Warum die Rewatchability nach dem Finale stark in Mitleidenschaft geraten ist und wie es mit dem «GoT»-Universum im TV weitergeht: Die populärste Serie der Welt ein Jahr nach dem Finale im Blick.
Während die finalen sechs Folgen mal wieder mit spektakulären Bildern auftrumpften, visuell neue Messlatten im Serienbereich setzten und sich mit jeder Hollywood-Produktion problemlos messen konnten, blieb leider das Drehbuch komplett auf der Strecke liegen. Logiklücken vielen teilweise so gravierend auf, dass man schon blind sein musste, diese nicht zu bemerken. Nicht nur Nerds der Serie, die sich mit dem Universum inzwischen wohl selbst besser auskennen als die beiden Showrunner und schon seit Staffel fünf immer wieder Alarm schlugen, ließen ihrem Missmut freien Lauf.
Selbst die hochgelobten ersten vier Staffeln wurden durch das Finale in Mitleidenschaft genommen. Wenn sich die Entwicklungen am Ende nicht auszahlen, wichtige Handlungsbögen letztlich nie abgeschlossen werden, geht auch hier ein Teil des Zaubers verloren. Man nehme als Beispiel den Storystrang der Weißen Wanderer. Von Folge eins an wurden sie als die große Bedrohung dargestellt. Die Serie ließ keinen Moment aus, zu betonen, dass die übernatürlichen Wesen aus dem Norden mit ihrer Armee von Untoten die eigentliche Gefahr sind und die Ränkeschmieden um den Eisernen Thron, für die die Serie so berühmt und beliebt geworden ist, letztlich nur Nebensache sind. Alle wollten wissen, was sich hinter dem Nachtkönig versteckt, was sein Plan und Motivation ist. Über sieben Staffeln wurde er als der Überbösewicht aufgebaut, der unbesiegbar schien. Am Ende ging dann alles ganz einfach - wer hätte das gedacht. Schon in Folge drei wurde man das Problem mit den Weißen Wanderern los, nicht einmal große Hauptcharaktere mussten sich dafür opfern. Alles nur, um letztlich doch zu sehen, dass die weltliche Macht anders als bisher erzählt letztlich doch am wichtigsten zu sein scheint, selbst für jemanden, der dieser schon längst entsagt hatte. Zu allem Überfluss bekamen wir dabei noch zu sehen, wie sich Daenerys Targaryen innerhalb kürzester Zeit von einer geliebten Sklavenbefreierin zu einer wahnsinnigen Massenmörderin entwickelt. Wer hat nicht diesen Ausgang nach all den Erzählungen der vorangegangenen Staffeln erwartet… und so fällt es nun auch im Re-Run der Serie schwer, eigentlich interessante Handlungen und Szenen, die letztlich aber doch im Nichts verlaufen, zu genießen.
Bereits kurze Zeit nach dem Finale der achten Staffel von «Game of Thrones» wurde bekannt, dass bei HBO an fünf verschiedenen Konzepten für einen Nachfolger in der Welt von Eis und Feuer gearbeitet werde. Konkret wurde es letztlich nur bei zwei Anwärtern, während es um die anderen Ideen schnell still wurde. Zwei Monate nach dem Serienfinale machten die Arbeitstitel «Bloodmoon» und «The Long Night» für eines der Werke die Runde. Schnell wurde es heiß um die Produktion. Große Namen wie Naomi Watts («King Kong») oder Jamie Campbell Bower («Chroniken der Unterwelt») wurden für den Cast gewonnen. Regisseurin S.J. Clarkson («Jessica Jones») wurde für einen Piloten engagiert. Zusammen mit Jane Goldblum sollte Westeros-Schöpfer George R.R. Martin höchstpersönlich als Produzenten fungieren. Zeitlich sollte die Serie über 5000 Jahre vor den Geschehnissen in «Game of Thrones» stattfinden und insbesondere die wahre Herkunft der Weißen Wanderer in den Fokus stellen. Mit den bekannten Charakteren und Häusern hätte die Produktion damit recht wenig zu tun gehabt. Dafür hätte man die Möglichkeit gehabt, relativ frei im Fantasy-Universum zu agieren.
