Die Kino-Kritiker

Die Rückkehr des Dino-Horrors: «Jurassic World: Das gefallene Königreich»

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Film des Monats: Nach dem herausragenden Erfolg von «Jurassic World» legt der auf hochemotional-intensives Kino spezialisierte Spanier nach

Filmfacts: «Jurassic World: Das gefallene Königreich»

  • Start: 7. Juni 2018
  • Genre: Abenteuer/Action
  • Laufzeit: 128
  • FSK: 12
  • Kamera: Oscar Faura
  • Musik: Michael Giacchino
  • Buch: Colin Trevorrow, Derek Connolly
  • Regie: J.A. Bayona
  • Darsteller: Bryce Dallas Howard, Chris Pratt, Jeff Goldblum, Ted Levine, James Cromwell, Rafe Spall, Toby Jones, BD Wong
  • OT: Jurassic World: Fallen Kingdom (USA/ESP 2018)
Auf der Liste der in den USA erfolgreichsten Filme aller Zeiten, tummeln sich die üblichen Verdächtigen. Viel Marvel, viel Star Wars und die doppelte Bastion James Camerons aus «Titanic» und «Avatar». Ein weiterer Kandidat unter den Produktionen mit dem größten Einspielergebnis in Übersee sticht da allerdings ein wenig heraus. «Jurassic World», die Fortsetzung des Steven-Spielberg-Abenteuerklassikers «Jurassic Park», passte 2015 zwar hervorragend in den Trend der späten Se- und Prequels, doch dass das Dino-Revival ohne die Vorab-Sicherheit, ob Dinosaurier als Aufhänger eines Blockbusters überhaupt noch zünden, tatsächlich zum aktuell fünfterfolgreichsten Film aller Zeiten (aktueller Stand: 5. Juni 2018) werden würde, überraschte selbst das zu damaliger Zeit erfolgsverwöhnte Studio Universal Pictures. Knapp 700 Millionen US-Dollar nahm Colin Trevorrows 200 Millionen Dollar teures Spektakel allein in den Vereinigten Staaten ein. Hierzulande wollten über vier Millionen Zuschauer den Film vor drei Jahren sehen. Natürlich ist da ein Sequel nicht weit; und eines mit einer spannenden Entstehungsgeschichte noch dazu.

Der ursprünglich auch für den zweiten Teil für die Regie beauftragte Trevorrow sagte aufgrund seines Engagements für den neuen «Star Wars»-Film «Episode IX» ab, wurde kurz darauf – und angeblich aufgrund seiner nicht nur inhaltlich sondern auch wirtschaftlich katastrophalen Arbeit «The Book of Henry» – wieder seines Regieamtes enthoben und musste letztlich trotzdem den Weg für einen hierzulande noch recht unbekannten Kollegen frei machen. Der Spanier J.A. Bayona hat sich auf dem europäischen Mark mit Filmen wie das von uns verehrte Fantasydrama «Sieben Minuten nach Mitternacht», den Katastrophenfilm «The Impossible» und sein einfühlsames Spielfilmdebüt «Das Waisenhaus» als Experte auf dem Gebiet emotional mitreißender Geschichten etabliert. «Jurassic World: Das gefallene Königreich» ermöglichte ihm erstmalig die Arbeit mit fettem Budget - 260 Millionen Dollar, um genau zu sein.

Und genau so fühlt sich das Endergebnis, das inszenatorisch erwartungsgemäß weitaus atmosphärischer daherkommt als der vorwiegend auf Entertainment setzende Vorgänger, auch an: Ein phänomenaler, auf Emotionen und Gefühl (egal ob dramatischer, spannender oder gar schockierender Natur) spezialisierter Regisseur liefert die Verfilmung eines typisch modernen Blockbuster-Skripts (Colin Trevorrow und Dereck Connolly) und kann allein mithilfe seiner bemerkenswerten Expertise viele Schwächen ausgleichen, denen Trevorrow im ersten Teil einfach nicht gewachsen war.

Das Leben findet seinen Weg


Drei Jahre sind vergangen, seit der Themenpark Jurassic World samt Luxus-Resort von gefährlichen Dinosauriern zerstört wurde. Seit die Menschen von der Isla Nublar fliehen mussten, behaupten sich nun die übrig gebliebenen Saurier als unangefochtene Herrscher des Dschungels. Doch als der inaktiv geglaubte Vulkan der Insel anfängt zu brodeln, müssen Owen (Chris Pratt) und Claire (Bryce Dallas Howard) zurückkehren, um die letzten Dinosaurier vor dem Aussterben zu bewahren. Die Rettungsaktion erweist sich als gefährlicher als gedacht, da es auf dem von Beben erschütterten Terrain der Insel  bereits bei ihrer Ankunft Lava regnet. Während Owen verzweifelt versucht, seinen Raptor Blue zu retten, kommen die übrigen Expeditionsmitglieder einer Verschwörung auf die Spur, durch die die Erde in den lebensfeindlichen Zustand der Urzeit zurückkatapultiert werden könnte.

Seine Horror-Wurzeln kehrt J.A. Bayona für sein erstes Big-Budget-Projekt nicht etwa unter den Teppich, er macht sie zum eigenständigen Merkmal eines Film, der gänzlich anders ist, als der sehr auf Abenteuer und leichtfüßiges Entertainment setzende erste Teil. Die wohl einprägsamste Auftaktszene des kompletten Dino-Franchises gibt die tonale Marschrichtung vor: Eine Expedition vor der düsteren Kulisse bei Nacht und Regen geht gewaltig schief - noch nie in der «Jurassic»-Historie mussten sich die Menschen so früh der scharfzahnigen Gefahr stellen und so konsequent ging das erste Aufeinandertreffen auch noch nie zu Ende. Damit deutet sich bereits an, was in den kommenden 129 Minuten bis zum Äußersten fortgesetzt wird: «Jurassic World: Das gefallene Königreich» ist nicht mehr nur Action-Abenteuer (das thematisch zweifelsohne mit Anleihen an das Science-Fiction-Kino versehen ist), sondern gerade inszenatorisch ein astreiner Horrorfilm.

