Regisseur Yimou Zhang will in «The Great Wall» die Historie der Chinesischen Mauer mit einem Monsterblockbuster kombinieren und scheitert trotz spektakulärer Optik am kleinen Einmaleins des Filmemachens.
Der Söldner William Garin (Matt Damon) führt ein Quintett von kampferprobten Kriegern an, die es nach Reichtum, Macht und Ruhm giert. Einer aus der Gruppe hat von einer neuen Waffe gehört. Einem explodierenden Pulver, das ihnen alle Reichtümer einbringen kann, von denen sie träumen. Nachdem sie gerade so ein Aufeinandertreffen mit einem Wüstenstamm überlebt haben, wird die Gruppe nachts von einem unsichtbaren Feind angegriffen. Garin und Tovar (Pedro Pascal) verlieren ihre Begleiter, aber sie erbeuten auch einen seltsamen, magnetischen Stein zusammen mit einer weiteren Trophäe – einer abgetrennten Kralle von der Kreatur, welche die Gruppe so brutal angegriffen hat. Als die beiden Überlebenden die Chinesische Mauer erreichen und auf eine unbekannte Armee von Kriegern treffen, ergeben sie sich. Sie sind in die Hände des Namenlosen Ordens gefallen. Einer Armee, die in einer befestigten Stadt lebt. Es ist ein geschäftiger militärischer Außenposten, der mit Hilfe von unglaublichen Gerätschaften seine Bewohner vor etwas Bösem auf der anderen Seite der Mauer beschützt. William und Tovar haben die Wahl: entweder, sie kämpfen Seite an Seite mit der Armee, oder sie sterben...
Zwischen den amüsanten Einzelszenen, die vor allem deshalb funktionieren, weil Pedro Pascal in seiner draufgängerisch-naiven Art stark an Fahri Yardims «Tatort»-Rolle erinnert, liegen leider immer wieder Durststrecken in Form der immerhin in 3D sehr imposanten Kampfsequenzen. Diese leiden dann entweder an ihrer allzu routinierten Inszenierung, oder an ihrem inflationären Gebrauch von Computereffekten. «The Great Wall» erzählt von einem Kampf zwischen Mensch und Monster – dabei sind die Gründe für den Angriff der Monster noch nicht einmal richtig schlüssig. Während die Bildsprache mit ihren andauernden Zeitlupen und dem zelebrierten Gigantismus einen einprägsamen Over-the-Top-Stil etabliert (Ausstattung und Setdesign sind von einer überraschend hohen Wertigkeit), fehlt bei all diesem Wahnwitz die notwendige Portion Augenzwinkern. «The Great Wall» gibt viel zu lange vor, die Geschehnisse ernst zu nehmen und versäumt dabei ebenjenen Absprung ins Humoristische, den auch schon «Warcraft» hat vermissen lassen.
An kleinen Details ist durchaus ersichtlich, dass «The Great Wall» vielleicht doch gar nicht so ernst gemeint ist, wie es die das genaue Gegenteil ankündigende Einblendung zu Beginn des Films und die anschließenden zwei Stunden vermuten lassen. Da nutzt das Abwehrkommando die Zeit, um die an Seilen befestigten Speerwerferinnen zu eleganten Gymnastik-Einlagen zu animieren und vor allem die Szenen, in denen William seine abnormen Bogenkünste zelebriert, präsentieren immer wieder, wie viel ironisches Potenzial allein in der Prämisse liegt. Doch bis zuletzt hält Yimou Zhang an der sturen Betrachtung der Kampfsequenzen fest. Versucht er dann doch, so etwas wie einen Nebenhandlungsstrang unterzubringen – etwa, indem er der von Willem Dafoes («John Wick») ebenfalls viel zu ernst verkörperten Figur eines gewitzten Diebes ein wenig mehr Platz im Geschehen einräumt – scheint er vollkommen überfordert. Dann nämlich hetzt «The Great Wall» von einem Schauplatz zum nächsten, löst den Plot um Dafoes undefinierten Charakter in schlechtester „Wir wussten nicht, was wir mit ihm anstellen sollen“-Manier auf und zieht den Film nur noch mehr in die Länge, als er sich ohnehin schon anfühlt. Nicht jeder Blockbuster muss für besseres Gelingen direkt ironisch gebrochen werden – «The Great Wall» ließe sich als Film ausgerechnet dadurch viel ernster nehmen.
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