Im vergangenen Jahrzehnt hat das Horrorkino eine beispiellose künstlerische Renaissance erlebt.
Mit der Kino-Adaption von Stephen Kings Literaturklassiker bringt Andy Muschietti einen wuchtigen Horror-Blockbuster auf die Leinwand. Im Sommer 1989 wird das Kleinstädtchen Derry von einer formwandelnden Entität terrorisiert, die meist die Gestalt des Clowns Pennywise annimmt und sich von den Ängsten der Kinder ernährt. Der „Club der Verlierer“, eine Gruppe junger Außenseiter, nimmt schließlich den Kampf gegen das Monster auf. Gelobt wurde von Kritikern das hervorragende Casting der Kinderdarsteller. Die emotionale Coming-of-Age-Geschichte verleiht dem Blockbuster erzählerische Tiefe. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 700 Millionen Dollar steht das Werk bis heute als der kommerziell erfolgreichste klassische Horrorfilm der Kinogeschichte da.
Zwei junge Missionarinnen klopfen an die Tür des charmanten Mr. Reed. Doch die anfänglich freundlichen Gespräche über Theologie und scheinbar harmlose Popkultur trüben sich schnell, als sich der Gastgeber als manipulativer Psychopath entpuppt. Die Frauen sehen sich in einem labyrinthartigen Haus gefangen, in dem ihr Glaube auf eine perfide Probe gestellt wird. Eine zunächst intellektuelle Diskussion entwickelt sich schleichend zu einem nervenzerreißenden Überlebenskampf. Anstatt auf klassische Schockmomente zu setzen, entfaltet der Film seinen Horror durch philosophische Dialoge und die immer klaustrophobischer werdende Architektur des Hauses.
Ein Daylight-Horror, der auf Dunkelheit weitgehend verzichtet, aber mit großartigem Schauspiel und einmaligen Bildeffekten fasziniert. Die schwer traumatisierte Studentin schließt sich ihrem emotional distanzierten Freund und dessen Clique auf einer Reise zu einem entlegenen schwedischen Mittsommerfest an. Die idyllische Kommune offenbart jedoch schon bald rituelle Gewalt und einen bizarren, blutigen heidnischen Kult. Wer sich nicht von einem langsamen Erzähltempo abschrecken lässt, erlebt einen visuell atemberaubenden Film, der sich tief ins Gedächtnis einbrennt und ein äußerst verstörendes Gefühl zurücklässt.
Um das Herz seines Schwarms zu gewinnen, bricht ein hoffnungslos Verliebter einen Zweig der mysteriösen „One Wish Willow“ ab und wünscht sich ihre bedingungslose Liebe. Sein Wunsch geht in Erfüllung, verwandelt sich jedoch schnell in einen düsteren Fluch. Das erzwungene Verlangen kippt sofort in eine toxische Obsession. Regisseur Curry Barker inszeniert eine Handlung voller unvorhersehbarer Wendungen und erschafft einen beklemmenden Psychotrip über Kontroll- und Identitätsverlust, der von der Fachpresse als eine der innovativsten Genre-Überraschungen des Jahres gefeiert wird.
Diese bissige Body-Horror-Satire, die in Cannes für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, handelt von einer alternden TV-Fitness-Ikone, die getrieben vom Schönheitswahn Hollywoods zu einer illegalen Substanz greift. Das Mittel erschafft aus ihr eine jüngere, makellose Version ihrer selbst. Doch als sie die Vorgabe bricht, die Lebenszeit exakt gleichmäßig zwischen beiden Körpern aufzuteilen, mutiert das Experiment zu einem grausamen, körperlichen Verfall. Der Film glänzt durch seine Hauptdarstellerin Demi Moore und handgemachte Spezialeffekte, die einem sprichwörtlich den Magen umdrehen.
Dieser Horror-Thriller nimmt das mysteriöse Verschwinden von 17 Schulkindern in derselben Nacht als Ausgangspunkt. Die clevere, verschachtelte Handlung verwebt die Schicksale ganz unterschiedlicher Figuren, deren Wege sich bei der Suche nach der Wahrheit unweigerlich kreuzen und eher an einen Kriminalthriller erinnert. Erwartungen werden im entscheidenden Moment durch die multiperspektivische Erzählweise gebrochen. Das sorgt für ein dramaturgisches Glanzstück, das an Zach Creggers vorherigen Sensationsdebüt «Barbarian» anknüpfen kann.
In einer postapokalyptischen Welt wird die Erde von blinden, außerirdischen Kreaturen dominiert, die extrem geräuschempfindlich sind und alles jagen, was Töne von sich gibt. Auf einer Farm kämpft eine Familie ums Überleben und muss ihren Alltag in absoluter Stille organisieren. Doch eines wird zum echten Problem: Ein Neugeborenes ist unterwegs. Der Film brilliert mit seinem Sounddesign, das die Stille selbst zur Waffe macht und einem den Atem anhalten lässt. Die Rolle der Tochter wird von der auch im echten Leben gehörlosen Millicent Simmonds gespielt, was der familiären Dynamik ihre Authentizität verleiht. So entsteht ein nervenzerreißendes Survival-Drama, das emotionale Tiefe mit unerträglicher Spannung vereint.
Hochgelobt als audiovisueller Fiebertraum dreht sich dieser Arthouse-Film um zwei Leuchtturmwärter, die während einer vierwöchigen Schicht auf einer winzigen, kargen Insel vor der Küste Neuenglands wegen eines Sturms von der Außenwelt abgeschnitten sind. Langsam verfallen die Männer dem Alkohol und entwickeln Wahnvorstellungen. Gedreht wurde Robert Eggers‘ Meisterwerk auf 35mm-Film in einem fast quadratischen 1.19:1-Format und in extrem kontrastreichem Schwarz-Weiß. Dadurch entsteht eine klaustrophobische Atmosphäre, die den Film zusammen mit dem wahnwitzigen schauspielerischen Duell zwischen Willem Dafoe und Robert Pattinson perfekt abrundet.
Dieser Social Thriller schafft eine großartige Balance aus Gesellschaftssatire, psychologischem Terror und tiefschwarzem Humor. Die Handlung dreht sich um den afroamerikanischen Fotografen Chris, der zum ersten Mal die weiße Familie seiner Freundin auf deren abgelegenem Anwesen besucht. Die anfängliche übertriebene Herzlichkeit der Familie wandelt sich jedoch schon bald in ein perfides, rassistisches Schauerspiel. Das von Kritikern als brillant gefeierte Drehbuch wurde völlig zu Recht mit einem Oscar gewürdigt.
Das gefeierte Spielfilmdebüt von Ari Aster zeigt eine Familie, die nach dem Tod der emotional distanzierten Großmutter zunehmend von unerklärlichen und verstörenden Ereignissen heimgesucht wird. Nach und nach offenbaren sich dunkle Geheimnisse in ihrer Ahnenreihe, die einen unaufhaltsamen Abstieg in tiefe Trauer und Wahnsinn auslösen. Toni Collette verkörpert die trauernde Mutter am Rande des Wahnsinns oscarwürdig. Anstatt auf simple Jumpscares zu setzen, baut das Meisterwerk eine unerträglich bedrückende Grundspannung auf, die das Werk zu einem der furchteinflößendsten Filme des 21. Jahrhunderts macht.