„Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Programme von RTL II künftig in größerem Maße als bisher den qualitativen Ansprüchen gerecht werden, die der TV-Sender mit dem Start seiner neuen Markenpositionierung 'it’s fun.' im vergangenen Jahr Zuschauern und Werbekunden versprochen hat“ – dieser Satz war es, der am Donnerstagabend aus dem Hause RTL II kam, verbunden mit der Meldung, dass sich der Kanal von seiner bisherigen Unterhaltungschefin Julia Nicolas trennt. Selten zuvor hat ein Sender bei der Entlassung einer Führungskraft so deutliche Worte gefunden. Das änderte sich auch am Freitag nicht – im Gegenteil. Im Gespräch mit Quotenmeter.de wurde RTL II Geschäftsführer Jochen Starke noch präziser.
Eine Bestandsaufnahme: An aller erster Stelle ist hier sicherlich das Vorabend-Format «Der Kreuzfahrtkönig» zu nennen, das an Tag drei nur noch 1,7 Prozent Marktanteil generierte und somit völlig inakzeptabel lief. Was RTL II besonders wütend machte? Die floppende Jochen Bendel-Show hinderte auch die neue Dokunovela «X-Diaries» an guten Quoten - mit starkem Vorprogramm wäre die filmpool-Produktion wohl gegen Ende vergangener Woche nicht unter den Senderschnitt gefallen. Erhofft hatten sich die Macher eigentlich Werte auf «Big Brother»-Niveau und darüber. Die derzeitigen Werte in Woche zwei liegen nur minimal unter denen von Woche eins.
Weil hierbei aber immerhin die Qualität stimmte, war das Entsetzen in der Chefetage wohl nicht ganz so hoch. Fakt ist aber: RTL II hat ein Quotenproblem. Die neue Strategie „it’s fun“ hat sich in Sachen Quote nicht bemerkbar gemacht – sicherlich auch ein Grund, die Stellschrauben deutlich zu verändern. In der TV-Saison 07/08 kam der Sender bei den 14- bis 49-Jährigen noch auf 6,3 Prozent, eine Spielzeit später waren es 6,1 - wie auch 2009/2010. Andere Kanäle sind an RTL II inzwischen deutlich vorbeigezogen. VOX hat die Acht-Prozent-Marke im Blick, kabel eins holte im Juli Werte von mehr als sechseinhalb Prozent, liegt bislang im August bei 7,4 Prozent und wird den Monat sicherlich mit einer 7 vor dem Komma beenden. Die beiden kleinen Sender, die lange Zeit auf Augenhöhe mit RTL II lagen, haben sich einen stattlichen Vorsprung erarbeitet. RTL II aber kam 2009/2010 in keinem Monat auf mehr als 6,4 Prozent.
Hierzu Senderchef Jochen Starke: „Ein TV-Sender ist keine Schraubenfabrik, sondern lebt von der Individualität vieler Köpfe – intern und extern. Da braucht es auch kreative Freiräume, wenn man keine Produkte von der Stange produzieren will. Ein neues Denken kann man nicht einfach top-down verordnen.“ Es ist also Grundsätzliches, was am Ende nicht mehr passte. „Es braucht Zeit, bis das gelebt und dann auch im Programm sichtbar wird. Und unsere „it’s fun.“-Positionierung ist ja nicht nur ein Marketingkonzept, sondern ein tiefgreifender Strategiewechsel“, so Starke zu Quotenmeter.de. Wer nach diesem Wechsel nun die Unterhaltungsabteilung leiten soll, steht aktuell übrigens noch nicht fest.• RTL II
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