Die amerikanische Serie «Homeland» (Foto) war vielleicht der Überraschungserfolg des vergangenen TV-Jahres. Am 15. Januar wurde sie mit dem Golden Globe als beste Dramaserie ausgezeichnet, Hauptdarstellerin Claire Danes erhielt einen weiteren der begehrten Preise als beste Hauptdarstellerin. Für die Verleihung der WGA Awards am 19. Februar ist «Homeland» ferner als beste Dramaserie, beste neue Serie und bestes „Episodic Drama“ nominiert.
Ansonsten importiert man in den USA allerdings fast nur aus dem restlichen angelsächsischen Raum. «Skins» (Foto), «The Office» und «All in the Family» aus dem Vereinigten Königreich, am Rande liefen in der Vergangenheit noch unadaptierte Wiederholungen kanadischer Serien wie «Degrassi High». Doch auch in Amerika basiert ein durchaus nennenswerter Teil des Serienprogramms auf Formaten aus dem Ausland. Doch wieso heißt dieses Ausland nahezu ausschließlich Großbritannien und Israel und nicht Deutschland? (Ein oft genanntes Argument in dieser Diskussion kann durch das israelische Beispiel schon entkräftet werden: nämlich dass dies daran liege, dass der britische Kulturraum dem amerikanischen eben näher sei als der deutsche und so das Adaptieren stark vereinfacht.)
Natürlich gibt es auch in Deutschland hochwertig produzierte Serien mit starken Drehbüchern und recht interessanten Charakteren. Terjungs «Danni Lowinski» und Bora Dagetkins «Türkisch für Anfänger» sind hier wohl die Paradebeispiele, «Stromberg» kann man allenfalls bedingt gelten lassen, da das Konzept aus Großbritannien stammt. Gleichzeitig wird auch in England und den USA sehr viel Blödsinn produziert. Doch wer all diese Märkte aufmerksam verfolgt, wird schnell feststellen, dass nicht nur die Durchschnittsqualität in den angelsächsischen Ländern höher ausfällt als in Deutschland, sondern dass es auch deutlich mehr qualitative Ausreißer nach oben gibt.
Nicht nur mit der gewohnten Serienästhetik wird in England, Israel und den USA gerne experimentiert; auch was die narrativen Strukturen angeht, lässt man immer wieder neue Formate sich bewähren. «24» erzählte in 24 Folgen pro Staffel genau einen Tag. «Breaking Bad» behandelt ein sehr schweres Thema, nämlich das eines todgeweihten Chemielehrers, der um seine Familie finanziell abgesichert zu wissen, sich in die Fänge des Chrystal-Meth-Handels begibt. «Seinfeld» war die „Show about nothing“ par excellence. «Arrested Development» lebte zu einem beträchtlichen Anteil von metafiktionellen Spielereien, einer stark ausgeprägten Intertextualität und allerhand Kuriositäten. «BeTipul» und «In Treatment» sind Echtzeit-Kammerspiele.
Beispielhaft nun die Analyse einer erzählerischen Neuerung, die in hochwertig produzierten amerikanischen Serien wie «Entourage» und «Mad Men» in jüngerer Zeit zum Vorschein trat. In beiden Formaten wird immer wieder intensiv auf einen Höhepunkt hin erzählt und sie befassen sich auch intensiv mit den Konsequenzen, die sich aus ihm ergeben, lassen den Höhepunkt dabei aber ungezeigt (Sehr schön sieht man dies etwa in der zweiten «Mad Men»-Staffel, in der Roger seine Frau verlässt und eine Beziehung mit der Sekretärin Jane beginnt; die eigentliche Trennungsszene fehlt). Da es sich hier auch aus Quotensicht um eine Hitserie handelt, die obendrein noch mit Auszeichnungen überschüttet wird, lässt sich folgern, dass diese innovative Erzählweise zumindest vom amerikanischen Publikum angenommen wird. • Deutsche Serie • Mad Men • Marc Terjung • Danni Lowinski
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