Die Kritiker «Das dunkle Vermächtnis»

von

Die mystische Himmelsscheibe, gefunden in Nebra vor etlichen Jahrzehnten, stößt in dem verschlafenen Ort einen Mordfall an. Inmitten des Geheimnisses steht Felicitas Woll.

Stab

Darsteller: Felicitas Woll, Torben Liebrecht, Florian Bartholomäi, Elmar Gutmann, Barbara Philipp, Neda Rahmanian
Musik: Johannes Kobilke
Kamera: Aljoscha Hennig
Drehbuch: Thomas Sieben
Regie: Ziska Riemann
Die Himmelsscheibe von Nebra, einer der spektakulärsten archäologischen Funde Europas, ein mutmaßlicher Fluch, ein Mordfall, der Jahrzehnte nach der Entdeckung seine Schatten wirft: Aus diesem Material ließe sich ein atmosphärischer Mystery-Thriller formen, der historische Faszination und gegenwärtige Spannung verbindet. Doch stattdessen bekommt man mit «Das dunkle Vermächtnis» einen erstaunlich konventionellen Fernsehkrimi vorgesetzt – mit ein paar mystischen Andeutungen, die mehr Kulisse als treibende Kraft der Handlung sind.

Dabei wirkt Nebra in den ersten Bildern wie ein Ort, über dem Geschichte und Geheimnis gleichermaßen liegen. Die Himmelsscheibe selbst – dieses rätselhafte Objekt aus der Bronzezeit mit seiner uralten Darstellung des Himmels – bringt eine fast mythische Gravität in die Handlung. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass der Film mit dieser Dimension nicht allzu viel anfangen kann. Die mystischen Elemente bleiben Randnotizen: Andeutungen von Fluch, Schicksal und verdrängter Vergangenheit, die zwar immer wieder erwähnt werden, aber dramaturgisch kaum Gewicht bekommen. Letztlich geht es schlicht um einen Mordfall unter ehemaligen Freunden – ein Konflikt, wie man ihn auch in jeder x-beliebigen Krimireihe sehen könnte.

Das ist umso bedauerlicher, weil das Drehbuch von Thomas Sieben sich sichtlich bemüht, die Geschichte mit Bedeutung aufzuladen. Immer wieder wird angedeutet, dass die Himmelsscheibe mehr ist als ein archäologisches Artefakt, dass sie etwas aus der Vergangenheit in die Gegenwart trägt. Doch diese Idee bleibt ein Versprechen. Am Ende erweist sich der Film als relativ bodenständiger Ermittlungsplot, der zufällig vor dem Hintergrund einer archäologischen Sensation spielt.

Auch die Inszenierung von Ziska Riemann kann diesen Widerspruch nicht ganz auflösen. Visuell gelingt dem Film durchaus einiges: Kameramann Aljoscha Hennig findet für die Landschaft rund um Nebra eindrucksvolle Bilder, die zwischen idyllischer Provinz und latentem Unbehagen schwanken: eine gewisse Atmosphäre, die erahnen lässt, wie stark dieser Stoff hätte werden können. Doch wo man geheimnisvolle Verdichtung erwarten würde, begnügt man sich stattdessen mit einer soliden, aber uninspirierten Fernsehkrimi-Routine.

Im Zentrum der Geschichte steht derweil Kim Wenrich, gespielt von Felicitas Woll. Sie kehrt aus Hamburg in ihre Heimat zurück, um im Mordfall auszusagen, bei dem ihr Vater, damaliger Finder der Himmelsscheibe, der Verdächtige ist – und gerät dabei in ein Netz aus Erinnerungen, Schuldgefühlen und alten Geheimnissen. Die Figur hätte durchaus Potenzial: eine Frau, die sich ihrer Vergangenheit stellen muss und dabei erkennt, dass ihre Kindheit auf einem fundamentalen Geheimnis basiert. Leider gelingt es Woll nur selten, diese innere Zerrissenheit glaubhaft zu vermitteln, denn ihr Spiel wirkt oft erstaunlich flach. Viele Szenen, die emotionales Gewicht tragen sollten, bleiben seltsam unberührt. Woll verharrt meist in einem Tonfall zwischen angespannter Ernsthaftigkeit und leichtem Stirnrunzeln, ohne dass sich daraus wirklich eine Figur entwickelt. Gerade weil der Film so stark auf ihre Perspektive setzt, fällt diese Eindimensionalität besonders auf.

Am Ende bleibt somit von «Das dunkle Vermächtnis» ein faszinierendes historisches Fundament und eine Idee, die eigentlich nach größerer erzählerischer Kühnheit verlangt hätte. Stattdessen reduziert sich der Film auf einen vergleichsweise unspektakulären Kriminalfall, der am Ende nur recht holzschnittartig mit der ominösen Himmelsscheibe verbunden ist.

Der Film «Das dunkle Vermächtnis» wird am Samstag, den 14. März um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.