Es gibt Serien, ohne die wären andere Formate gar nicht denkbar gewesen. Serien, die eine neue Sprache, eine bisher unbekannte Art des Ausdrucks gefunden und etabliert haben. Drei dieser Perlen stellen wir euch in dieser Reihe vor.
Selbst wenn wir den Anthologie-Charakter der Serie mal außen vor lassen und uns hier explizit nur auf die erste Staffel beziehen, ist Crime zwar ein vorhandenes und durchaus relevantes, aber für die Staffel an sich doch nur untergeordnetes Element. Die erste Staffel von «True Detective» ist in erster Linie pures Charakterdrama. Nic Pizzolatto seziert seine Figuren scheibchenweise und mit einer schleichend-peniblen Faszination und Präzision, dass man sich dem Sog dieser im Kern vollkommen zerstörten Seelen nicht entreißen kann. Der Aufbau der Staffel, die verschachtelte Erzählweise, die wortgewaltigen Zitate, der unerwartete Bruch im letzten Drittel und viele provokante und denkwürdige Entscheidungen abseits und vor der Kamera machen die acht Episoden der ersten Staffel zu so viel mehr als purem Crime.
Hier haben wir einen Schauspieler, der derart in seiner Rolle aufgeht und die wunderbaren Dialoge nicht nur vorträgt sondern ganz tief in seiner Seele nachempfindet und in Mimik, Gestik und Sprache freisetzt. Methodacting der feinsten Art und schauspielerisch das Beste was ich auf dem kleinen und großen Schirm seit einer gefühlten Ewigkeit gesehen habe. Doch auch Woody Harrelson als Martin Hart an seiner Seite darf zu keinem Zeitpunkt vergessen werden. Er ist der kongeniale Gegenpol zum irrlichternden Cohle. Mindestens genau so abgründig und kaputt, aber irgendwie mit einem Bein mehr in der Realität verblieben. Gegen dieses Doppel kommen die Herren Farrell und Vaughn im zweiten Jahr nur blass und langweilig rüber.
Björn Sülter: Es wäre gut gewesen, es bei der ersten Staffel zu belassen. Nic Pizzolatto hatte bereits im zweiten Jahr keine vergleichbare Vision mehr, die Figuren waren Schemen ihrer Vorgänger und der Plot tuckerte zunehmend in ausgetretenen Pfaden daher. Somit ist aus Fan-Sicht keine Fortsetzung mehr notwendig. Manchmal darf man gerne etwas Wunderschönes und Perfektes auch einfach mal als das stehen, was es war: Einmalig. 

• American Crime • American Crime Story • Murder in the First • True Detective
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
05.01.2017 12:11 Uhr 1
Rachel McAdams, Colin Ferrell und Tayler Kitsch haben Ihre Sache auch ganz gut gemacht....