Die Kino-Kritiker

Gar nicht egal: «Letztendlich sind wir dem Universum egal»

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Im naiv-romantischen Fantasysfilm «Letztendlich sind wir dem Universum egal» erwacht ein und dieselbe Person jeden Morgen in einem anderen Körper. Aus dieser Grundidee hätte man zwar viel mehr machen können, doch das, was nun daraus geworden ist, ist trotzdem bezaubernd.

Filmfacts: «Letztendlich sind wir dem Universum egal»

  • Start: 31. Mai 2018
  • Genre: Romanze/Fantasy
  • Laufzeit: 98
  • FSK: 6
  • Kamera: Rogier Stoffers
  • Musik: Elliott Wheeler
  • Buch: Jesse Andrews
  • Regie: Michael Sucsy
  • Darsteller: Angourie Rice, Justice Smith, Debby Ryan,, Jeni Ross, Lucas Jade Zumann, Katie Douglas, Jacob Batalon
  • OT: Every Day (USA 2018)
«Letztendlich sind wir dem Universum egal» ist einer dieser Filme, von denen es in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe gegeben hat. Der Inhalt: Zwei Teenager verlieben sich unter widrigen Umständen ineinander – diesmal ist sie ein Mensch und das Objekt der Begierde ein Wesen, das jeden Tag in anderer menschlicher Gestalt aufwacht. Der Roman dazu erschien Ende 2016, ist also noch relativ jung. Autor David Levithan, der mit «Letztendlich geht es nur um Dich» bereits nachgelegt hat, hatte also genug Zeit, um sich gewisse Skills aus ähnlich gelagerten Werken abzuschauen. Doch mit «Twilight» (Mensch liebt Vampir), «Warm Bodies» (Mensch liebt Zombie) oder «Den Sternen so nah» (Mensch liebt Mensch von einem anderen Stern) hat «Letztendlich sind wir dem Universum egal» gar nicht so viel zu tun. Und gesund sind die beiden obendrein, was nach «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» und Co. auch nicht mehr selbstverständlich ist.

Das Besondere an diesem Beitrag ist die verspielte Leichtigkeit, mit der Regisseur Michael Sucsy («Für immer Liebe») seine Geschichte erzählt. Er setzt auf das aufregende Kribbeln der (ersten) großen Liebe und weniger auf den ausgiebigen Herzschmerz. Ein wenig mehr Drama hätte der letztlich doch sehr oberflächlichen Romanze zwar durchaus gut getan, doch auch dank der beiden überzeugenden Hauptdarsteller ist «Letztlich sind wir dem Universum egal» ein durch und durch charmanter Film geworden.

Plötzlich ist alles anders


Rhiannon ist 16 und muss sich mit den alltäglichen Widrigkeiten des Teenager-Lebens herumschlagen: Liebeskummer, Unsicherheit, Gefühlschaos. Doch dann verliebt sich das Mädchen in eine mysteriöse Seele namens „A“, die zufälligerweise im Körper ihres Freundes Justin landet. „A“ bewohnt jeden Tag einen anderen Körper eines 16-jährigen Jungen oder Mädchens, was es für Rhiannon sehr schwierig macht, sie wiederzufinden. Doch die beiden spüren eine einzigartige Verbindung zueinander und versuchen mit aller Kraft, sich nicht zu verlieren. Je stärker ihre Liebe zueinander wird, desto mehr spüren sie die unmittelbare Herausforderung, die „A“s täglicher Körper­wechsel mit sich bringt. So stellt ihre einzigartige Liebe Rhiannon und „A“ vor eine der schwierigsten Entscheidungen, die sie je in ihrem Leben treffen mussten.

Wenn ein und derselbe Charakter innerhalb eines Films von mehreren (in diesem Fall gleich 15!) Schauspielern und Schauspielerinnen verkörpert wird, ist ein Einkommen darüber, was ebenjene Figur eigentlich ausmacht, besonders wichtig. In «Letztendlich sind wir dem Universum egal» ist Rhiannons Love Interest nämlich mal ein gut aussehender Junge, ein anderes Mal eine unscheinbare junge Frau und wieder ein anderes Mal ein auf den ersten Blick ziemlich einschüchternder Mann, wodurch A selbst zugibt, es nicht unbedingt einfach zu haben, mit seiner Geschichte auf offene Ohren zu stoßen. Trotzdem gelingt es sämtlichen Schauspielern, die Faszination für das Wesen greifbar zu machen. Als Zuschauer merkt man schnell, dass A und Rhiannon etwas verbindet, dem hat auch der wiederkehrende Körperwechsel kaum etwas entgegenzusetzen. Vor allem die innere Bindung der beiden Protagonisten steht in «Letztendlich sind wir dem Universum egal» im Mittelpunkt.

