben schon immer sehr dramatische und auch kontroverse Geschichten erzählt, z.B. der vermeintliche Kindstod von Tinas Baby, aber Romys Tod kurz nach ihrer Hochzeit war auf jeden Fall für mich persönlich eine der emotionalsten. Einerseits haben wir dazu natürlich unser Grundversprechen eines „Happy Ends“ für die wahre Liebe gebrochen, andererseits hatten wir so die Möglichkeit, zu erzählen, wie eine große Liebe auch über den Tod hinausgeht. Dass Romy zudem einem Giftanschlag zum Opfer fiel und dies zunächst nur der Zuschauer weiß, erhöht natürlich die Spannung für die späteren Folgen.

Diese junge Liebe so zu zerstören, ist für eine Dailynovela mutig. Das können die Zuschauer Ihnen auch übel nehmen.
Es ist ein Wagnis. Man sagt ja manchmal, dass Autoren eine sadistische Seite haben und solche Geschichten mit Freude erzählen. Das war hier wirklich nicht so. Von diesen Szenen war das ganze «Sturm»-Team tief bewegt, was sich offenbar auch auf die Zuschauer übertragen hat. Bei allem Entsetzen ist am Ende eine traurig-schöne Geschichte daraus geworden, die die Zuschauer emotional berührt hat.

Annabelle war in Staffel 15 eine ganz ausgezeichnete Antagonistin, manche sagen, die vielleicht beste seit Barbara von Heidenberg, die durch ihre diversen Comebacks natürlich auch viel Zeit hatte, die Serie zu prägen. Beatrice Stahl war zuletzt auch länger als eine Staffel das Biest am Fürstenhof, Doris van Norden oder Patrizia Stahl (auch sicherlich durch die Schwangerschaft von Nadine Warmuth) ebenso. Annabelle im Vergleich dazu verhältnismäßig kurz. Wann fällt die Entscheidung, wer wie lange in Bichlheim und Umgebung sein Unwesen treiben darf?
Das ist wirklich unterschiedlich. Wir haben in jeder Staffel ein Hauptpaar, das auch wirklich nur für eine Staffel bei uns bleibt. Aber selbst die Länge der Staffel ist variabel. Die 15. Staffel mit Denise und Joshua ist zum Beispiel länger als die 14. Allerdings hatte sie auch einen kürzeren Verlauf, Viktor und Alicia waren ja schon, bevor sie das Zepter übernahmen, in der Serie zu sehen. Wie lange unsere Antagonisten bei uns bleiben, hängt von unseren Ideen ab und natürlich auch davon, wie lange die Schauspieler verfügbar sind.

Ich kann mir vorstellen, dass das Casting der Fieslinge ähnlich bedeutsam ist wie das des Staffelpaares? Worauf achten Sie im Auswahlprozess besonders?
Ich möchte da kein direktes Ranking machen, da grundsätzlich jedes Casting für jede Figur sitzen muss. Aber Sie haben schon auch recht: Es gibt Castings für Figuren, wo man gerne noch genauer, noch ein zweites und drittes Mal hinschaut. Grundsätzlich aber gilt: Jede Figur muss funktionieren.

Christoph Saalfeld ist mindestens ein ambivalenter Charakter. Können Sie schon verraten, welche seiner Seiten demnächst im Vordergrund stehen wird?
Christoph wird ambivalent bleiben, das ist auch seine Stärke. Er wird einen neuen Gegner bekämpfen müssen, so viel kann ich verraten. Er wird sich aber auch von seiner familiären Seite zeigen dürfen. Ich lese ja auch viele Kommentare unserer Fans und weiß, dass Christoph eine der Figuren ist, die sehr polarisiert. Momentan natürlich auch Annabelle und unser Hauptpaar, aber Christoph kommt beim Publikum sehr gut an.

Allgemein auffällig ist, dass es zuletzt vermehrt aufwändige Highlight-Storys gab; etwa den Flugzeugabsturz. Braucht es solche Pushs jetzt häufiger als früher?
Ich kann schwer sagen, ob das jetzt wirklich häufiger passiert als vor 15 Jahren. Wenn Sie das auffällig finden, dann nehme ich das als Kompliment. Denn es ist unser Bestreben, Highlights zu setzen und den Zuschauer auch damit zu überraschen und emotional zu involvieren, wie z.B. bei der Whodunnit-Geschichte um Beatrice Stahl und das Rätselraten um den Mörder. Ähnlich angelegt – aber eben doch ganz anders – war die große Vergiftungsgeschichte.

