Die Lücke, die der Verfall des ehemaligen Musikkanals VIVA hinterlassen hat, kann der junge Sender JOIZ derzeit überraschend gut ausfüllen und ein angenehmes Retro-Gefühl aufkommen lassen.
Seit August 2013 wird diese nun jedoch in bemerkenswerter Weise durch den deutschen Ableger des Schweizer Fernsehsenders JOIZ geschlossen. In dessen Programm erkennt man viele typische Merkmale von früher wieder. Anstatt bei «Interaktiv» treffen sich die aktuell erfolgreichen Musikkünstler nun im «Living Room». «NOIZ» nimmt den Platz der früheren «VIVA News» ein und die «VIVA Charts» finden ihr Pendant in der Show «Coffee & Charts», nur dass dort nicht die Media Control-Ergebnisse, sondern die aktuellen iTunes-Hitparaden heruntergezählt werden. JOIZ-Geschäftsführer Carsten Kollmus distanziert sich zwar von derartigen Vergleichen gegenüber Quotenmeter.de und macht deutlich: „JOIZ ist kein Musiksender!“, trotzdem sind die Parallelen allzu offensichtlich. Schon allein dadurch, dass man mit der Wunschsendung «My JOIZ», dem erwähnten Countdown «Coffee & Charts» sowie den Reihen «TGIF» und «JOIZ in Concert» über umfangreiche Musikstrecken verfügt.
Unterstützt wird dieser Eindruck ebenso durch die Moderatoren - nun Hosts genannt - die noch jung, unverbraucht und zuweilen charmant unbeholfen wirken. Sie sind mittlerweile zwar keine Girlies oder Grunger mehr, sondern typische Berliner Medien-Hippster, spiegeln aber erneut treffsicher den Look ihrer Zielgruppe wider. Es macht einfach Spaß, sie bei der Arbeit zu beobachten, denn offenbar verschwimmen bei ihnen genauso die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem bzw. zwischen Hobby und Pflicht. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern verfügen die meisten allerdings über ein zumindest teilweise absolviertes Studium, was den Beiträgen und Wortmeldungen oft ein höheres Niveau verleiht. Dadurch werden die besprochenen Inhalte nicht ausschließlich oberflächlich angekratzt. Insbesondere im Rahmen des täglichen Magazins «JOIZone» erlaubt sich das Team auch gesellschaftlich relevante Probleme ausführlich und tiefgehend zu behandeln und schreckt sogar vor politischen Stoffen nicht zurück.
Für Carsten Kollmus ist es hingegen die Einbindung des Internets, welche die besondere Stärke seines Senders bildet: „Wir nutzen erstmals konsequent die ganze Bandbreite von Social Communities wie Facebook, Twitter, Instagram und Skype für einen TV-Sender.“ Tatsächlich aber erfolgt die Einbindung dieser Plattformen eher nachrangig und beschränkt sich meist auf das Vorlesen von ausgewählten Kommentaren. Durch einen im Hintergrund stets sichtbaren Bildschirm, auf dem ein nicht endender Strom an Kommentaren und Posts läuft, wird das interaktive Fernsehen nicht neu erfunden. Letztlich unterscheidet sich dieser Screen nämlich kaum vom früheren VIVA-Faxgerät, aus dem ebenfalls unentwegt Kommentare und Grüße quollen. Eine wirkliche Interaktion findet also nur äußerst selten statt, weil sich eine persönliche Rückkoppelung für ein Massenmedium, wie es das Fernsehen eines ist, nicht eignet. Das Abfilmen von Facebook-Seiten oder das Eintippen von Antwort-Kommentaren ist schließlich wenig unterhaltsam. Insofern tut es dem Fernsehprogramm nur gut, dass dort der Slogan „Dein Social-TV“ nicht allzu konsequent umgesetzt wird. Das kann und soll eher auf den entsprechenden Webseiten erfolgen. • Coffee & Charts • Interaktiv • JOIZ • JOIZ in Concert • JOIZone • Living Room • My JOIZ • NOIZ • TGIF • VIVA Charts • VIVA News
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