Selbstverständlich sitzt der «GoT»-Schöpfer daher auch wieder mit im Boot. Er soll als Co-Creator fungieren, allerdings keine eigenen Drehbücher liefern, da er sich noch auf die Fertigstellung seiner Romanreihe konzentriert.. Statt 5000 Jahre in die Vergangenheit zu reisen, geht es nur 300 Jahre in die Geschichte von Westeros zurück. Zu dieser Zeit eroberte das Haus Targaryen durch Aegon und seine drei Drachen den Kontinent und vereinte die bekannten sieben Königslande unter sich. Dem berühmten Herrscherhaus mit seinen Drachen widmete Martin bereits ein ganzes Buch: «Fire and Blood». Das geplante Prequel «House of the Dragon» soll sich an dieser Geschichte orientieren. Laut Entertainment Weekly soll die Serie auf ein berüchtigtes Ereignis hinarbeiten: Den «Tanz der Drachen», der Bürgerkrieg der Targaryens. Dieser begann als Erbrechtsstreit nach dem Tod von Viserys I. Der hatte nämlich gleich zwei Erben: Rhaenyra, das letzte lebende Kind aus erster Ehe und Aegon II., der jüngere Sohn aus zweiter Ehe. Es war der einzige Krieg in Westeros, in dem auf beiden Seiten Drachen kämpften. Letztlich war dieses Ereignis der Anfang vom Ende der Drachen, die erst durch ein Wunder unter Daenerys Targaryen wieder zum Vorschein kommen sollten. Da «House of the Dragon» nicht so weit in die Vergangenheit reist, dürfen Fans alle bekannten Adelshäuser mit den Vorfahren ihrer geliebten Charaktere zurückerwarten. 

• Game of Thrones • Bloodmoon • The Long Night • King Kong • Chroniken der Unterwelt • Jessica Jones • GoT • Fire and Blood • Tanz der Drachen • House of the Dragon • Rampage • Hercules • Battle of the Bastards • Winds of Winter • House of the Dragons
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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
21.05.2020 12:19 Uhr 1
21.05.2020 12:35 Uhr 2
Sie ist vielleicht besser, hätte aber noch besser sein können. Eine gewisse Schwäche war ja auch vor der Ausstrahlung schon abzusehen, immerhin sind Anfang und Ende immer am schwersten. Dass das gerade bei der Serie nicht zufriedenstellend ausfallen wird lag auf der Hand.
Jetzt muss erstmal George R.R. Martin sein Ende vorlegen. Bestenfalls bevor er im Grab liegt.
21.05.2020 18:55 Uhr 3
Dennoch haben mir viele Entwicklungen in Staffel 7 und 8 nicht gefallen. In dem Zusammenhang verstehe ich auch nicht, wieso nur Season 8 so schlecht wegkommt. Allen voran die Kürzungen auf 7 und 6 Folgen waren einfach ein unverzeihlicher Genickbruch an die Story, die besonders in Season 8 so durchgepeitscht wirkte. Die Figuren waren teilweise nicht mehr wiederzuerkennen und den Geschichten, Dialogen und Wendungen fehlte im Prinzip jegliche Genialität der voran gegangenen Seasons.
Ich fand zwar die Schlacht von Eis und Feier ebenfalls besser als viele anderen und war am Ende nicht enttäuscht, aber einfach sehr überrascht, dass diese große Bedrohung einfach so abgefrühstückt wurde. Das war einfach kein großer Wurf und lässt sich auch nicht mit "Die Erwartungen der Fans waren zu hoch" wegargumentieren.
Die Tatsache, dass Cersei am Ende eigentlich nur noch völlig pointless agierte und auch alles nach der großen Schlacht irgendwie nur noch so dahingeschwurbelt wirkte, ist dahingehend schon gar nicht mehr erwähnenswert.
Die beiden Star-Produzenten sind wohl wahl wahre Meister darin aus Martins Vorlage geniale Drehbücher zu zaubern. Aber als die Vorlage weg war, schienen die beiden an ihre Grenzen gekommen zu sein?! Einfach schade....