Draußen regnet es und eine Familie kann ihr Haus nicht mehr verlassen: jahrelang. Noch dazu tummeln sich seltsame Wesen in der Nachbarschaft. Das kann ja heiter werden im neuen Netflix-Horror-Film.
Das Haus ist eigentlich der interessanteste Charakter in «The Last House». Es steht da, bieder, amerikanisch, zunächst ein ganz gewöhnliches Einfamilienhaus – und dann wird es zum Gefängnis. Eine mysteriöse Kraft versiegelt Türen und Fenster, draußen fällt ein seltsamer Regen, die Kommunikation mit der Außenwelt bricht zusammen, und eine vierköpfige Familie muss plötzlich herausfinden, wie man in den eigenen vier Wänden überlebt: Greta Lee und Wagner Moura spielen Ann und Jason, die Eltern zweier Kinder, deren Alltag innerhalb kürzester Zeit in einen Ausnahmezustand kippt. Netflix selbst bewirbt den Film als Survival-Thriller über schwindende Ressourcen und eine ominöse Kraft, die die Familie gefangen hält. Und zunächst funktioniert das erstaunlich gut.
Dabei ist die Grundidee durchaus clever. Die Wesen, die die Familie bedrohen, sind keine simplen Bestien. Der Film entwickelt vielmehr eine Beziehung zwischen Menschen und Kreaturen, die schließlich sogar Empathie und gegenseitiges Verständnis ermöglicht. Die zentrale Auflösung läuft darauf hinaus, dass nicht Gewalt, sondern Vergebung die Familie aus ihrer Gefangenschaft befreit. Das ist als moralische Idee durchaus sympathisch. Als Dramaturgie ist es jedoch erstaunlich unerquicklich. Denn der Film hat zuvor fast zwei Stunden lang darauf hingearbeitet, dass man sich vor dem Unbekannten fürchtet – nur um anschließend festzustellen, dass das Unbekannte im Grunde missverstanden wurde. Das wäre nicht einmal problematisch, wenn der Film seine Figuren konsequent genug auf diesen Perspektivwechsel vorbereitet hätte. Stattdessen wirkt die Wendung zunehmend wie eine pädagogische Abkürzung: Seid verständnisvoll, tötet das Monster nicht, und vielleicht ist das Monster gar nicht böse. Man kann diese Botschaft mögen. Man muss deshalb noch lange nicht die Geschichte mögen, mit der sie transportiert wird.