Was Hollywood kann, kann Quotenmeter.de ebenfalls: Wir präsentieren das womöglich weltweit erste autorisierte Remake einer Kolumne! Wird es auf dem Geist des Originals brutal herumtrampeln?
„Aber wenn du aus James Bond eine Jane Bond machst, legst du dich nicht nur mit einer legendären Filmreihe an, sondern auch mit Ian Flemings Büchern“, wird vielleicht der eine oder andere 007-Freund klagen. „Welche Bücher, bitte?“, kann ich da nur fragen. Denn Eon Productions hat die Vorlage doch schon vor vielen Jahrzehnten aus dem Fenster geworfen. Und wir entfernen uns von Jahr zu Jahr mehr vom ursprünglichen Material. Oder hat Flemings Bond im Jahr 2015 gelebt, Smartphones benutzt und mit den Folgen von Internet-Hackern zu kämpfen gehabt? Zumal es nicht allein die Missionen sind, die sich ändern. Sondern auch die Fassade Bonds – und seine Persönlichkeit. Craigs Bond hat vielleicht klare Parallelen zu Timothy Daltons Bond, aber zu Roger Moores oder Pierce Brosnans? Und was verbindet Brosnans mit Lazenbys oder Connerys Interpretation des Agenten? Bond ist schon lange nicht mehr von seinem Charakter geprägt, sondern nahezu allein von seiner filmischen Ikonografie. Sie bleibt weitestgehend bestehen, während sich die Reihe stetig wandelt, um mal strenger, mal freier als Zeitkapsel des jeweils gegenwärtigen Männlichkeitsbegriffs zu dienen.
Der Grundgedanke hinter dem Vertauschen der Geschlechterrollen im Hollywoodkino ist nicht, dass gefälligst jede einzelne Produktion mit Frauen vollgestopft werden muss. Es geht viel mehr darum, für Ausgleich zu sorgen. Männer und Frauen sollten auf der Leinwand wie auch in der Wirklichkeit gleichberechtigt sein. Das bedeutet, dass gelegentlich auch männliche Rollenbilder ausgebessert werden müssen. Es sind nicht nur Meerjungmänner im Kino unterrepräsentiert, weshalb «Splash» mit Channing Tatum eine geniale Idee ist, sondern auch Stricher. Die Damen der Nacht sind im Film bereits mannigfaltig vertreten und werden mal als heiße Männerfantasien gezeichnet, mal als zuckersüße Sympathieträger, mal als niederschmetternde, gescheiterte Existenzen. Oder als irgendwas dazwischen. Es wird Zeit, dass auch männliche Prostituierte die «Pretty Woman»-Behandlung verpasst bekommen: Zac Efron, Liebling aller Herzen, nimmt in «Pretty Boy» den Platz von Julia Roberts ein. Und als Ausgleich dafür, dass im Kino üblicherweise ältere Herren viel jüngere Frauen abbekommen, wird Richard Gere durch das humorvolle Silberhaar Helen Mirren ersetzt, die Efron aus den (gar nicht so grausigen) Klauen der Sexarbeit rettet.
«Reservoir Dogs» ist ein Film, bei dem ein Remake nahezu zwangsweise scheitern würde. Aber die grundlegende Prämisse? Eine Ganovenpistole von einem Film, bei dem Planung und Nachwirkung eines misslungenen Überfalls gezeigt werden und packende Dialoge sowie überraschende Gewaltspitzen im Fokus stehen? Bitte, ja! Mary Elizabeth Winstead, Rashida Jones, Lizzy Caplan, Amy Adams, Charlize Theron und Penélope Cruz kauen sich einander die Ohren ab, schießen aufeinander und nehmen nebenher die nervigen Kleinigkeiten unserer Zeit auseinander? Verdammt, das klingt nach was! Vielleicht übernimmt sogar Quentin Tarantino selbst die Regie, einen Hang zu starken Frauenfiguren hat er ja durchaus … 

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15.08.2016 00:38 Uhr 1