First Look

«Whiskey Cavalier»: Heiter bis Tödlich auf Amerikanisch

von

Mit seiner Mischung aus Action und Humor wurde der ABC-Neustart zu einem Liebling der L.A. Screenings: zu Recht.

Cast & Crew

Produktion: Warner Bros. Television
Schöpfer: Dave Hemingson
Darsteller: Scott Foley, Lauren Cohan, Ana Ortiz, Tyler James Williams, Josh Hopkins, Vir Das, Dylan Walsh u.v.m.
Executive Producer: Dave Hemingson, Bill Lawrence, Jeff Ingold und Peter Atencio
Turn around, bright eyes, erklingt Bonnie Tylers Herzschemrz-Serenade, als FBI-Agent Will Chase (Scott Foley) in seiner abgedunkelten Pariser Unterkunft vor sich hinvegetiert, nachdem ihn die Liebe seines Lebens hat sitzen lassen. Aber was hilft es – der neue Auftrag wartet. Und wenn er den vergeigt, wird halb Westeuropa an einem mutierten Ebola-Virus krepieren. Also auf geht’s zum Übergabeort, den korrupten Wissenschaftler abknallen und seinen Helfershelfer gerade in letzter Sekunde zur Strecke bringen, um mit einem letzten Seufzer den Ebola-Flakon aufzufangen, bevor der auf dem Trottoir zerberstet. Just savin‘ the world.

Auch der nächste Einsatz lässt nicht lange auf sich warten: Ein NSA-Agent hat sich Zugang zu allerhand strengst geheimen Daten verschafft. Jetzt haben ihn die Russen gekidnappt. Also muss Will trotz gebrochenem Herzen nach Moskau und den Typen zurück auf amerikanischen Boden holen. Dort kommt ihm allerdings Francesca Trowbridge (Lauren Cohan) in die Quere. Sie arbeitet ebenfalls für die Amis. Doch als CIA-Agentin hält sie – wie ihre gesamte Behörde – das FBI für einen Haufen inkompetenter Dödel. Und so werden wir, nachdem Frankie und Will in dieser ersten Folge durch die eine oder andere Nahtoderfahrung zu einer neckenden Kameradschaft gefunden haben, wohl noch einiges von dieser geschwisterlichen Intelligence-Rivalität zu sehen bekommen.

Was nach einer weitgehend generischen Gemengelage aus adrett durchchoreographierter Action und Sexy-Body-Coolness klingt, wird durch die Erweiterung um ein zusätzliches Stilmittel doch deutlich einzigartiger: Humor – und mit ihm eine hemmungslose Selbst-Persiflage. «Whiskey Cavalier» ist Heiter bis Tödlich auf Amerikanisch.

Agent Will Chase flickt seine knuffige Rivalin auf dem Küchentisch seines Kumpels in einem alten französischen Château wieder zusammen, nachdem sie kurz zuvor von muskelbepackten Fieslingen einen Bauchschuss erlitten hat? Yup, it happened. Bei dieser hastigen Not-OP stolpert zufällig Wills Verflossene herein? Because, of couse she does. Will und Frankie mogeln sich durch den scharf bewachten russisch-weißrussischen Grenzübergang, indem sie das perfekte Klischee des unausstehlich unbedarften amerikanischen Paares auf Europatour mimen? Stranger things have happened. Frankie wirft als CIA-Agentin mal einfach so mit ein bisschen Sprengstoff in einer russischen Bar um sich, damit ihr Zielobjekt nicht den verhassten Kollegen vom FBI in die Hände fällt? Bitch, it’s goin‘ down.

«Whiskey Cavalier» ist so hemmungslos drüber, so völlig desinteressiert am letzten Quäntchen realistischer Vorstellbarkeit, dass die Serie eine bodenlose Action-Farce wird. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie weiß das und will das so. Und weil sie versteht, dass sich diese Farcehaftigkeit und Überstilisierung auch in ihrem Figurenpersonal fortsetzen muss, ihre Charaktere jedoch gleichzeitig nahbar, stark und doch verletzlich geführt werden müssen, kann sie all ihre verqueren Plots und mitunter penetranten Comic Reliefs mit beeindruckender erzählerischer Effizienz in Konflikten erden, die auch emotional verfangen. So konnte aus «Whiskey Cavalier» genau das werden, was den deutschen Krimi-mit-lustig-Verschnitten ob ihrer dramaturgischen Fehlkonstruktionen nie gelingen konnte: ein verschrobener Heidenspaß.

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