Die Kino-Kritiker

«Slender Man» - Unheimlich... mies

von

Das weltberühmte Internet-Meme «Slender Man» bekommt seinen gleichnamigen Horrorfilm. Und der stand leider von Anfang bis Ende unter keinem guten Stern. Und das merkt man auch dem Ergebnis an.

Filmfacts: «Slender Man»

  • Start: 23. August 2018
  • Genre: Horror
  • Laufzeit: 93 Min.
  • FSK: 16
  • Kamera: Luca Del Puppo
  • Musik: Brandon Campbell, Ramin Djawadi
  • Buch: David Birke
  • Regie: Sylvain White
  • Darsteller: Joey King, Julia Goldani Telles, Jaz Sinclair, Annalise Basso, Taylor Richardson, Alex Fitzalan
  • OT: Slender Man (USA 2018)
Der Film zum Creepypasta-Phänomen Slender Man stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Von dem Fall um zwei Mädchen, die sich von dem weltberühmten Meme eines gesichtslosen, hageren Riesen dazu veranlasst sahen, ihre Mitschülerin zu ermorden (empfehlenswert: die näher auf diesen Fall eingehende Dokumentation «Beware the Slenderman» von HBO) und dadurch die Eltern von Opfer und Täterinnen auf die Barrikaden brachte einmal abgesehen, wurde auch die Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte des Films selbst von Problemen überhäuft. Aktuell versucht der Verleih Sony Pictures etwa, eine Unterlassungserklärung gegen das Filmstudio Phame Factory zu erwirken, das parallel zum Start von «Slender Man» ebenfalls ein Projekt zu der Schauergestalt plant und sich, eigenen Aussagen zufolge, dafür lediglich an einem Kulturgut, nicht aber an dem Slender Man selbst bedient. Inwiefern Sony durchsetzen kann, dass niemand Anderes einen Film zum Slender Man inszenieren darf, steht aktuell noch nicht fest.

Ganz anders der Streit zwischen dem Produktionsteam und dem Verleih, der daher rührt, dass sich die Macher einen breiten Kinostart für ihr potenziell hocherfolgreiches Projekt erhofften, Sony hier jedoch nicht mitziehen wollte und aufgrund der Differenzen irgendwann sogar komplett die Lust an dem Projekt verlor. Die heruntergeschraubten PR-Maßnahmen, der Skandal rund um die Veröffentlichung an sich und die vernichtenden Kritikerstimmen zum Trotz, startete «Slender Man» in den USA doch noch zum anvisierten Termin und spielte dort in der Startwoche auch auf respektable Weise sein Budget wieder ein. Wie groß der Erfolg noch wird, wenn sich erst einmal rumspricht, wie schlecht der Film wirklich ist, bleibt abzuwarten.

Ein heraufbeschworener Boogeyman


In einer Kleinstadt in Massachusetts vollziehen die vier Freundinnen Wren (Joey King), Chloe (Jaz Sinclair), Hallie (Julia Goldani Telles) und Katie (Annalisa Basso) ein unheimliches Ritual. Nachdem sie sich ein merkwürdiges Video angesehen haben, geschehen plötzlich unheimliche Dinge, die nur eines bedeuten können: Der von allen nur Slender Man genannte Boogeyman, der angeblich schon hunderte Kinder und Jugendliche entführt haben soll, ist tatsächlich real. Auch in den Köpfen der Mädels nistet er sich langsam ein. Noch schlimmer wird es, als eine von ihnen verschwindet. Verzweifelt versuchen die drei übrig gebliebenen Mädchen, einen Weg zu finden, wie sie den Slender Man (Javier Botet) besänftigen können. Doch als Wren eine Idee hat, ist es längst zu spät und der Slender Man holt sich das nächste Opfer…

Sich für einen Horrorfilm an einer echten Legende abzuarbeiten, ist erst einmal kein Todesurteil. Im Falle von «Slender Man» ist das mit dieser „Legende“ allerdings so eine Sache. In Wirklichkeit ist seit jeher bekannt, dass die große, Anzug tragende Schreckgestalt die Erfindung eines Mannes ist, der damit einen Photoshop-Contest gewinnen wollte. Man könnte daher auch sagen: Der Mythos ist längst entmystifiziert. Daher fühlt sich der fertige Film am Ende auch so an, als hätte Regisseur Sylvain White («Ich werde immer wissen, was Du letzten Sommer getan hast») überhaupt nicht gewusst, was er mit der vielversprechenden Prämisse anfangen sollte. Die durchs Internet geisternden Videos von Slender-Man-Sichtungen sind in der Regel zwar deutlich als Fakes zu erkennen, aber sie verlassen sich auf die simple Art und Weise, wie der Slender Man seinen Opfern Angst macht – indem er stumm und regungslos in der Gegend rum steht und sich bei Bedarf teleportieren kann. Im Film ist es nun ein mysteriöses Video («Ring» lässt grüßen – auch optisch!), mit dem man die normalerweise durch Mund- und Onlinepropaganda weitergetragene Figur in die reale Welt holen kann.