Ganz gleich, welches Geschlecht oder welches Aussehen: Haben sich die beiden erstmal füreinander entschieden, spielen derartige Oberflächlichkeiten keine Rolle. Um diese Botschaft zusätzlich zu unterstreichen, hätten wir uns allerdings noch wenig mehr gewünscht als lediglich einen Kuss zwischen Rhiannon und ihrer Mitschülerin, als diese eines Tages als Gefäß für A herhalten muss – dass dieser nämlich vorzugsweise in die Haut besonders beliebter (und attraktiver) Young Adults schlüpfen muss, ist für die Besetzung und anschließende Vermarktung des Films natürlich schon sehr praktisch.

Sympathisch trotz verschenktem Potenzial


Diese Beobachtung steht stellvertretend für viele weitere, anhand derer sich zeigt, dass es «Letztendlich sind wir dem Universum egal» vor allem an Substanz mangelt. Wenn A eine junge Frau eines Tages von einem bevorstehenden Selbstmord abhalten möchte, gelingt das überraschend reibungslos, genauso wie die Trennung zwischen Rhiannon und ihrem sie vernachlässigenden Freund viel zu selbstverständlich über die Bühne geht, als dass sich hier tatsächlich mit den allesamt unverschämt perfekten Beteiligten mitfiebern ließe. Wenn am Ende plötzlich allzu konstruierte Konfliktherde aufgedeckt werden, die nur dazu dienen, dem Film zu einem möglichst dramatischen Finale zu verhelfen, ist das alles viel zu gewollt, um wirklich mitzureißen. Ein wenig ist das allerdings auch der Prämisse an sich geschuldet: Wer wirklich jeden Tag im Körper eines anderen aufwacht, kann dem Zuschauer nun mal nicht mehr Einblicke in dessen Alltag gewähren, als ebenjene 24 Stunden. Umso gelungener ist da die Liebelei zwischen dem Protagonistenpärchen, dem man bei seinem jungen Glück gerne zuschaut und zwischen dem die Chemie einfach stimmt.

Angoury Rice, die in den vergangenen Jahren in solch prestigeträchtigen Werken wie «The Nice Guys» und «Die Verführten» zu sehen war, mimt glaubhaft die von der Geschichte ihres Gegenübers zunächst alles andere als überzeugte Zweiflerin, die sich jedoch nach und nach in As Seele verliebt. Die 17-jährige Australierin funktioniert durch ihr unverbrauchtes Gesicht und ihr unbedarftes Spiel hervorragend als Identifikationsfigur für die anvisierte Zielgruppe der (selbst verliebten) Teenager, während A wiederum von einer Art Sammelperformance mehrerer Darsteller lebt. So richtig vage bleibt dagegen Rhiannons Umfeld, für das sich Drehbuchautor Jesse Andrews («Ich und Earl und das Mädchen») immer nur dann kurz interessiert, wenn es zur eigentlichen Handlung beiträgt (Stichwort: Vater).

«Letztendlich sind wir dem Universum egal» ist sehr deutlich auf seine beiden Hauptfiguren zugeschnitten und duldet in seiner temporeich-schnörkellosen Erzählung keinen Blick nach links und rechts. Daraus hätte man zwar mehr machen können, aber auf der anderen Seite ist es tatsächlich mal ganz schön, hier keinem ausufernden Drama zusehen zu müssen. Da passen dann sogar die gefälligen Postkartenbilder (Kamera: Rogier Stoffers) und der gefühlige Radiopop irgendwie ganz gut ins Bild.

Fazit


Die Idee zu «Letztendlich sind wir dem Universum egal» gäbe deutlich mehr her als eine derart naiv-romantische Romanze, doch dank der Darsteller und der weitestgehend schnörkellosen Erzählung ist diese immerhin grundsympathisch.

«Letztendlich sind wir dem Universum egal» ist ab dem 30. Mai in den deutschen Kinos zu sehen.

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