Welche Figuren werden unseren Helden (dann sonst noch) in der nächsten Staffel das Leben schwer machen? Und wie stellen Sie eigentlich sicher, dass der Zuschauer nicht das Gefühl hat, das Charakterprofil des Neuzugangs ähnle zu sehr dem vergangener Bösewichte?
Da will ich wirklich nicht viel vorwegnehmen: Wir werden aber eine neue Figur namens Nadja kennen lernen. Und anders als Annabelle, die ja sehr von ihren Emotionen getrieben ist, ist Nadja eher hinter dem Geld her.

Wir wollen ja auch immer ein bisschen „Larger than life“ sein.
Björn Firnrohr, Chefautor «Sturm der Liebe»
Wenn wir jetzt auf die neue Staffel schauen: Da taucht der Bruder von Boris auf, ebenfalls gespielt vom Boris-Schauspieler Florian Frowein. Verlangen Sie mit diesem Dreh den Zuschauern nicht auch ein bisschen was ab?
Eine Geschichte, die allen gleich gut gefällt und niemanden stört, ist selten eine gute Geschichte. Wir wollen ja auch immer ein bisschen „Larger than life“ sein. Dabei ist einkalkuliert, dass der Zuschauer anfangs irritiert sein wird. Besonders von den Boris-Tobias-Fans wird die Geschichte wahrscheinlich zunächst kritisch gesehen werden. Aber ich sehe es als große Chance. Unser Schauspieler Florian Frowein hat jetzt die Möglichkeit, mal andere Facetten zu zeigen, gleichzeitig ist er dem Publikum bereits in gewisser Weise vertraut. Zusammen mit Léa Wegmann zeigt er eine ganz andere Dynamik als Boris, und darin liegt für mich der Reiz dieser neuen Staffel.

Zum Verständnis: Die neue Figur Tim wird der verschollene Zwilling von Boris und der verschollene Sohn von Christoph sein. Wissen die beiden denn, dass es ihn gibt?
Nein, das wissen sie nicht.

Dann wusste also nur die verstorbene Ex-Frau von Christoph, Xenia, von der Existenz?
Nein, selbst Xenia wusste nichts davon. Wie das möglich ist, wird man abwarten müssen.

Auch die neue Liebesgeschichte wird über den Love-interest, ein weiterer verschollener Saalfeld-Sohn, an die Familie Saalfeld angeheftet. Wieso ist es wichtig, dass immer mindestens eine der Hauptfiguren ein Saalfeld ist?
Es gab da schon Ausnahmen, zum Beispiel in der Staffel um Samia und Gregor. Aber da die Saalfelds unsere Kernfamilie und Besitzer des „Fürstenhofs“ sind, gehört es quasi in unseren Kosmos, die Liebespaare dort anzubinden. Wichtig war uns diesmal, dass wir wieder ein soziales Gefälle erzählen. In den beiden zurückliegenden Staffeln waren unsere weiblichen Hauptfiguren recht elitär. Alicia ist Ärztin, Denise ausgebildete Restauratorin. Franziska nun ist Obstbäuerin.

Wäre es für die Serie wichtig, mal eine zweite große Familie neben den Saalfelds zu installieren?
Wir haben in unserem Zentrum ja eigentlich zwei Saalfeld-Familien. Die „alten“ und die „neuen“ oder die „echten“ und die „falschen“, wenn Sie so wollen. Zudem haben wir die Sonnbichlers, die Patchwork-Familie Niederbühl/Schweitzer, wir hatten Familie Stahl oder die Zastrows. Eine zweite große Familie gab es also schon immer mal wieder.

Haben Sie bei sich im Büro eigentlich einen Saalfeld-Stammbaum? Bricht man sich da beim Zeichen mittlerweile die Hand?
(lacht) Ich habe keinen solchen Stammbaum. Aber ich habe keine großen Probleme, da durchzublicken. Gut, ich wüsste jetzt auf Anhieb den Namen von Miriams Mutter nicht mehr. Aber Miriam ist ja auch schon seit Staffel zwei nicht mehr dabei. Insgesamt habe ich die verschiedenen Stammbäume schon ganz gut im Kopf. Einen aufzuzeichnen, habe ich aber noch nie versucht.

Seit vergangener Staffel sind Eva und Robert und damit ein ehemaliges Traumpaar zurückgekehrt. Wie lange bleiben sie und ist es theoretisch denkbar, demnächst auch weitere Figuren dauerhaft zurückzuholen?
Eva und Robert sind als erstes Traumpaar fest in den Hauptcast zurückgekehrt und sie werden erst einmal auch bei uns bleiben. Andere Figuren kamen immer mal wieder zu Besuch, wenn ich an Rosalie denke, ja sogar mehrmals. Auch Barbara feierte ja drei Comebacks. Wir versuchen also schon den weiteren Weg unserer Figuren immer mal wieder im Blick zu behalten. Konkret ist in der kommenden Zeit aber keine feste Rückkehr einer ehemaligen Figur geplant.

Danke für das Gespräch.

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