Kameramann Oscar Faura, der auch Bayonas bisherige Filme fotografiert hat und im Hollywood-Blockbusterkino noch ebenso wenig zuhause ist, wie der Regisseur, schafft eine ganz eigene Atmosphäre der Spannung und hilft dank diverser visueller Spielereien auch über die eine oder andere erzählerische Länge hinweg. Die Kamera wirbelt durch die Gegend, steht Kopf, setzt auf Spiegelungen und verhilft der Szenerie immer wieder zu einer Epik, an deren Ernsthaftigkeit sich die Geister scheiden werden. Gleichwohl ist nicht zu leugnen, dass es durchaus gewagt ist, einen derart massenkompatiblen Film auch einfach mal ohne das routinierte Abfeuern regelmäßiger One-Liner zu inszenieren und ihnen somit das zum Usus gewordene Augenzwinkern zu nehmen. J.A. Bayona nimmt die Ereignisse in «Jurassic World: Das gefallen Königreich» jederzeit ernst und nur so gelingt ihm zwischenzeitlich auch das Freisetzen echter Emotionen. Wenn er in einer hochdramatischen Szene die auf einer Insel zurückgelassenen Dinos verbrennen lässt, dann lässt der Regisseur solche Szenen eben einfach stehen, ohne sie mithilfe von Humor abzufedern.

Ein waschechtes Creature-Feature


Durch diese sehr gewissenhafte Inszenierung gelingt ihm auch ein intensiverer Zugang zu den Figuren. Chris Pratt («Avengers: Infinity War») und Bryce Dallas Howard («Elliot, der Drache») bleiben auch im zweiten Teil vorzugsweise auf ihre Rollen der Helden beschränkt, was es ihnen erschwert, so zu agieren, dass ihr Schauspiel dauerhaft in Erinnerung bleibt. Doch die beiden funktionieren nicht nur als Duo hervorragend zusammen, die Drehbuchautoren streuen auch immer wieder kleine erzählerische Fallstricke ein, die ihre Charaktere in einem mehrdimensionalen Licht erscheinen lassen. Im letzten Teil war es schließlich noch Claire, die die Dinosaurier für ihre Zwecke missbraucht hat und auch Owen ließ sich mit der Zähmung der prähistorischen Tiere bislang nicht zwingend als Tierschützer verorten. Die Verantwortlichen hätten diesen argumentativen Widerspruch ruhig noch ein wenig intensiver beleuchten können. So legen sie den Fokus klar auf die beiden als Sympathieträger und im Kontext des Films funktioniert das wiederum sehr gut.

Einen Neuzugang gibt es mit der Newcomerin Isabella Sermon, die in diesem Film ihr Debüt gibt. Bayona, der in seinen bisherigen Filmen ein beachtliches Fingerspitzengefühl bei der Inszenierung jugendlicher Gefühlswelten an den Tag gelegt hat, setzt dieses Können auch hier um und lässt einmal mehr ein Kind über sich hinauswachsen. Wenngleich ein abschließender Twist mehr albernes Drama in den Film bringt, als notwendig, lässt er die Kleine absolut authentisch agieren und gesteht ihr außerdem eine bemerkenswerte Stärke zu. Dasselbe lässt sich von dem einfältig gezeichneten Bösewicht (Rafe Spall, «The Ritual») nicht behaupten. Wenngleich seine Motivation nachvollziehbar ist, die wir an dieser Stelle natürlich nicht spoilern wollen, hätten wir uns letztendlich mehr Kreativität dafür gewünscht, weshalb die Dinos hier wieder einmal zu einer unkontrollierbaren Gefahr werden.

Wenn die Dinosaurier dann allerdings erst einmal außer Kontrolle geraten - vor allem eine gemeinsame Flucht vor einem ausbrechenden Vulkan, ist optisch gigantisch - ist auf der Leinwand richtig was los. Zum Leben erweckt durch starke Computereffekte, Animatronics und von mitunter 20 Puppenspielern bewegten Figuren, entfaltet sich auf der Leinwand ein beeindruckendes Ausmaß an Zerstörung, das auch von den vielfältigen Dreharbeiten an Originalschauplätzen lebt. Vor allem die Szenen auf Hawaii geraten in ihrer Detailverliebtheit beeindruckend; dass das Finale dann ausgerechnet in einem geschlossenen Raum stattfindet, beraubt dem Film auf der Zielgeraden ein wenig an Wucht. Umso heftiger gestaltet sich indes die Gewalt: Die bereits festgelegte FSK-Freigabe ab 12 ist, nennen wir es einmal mutig - hier werden blutig Gliedmaßen abgebissen und Menschen in Fetzen gerissen. Vor allem aber ist es die beklemmende Atmosphäre, die allzu jungen Zuschauern schlaflose Nächte bereiten dürfte. «Jurassic World: Das gefallene Königreich» ist das erste richtige Creature Feature der Reihe.

Fazit


«Jurassic World: Das gefallene Königreich» ist visuell der bislang bestausehende des gesamten Franchises und punktet in erste Linie durch seine beeindruckende und betont düstere Inszenierung. Dadurch fallen die erzählerischen Schwächen nicht mehr ganz so stark ins Gewicht, aber vorhanden sind sie trotzdem. Mit einem besseren Drehbuch wäre hier noch deutlich mehr drin gewesen.

«Jurassic World: Das gefallene Königreich» ist ab dem 7. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen - auch in 3D!

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