Doch schon beim Ablauf, wie genau das vonstatten geht, ist Drehbuchautor David Birke («Elle») ungenau. Nachdem die Mädels das Video angeschaut haben, vergeht eine ganze Woche und schließlich beginnen sich bei den Schülerinnen, ganz langsam Unbehagen und Albträume breitzumachen. Als ein Mitschüler später unerlaubterweise genau dasselbe Video sieht, sitzt er einen Tag später sichtlich von der Begegnung mit dem Slender Man gezeichnet im Unterricht – und so geht es weiter. Was auch immer für filminterne Regeln Birke aufstellt, er bricht sie. Genauso wie er Figuren auftauchen und wieder verschwinden lässt, ganz so, wie es ihm passt.

Dunkel! Überall dunkel!


Indem der Slender Man durch das Hinzudichten neuer Fähigkeiten und Hintergründe hier zu einer austauschbaren Horrorfigur gemacht wird, können sich die Macher schon mal nicht darauf verlassen, dass es das gruselige Erscheinungsbild des Hünen selbst ist, das für Angst und Schrecken sorgt. Im Gegenteil: Lediglich ein einziges Mal bekommt man eine der berühmt-berüchtigten „der-Slender-Man-steht-einfach-in-der-Gegend-rum“-Panoramen präsentiert. Ansonsten ist die vom „Crooked Man“ aus «Conjuring 2», Javier Botet, verkörperte Figur so selten selbst im Film zu sehen, dass man fast schon von einer Gemeinheit sprechen möchte. Stattdessen sehen wir vornehmlich, wie die Teens pausenlos ihrer Computer- und Smartphone-Sucht nachgehen. Es ist fast gruseliger, darüber nachzudenken, ob die (Horror-)Filme von morgen alle so sein werden; tatsächlich gibt «Slender Man» einen hervorragenden Einblick darin, wie langweilig eine Jugend wird, wenn sie sich von ihren technischen Geräten abhängig macht. Wren und ihre Freundinnen recherchieren in den bekannten Foren, schauen sich Videos von „echten“ Sichtungen an und schreiben sich pausenlos Nachrichten dazu, wie schrecklich das alles ist. Und dass die vollkommen unterforderte Joey King («Wish Upon») ihre schlimmste Horrorerfahrung mit dem Slender Man ausgerechnet in einer Bibliothek macht, besitzt fast schon einen tragischen, symbolischen Wert.

Der Weg der Teens von der ersten Begegnung mit dem Slender Man hin zu den mehr schlechten als rechten Versuchen, ihn endlich wieder loszuwerden, ist gespickt mit allerlei vorhersehbaren Jumpscares. Abgesehen vom ewig gleichen Inszenierungsmuster ist die Hälfte von ihnen noch nicht einmal „echt“ – stattdessen entpuppt sich der Schreck lediglich als von etwas Harmlosem wie einer Freundin oder dem Nachbar ausgelöst; Immerhin zwei annehmbar-atmosphärische Szenen gibt es. Einmal entsteht in einer Zimmerecke lautlos ein unheimlicher Schatten, ein weiteres Mal kündigt sich der gesichtslose Anzugträger via Videoanruf an. Doch so völlig allein auf weiter Flur macht das nie so richtig Angst. Dafür sorgen im Alleingang die Dialoge. David Birke versucht, die halbherzigen Ermittlungen rund um die Slender-Man-Figur in das fortlaufende Privatleben der Mädchen zu integrieren.

Dass dieses lediglich aus Klischees besteht, ist gar nicht so sehr das Problem. Vielmehr kommen die vermeintlich dramatischen und die vermeintlich spannenden Momente nie zusammen, behindern einander gegenseitig und wenn Birke nicht mehr weiter weiß, legt er seinen Darstellerinnen eben Dialoge in den Mund, die etwa davon handeln, dass eines der Mädchen sich von nun an wieder ganz auf „das Training“ konzentrieren wolle – ohne dass jemals vorab erklärt worden wäre, was genau damit eigentlich gemeint ist. Zu guter Letzt fehlt noch der Blick auf die technischen Aspekte. Ebenjener wird einem von Kameramann Luca Del Puppo («Smashed») einfach die meiste Zeit verwährt. «Slender Man» ist nämlich oft einfach so dunkel, dass man auf der Leinwand kaum etwas erkennt. Vielleicht ist es auch einfach besser, dieses Grauen nicht zu sehen…

Fazit


Es ist nahezu unmöglich, einen Film mit solch einer vielversprechenden Horrorikone komplett in den Sand zu setzen. Sylvain White hat es geschafft.

«Slender Man» ist ab dem 23. August in den deutschen Kinos zu sehen.


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Wer schlüpft für «Slender Man» in die Rolle des gleichnamigen Filmmonsters?

Tipp: Der Titel findet sich auch in der obigen Filmkritik.
Teilnahmeschluss ist am 10. September 2018 um 23:59 Uhr. Viel Glück!

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen findet ihr unter http://tinyurl.com/QuotenmeterGewinn.

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