Schwerpunkt«Polizeiruf 110»: Welches Team wirklich am erfolgreichsten ist

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Der mögliche Produktionsstopp des MDR zeigt: Beim «Polizeiruf 110» entscheiden nicht nur große Namen über den Erfolg – sondern oft auch der richtige Sendeplatz im Kalender.

Der geplante Produktionsstopp des Mitteldeutschen Rundfunks sorgt derzeit für Diskussionen innerhalb der Krimi-Landschaft. Wie bekannt wurde, will der MDR seine «Polizeiruf 110»-Produktionen für mehrere Jahre pausieren. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Frage, welche Ermittlerteams innerhalb der Reihe zuletzt eigentlich die erfolgreichsten waren. Eine reine Betrachtung der absoluten Zuschauerzahlen greift dabei allerdings zu kurz. Denn beim Sonntagskrimi spielt der Sendezeitpunkt innerhalb des Jahres traditionell eine enorme Rolle.

Im Winter schauen grundsätzlich deutlich mehr Menschen fern als im Frühjahr oder Herbst. Dunkle Abende, schlechtes Wetter und weniger Freizeitaktivitäten sorgen regelmäßig dafür, dass ARD und ZDF in den ersten Monaten des Jahres höhere Reichweiten erzielen. Im Sommer sinkt die Fernsehnutzung ohnehin stark ab. Wer also etwa einen Januar-«Polizeiruf» mit einer Ausstrahlung im Mai vergleicht, muss diesen saisonalen Effekt zwingend berücksichtigen.

Genau deshalb ist die Analyse der vergangenen Jahre besonders interessant. Betrachtet wurden sämtliche «Polizeiruf 110»-Ausgaben zwischen Herbst 2020 und Frühjahr 2026. Dabei zeigt sich zunächst ein relativ erwartbares Bild: Besonders hohe Reichweiten erzielen häufig die etablierten Teams aus Rostock oder Magdeburg. Gleichzeitig gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen absolutem Erfolg und tatsächlicher Performance im jeweiligen Umfeld.

Rein nach durchschnittlicher Zuschauerzahl liegt das Team Lenski und Raczek mit knapp 9,69 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern vorne. Allerdings basiert dieser Wert nur auf einer einzigen Ausstrahlung – dem Film „Monstermutter“ vom Januar 2021. Dieser profitierte massiv vom klassischen Wintereffekt – und von der Pandemie. Ende Januar erreichen Sonntagskrimis traditionell ihre stärksten Werte des gesamten Jahres. Deshalb eignet sich dieser Wert nur bedingt für einen direkten Vergleich.

Unter den dauerhaft etablierten Teams zeigt sich ein spannender Zweikampf zwischen Rostock und Magdeburg. Die Rostocker Ermittler Bukow und König kamen im Schnitt auf rund 8,79 Millionen Zuschauer. Das Magdeburger Team um Brasch erreichte durchschnittlich 7,62 Millionen. Auf den ersten Blick wirkt Rostock damit klar erfolgreicher. Doch auch hier spielt der Kalender eine wichtige Rolle.

Die Rostock-Folgen liefen häufig in besonders zuschauerstarken Winter- oder Frühjahrsphasen. Magdeburg musste dagegen mehrfach im Herbst antreten – traditionell eine schwierigere Zeit für den Sonntagskrimi. Rechnet man diesen saisonalen Effekt heraus, schrumpft der Vorsprung deutlich zusammen. Tatsächlich landet Brasch bei der relativen Performance sogar knapp vor vielen anderen Teams.

Besonders auffällig ist ohnehin die Stabilität des Magdeburger «Polizeiruf». Kein anderes Team war im untersuchten Zeitraum so konstant präsent. Zehn neue Fälle wurden ausgestrahlt – deutlich mehr als bei vielen anderen Standorten. Trotz dieser hohen Frequenz blieb das Interesse bemerkenswert stabil. Die Marktanteile lagen durchschnittlich bei starken 26,8 Prozent. Gerade in Zeiten wachsender Streaming-Konkurrenz ist das ein sehr hoher Wert.

Für den MDR ist das durchaus eine unangenehme Erkenntnis. Denn ausgerechnet der Sender, der nun mehrere Jahre pausieren will, produziert eines der konstantesten Teams der gesamten Reihe. Vor allem im Vergleich zu anderen Standorten zeigt sich, dass Magdeburg selten komplett abstürzt. Selbst schwächere Episoden blieben meist klar oberhalb der Sieben-Millionen-Marke.

Die höchsten Marktanteile erzielten allerdings andere Teams. Ross und Rogov kamen im Schnitt sogar auf knapp 28,7 Prozent Marktanteil. Allerdings profitierte dieses Duo ebenfalls von wenigen, sehr günstig terminierten Ausstrahlungen. Ähnliches gilt für Luschke und Rogov, die bei ihrer einzigen Ausstrahlung über 28 Prozent Marktanteil holten.

Generell zeigt sich bei den Marktanteilen ein interessantes Muster: Viele «Polizeiruf»-Teams performen beim Gesamtpublikum stabil, kämpfen aber zunehmend mit dem jüngeren Publikum. Die klassischen Zuschauerzahlen bleiben zwar hoch, doch die Reichweiten bei den 14- bis 49-Jährigen schwanken teilweise erheblich. Hier gehört Rostock weiterhin zu den stärkeren Standorten. Bukow und König erreichten im Schnitt fast 1,72 Millionen jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer sowie knapp 19 Prozent Marktanteil in dieser Altersgruppe. Das ist innerhalb der Reihe ein sehr hoher Wert. Magdeburg lag mit durchschnittlich 17,7 Prozent ebenfalls stark, aber etwas dahinter.

Auffällig schwach entwickelte sich dagegen zuletzt München mit Verena Altenberger alias Eyckhoff. Zwar genießt das Team bei Kritikern häufig hohes Ansehen, die Reichweiten blieben jedoch vergleichsweise überschaubar. Durchschnittlich wurden nur rund 6,86 Millionen Zuschauer erreicht. Gerade die Herbst-Ausstrahlungen gerieten teilweise deutlich schwächer als bei anderen Standorten.

Trotzdem bleibt die zentrale Erkenntnis eindeutig: Die erfolgreichsten Teams sind jene, die konstant hohe Werte unabhängig von der Jahreszeit liefern. Und genau dort schneidet Magdeburg überraschend stark ab. Während einzelne Teams kurzfristig höhere Reichweiten erzielen können, überzeugt Brasch vor allem durch Kontinuität. Für den MDR könnte der Produktionsstopp deshalb durchaus riskant sein. Denn die ARD verliert damit vorübergehend eines ihrer stabilsten Krimi-Teams. Gleichzeitig zeigt die Analyse aber auch, dass der Erfolg des «Polizeiruf 110» insgesamt weniger von einzelnen Ermittlern abhängt als von der starken Sonntagsmarke selbst. Der Krimi bleibt ein Fernsehereignis – nur eben mit deutlichen saisonalen Schwankungen.