Die Kino-Kritiker«Top Gun: Maverick» - Tom Cruise will es noch mal wissen

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Mit Spannung wurde der zweite Teil des Paramount-Spielfilmes erwartet. Fakt ist: Die Kinozuschauer werden nicht enttäuscht.

Wenn sich Tom Cruise ins Cockpit setzt, die Düsen dröhnen und der Kampfjet mit mehr als 2.000 Stundenkilometer über Zuschauerköpfe in den Himmel schießt, ist es wieder da - dieses aufregende «Top Gun»-Gefühl, wie es 1986 allein in Deutschland über vier Millionen Kinozuschauer spürten. Mit dem Fliegerdrama stieg auch Cruise zu Hollywoods Topstars auf, aber anstatt sich für eine Fortsetzung von «Top Gun» zu vergeuden, zog er es vor, sein schauspielerisches Talent in ganz anderen Filmen wie «Rain Man» und «Geboren am 4. Juli» unter Beweis zu stellen, wofür es tatsächlich eine Oscar-Nominierung für ihn gab. Nach über 30 Jahren kommt die Fortsetzung jetzt aber doch. Eigentlich sollte «Top Gun – Maverick» schon 2020 ins Kino kommen, aber nun ist es der durch die Pandemie der Blockbuster geworden, der am längsten verschoben wurde. Doch Cruise wollte das Werk nicht an Streamingdiensten abgeben, sondern meinte immer, «Top Gun – Maverick» gehört auf die große Leinwand. Wie recht er doch hat!

Die Rückkehr zur Elite-Einheit
Eine Karriere beim Militär war Captain Pete Mitchell, genannt Maverick (Tom Cruise) nie wirklich vergönnt. Dafür geriet er zu oft mit Vorgesetzten in Konflikt. Trotzdem wird er zur Navy-Eliteschule ‚Top Gun‘ versetzt, wo er einst ausgebildet wurde. Aber zu seiner Verwunderung ist er nicht für einen Einsatz vorgesehen, sondern soll die besten Rekruten der letzten Jahre auf eine gefährliche Mission vorbereiten. Es geht um das Nuklearprogramm eines abtrünnigen Staates, das den Weltfrieden gefährden könnte. Zu seinem Team gehört auch Bradley ‚Rooster’ Bradshaw (Miles Teller), der Sohn von Mavericks einstigem Freund Goose, der damals bei einem Einsatz zu Tode kam. Rooster gibt Maverick die Schuld daran. Nicht die besten Voraussetzungen, damit die Mission gelingen kann.

Ein echter Actionrausch
Nun kehrt Tom Cruise als kühner Kampfpilot Maverick also doch noch ins Kino zurück, und noch einmal flammt das Achtzigerjahre-Feeling auf – dafür sorgen schon der Synthie-Sound, an dem auch wieder Harold Faltermeyer, der Münchner Komponist, der schon den ersten Teil musikalisch untermalte, mitgewirkt hat, und die schwindelerregenden Actionszenen. Tatsächlich braucht «Top Gun: Maverick» die große Leinwand! Denn nur im Kino fühlt man sich selbst wie in einem Cockpit, und die bombastischen Soundanlagen heutiger Filmtheater mit Imax- und ScreenX-Leinwände versprechen einen echten Actionrausch. Denn während Marvel-Helden oft nur an Seilen vor der Green-Screen herumhampeln, sitzt Maverick in einem echten Flieger, und auch der Himmel ist echt! Dafür absolvierte Tom Cruise ein richtiges Trainingsprogramm bei der US-Navy. Der Mann ist eben ein echter Haudegen und dafür bekannt, dass er seine Stunts stets selbst meistert. Mein Gott, am 3. Juli wird er 60 und kann im neuen «Top Gun» immer noch ein Sixpack vorweisen. Damit hält er gut und gern mit den jüngeren Schauspielern mit, etwa in der Szene, in der sie abseits des vorgegebenen Ausbildungsprogramms am Strand mit nackten Oberkörpern Volleyball spielen. Ein bisschen Angeberei gehört zu «Top Gun» nun mal dazu, und obwohl diesmal zum Team auch Mädels gehören, wird in erster Linie wieder ein verwegenes Männerbild mit einem Überschuss an Testosteron gefeiert. Wenn auch nicht so ausgiebig wie 1986, als «Top Gun» in der Ronald-Reagan-Ära noch wie ein Werbefilm fürs Militär wirkte.



Militärromantik oder Kriegsverherrlichung
Dazu gehören perfekte Männerkörper, weißblitzende Uniformen und ständige Sonnenuntergänge - und darauf kann und will auch Regisseur Joseph Kosinski (der mit Cruise bereits den Science-Fiction-Film «Oblivion» drehte) nicht verzichten, um das «Top Gun»-Gefühl seines Regie-Vorgängers Tony Scott (1944-2012) wieder aufleben zu lassen. Dass die Story dabei auch diesmal wieder nur Nebensache ist, versteht sich von selbst. Auffällig ist aber, dass auch die Schurken gesichtslos bleiben und das Land des Bösen nicht weiter genannt wird. Dennoch kommt einem doch sogleich hoch, dass in Europa momentan wieder ein schrecklicher Krieg herrscht; sich hinter den schwarzverspiegelten Gesichtsvisieren der gegnerischen Kampfpiloten dann Russen vorzustellen, wird vielen Zuschauern nicht schwerfallen. Der Kinokracher zur Krise? Nein! Denn aktuelle Bezüge sind nicht beabsichtigt, zumal «Top Gun – Maverick» wie gesagt schon vor zwei Jahren fertiggestellt wurde. Und trotz aller Militärromantik wird auch keine Kriegsverherrlichung betrieben. Vielmehr geht es um Kameradschaft, wenn Cruise auf seinen einstigen Kontrahenten ‚Iceman‘ (Val Kilmer) trifft, mit dem ihn nun eine Freundschaft verbindet, Mut, wenn ebenso Verständnis für die Angst der Flieger, die Kopf und Kragen riskieren, aufgebracht wird, und Liebe, wenn Maverick mit Jennifer Connelly («Requiem for a Dream») eine neue Frau an die Seite gestellt wird.

Fazit: Mit 150 Mio. Dollar kostete «Top Gun – Maverick» zehnmal so viel wie sein Vorgänger. Das meiste Geld ging für die schwindelerregenden Flugmanöver am Himmel drauf - und weil das alles echt gedreht wurde, kriegt man einen der besten Actionfilme des Jahres präsentiert.

Im Kino.