Mit der vierten Veränderung in der Geschäftsführung binnen gut drei Jahren soll endlich Ruhe ein- und der Erfolg zurückkehren bei Sat.1. Keine einfache Aufgabe für Andreas Bartl, den neuen Mann an der Spitze des Senders, laufen die Altlasten seiner Vorgänger doch mehr schlecht als recht und findet sich weiterhin eine Vielzahl an Baustellen im Programm. Vor wenigen Tagen gab Bartl die Formate seiner großen Programmoffensive bekannt, mit denen Marktanteile zurückerobert werden sollen: Ein neuer Fußball-Talk für Johannes B. Kerner, neue sowie altbewährte Comedy, ein weiterer US-Serienabend, ein Kochcasting und einiges mehr. Wirklich überraschendes oder vor allem umwerfend neues oder gar gewagtes war aber nicht dabei.
Vorausgesetzt, das Vorhaben, die werberelevante Zielgruppe auf die 14- bis 59-jährigen zu erweitern und die Werbekunden sich die älteren Zuschauer auch entsprechend bezahlen zu lassen, wie es in der Vergangenheit schon des Öfteren zur Sprache kam, gelänge: Wäre Sat.1 dann wirklich der große Gewinner? Könnte man den entscheidenden Schritt in Richtung RTLs Marktführerschaft tun und was würde mit ProSieben geschehen? Welcher der drei großen Sender hat das meiste ungenutzte Potential? Zur Beantwortung dieser Frage lohnt es sich, einmal anzusehen, wieviele Zuschauer der Sender nicht aus der Zielgruppe stammen:
Es fällt auf: Ein wesentlicher Unterschied zwischen RTL und Sat.1 existiert hier gar nicht. Die Zuschauer beider Sender stammen im Schnitt zu 45 Prozent von außerhalb der Zielgruppe. Das RTL-Programm ist sogar viel unausgeglichener: Auf der einen Seite findet sich mit «Dr. House» ein enorm zielgruppenaffines Programm, auf der anderen Seite «Wer wird Millionär?», dessen Zuschauer nur zu einem Drittel aus der Zielgruppe stammen. Das Quiz würde von einer Kapitalisierung älterer Zuschauer sicherlich am meisten profitieren. Bei Sat.1 wären Europa-League-Übertragungen das entsprechende Pendant. 60 Prozent der Zuschauer werden von der Werbeindustrie nicht bezahlt. Obwohl die Altersaufteilung in der Primetime bei beiden Sendern also gleich ist, würde für RTL dennoch mehr herausspringen - das Ausgangsniveau liegt schon bedeutend höher.• Sat.1
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