Sülters Sendepause

Mein Name ist Guybrush Threepwood – und ich will Blockbuster werden!

von   |  1 Kommentar

Die Filmindustrie versüßt uns die Zeit nicht nur mit innovativen Konzepten – oft wird recycelt und kopiert, dass es längst keine Freude mehr ist. Dabei könnte es so einfach sein – viele Games besitzen Stories, die sich bestens für wunderbare Filme eignen würden. Zwei davon möchte ich euch heute vorstellen.

Was war das wieder für ein Ritt – ein weiteres grandioses Spiel bis zum Abspann durchgespielt, die Charaktere kennen und lieben gelernt, die Story aufgesogen – ja, so etwas geht nicht nur im Bereich Fernsehserien, sondern auch bei Spielen auf PCs und Konsolen. In der Regel sollte ein gutes storybasiertes Game eine Spielzeit von rund 10 bis 50 Stunden bieten. Je nach Genre, wie fit man ist und wie ausufernd man die Erkundung der Spielwelt anlegt. Viel Stoff, um daraus eventuell gar einen Film oder eine Serie zu machen?

Bisher konnten Games-Verfilmungen im Kino selten glänzen – man denke sofort an Boll-Werke wie «Schwerter des Königs» oder «Far Cry», das erbärmliche «Wing Commander» oder das Klamauk-Fest «Super Mario Bros.» mit Bob Hoskins? Mehr gefällig? Das atmosphärische «Alone in the Dark» wurde im Kino völlig vergurkt, ebenso «Final Fantasy» oder «Prince of Persia». Und «Tom Raider» konnte man im ersten Teil noch mit einem zugedrückten Auge als Eye-Candy-Guilty-Pleasure durchwinken, der zweite Teil baute dann jedoch stark ab. Im Grenzbereich des Annehmbaren liegen ansonsten nur noch (zumindest teilweise) die «Resident Evil»-Reihe mit Milla Jovovich oder der erste Teil von «Silent Hill».

Echte Perlen sucht man somit aber bisher eher vergeblich – doch vielleicht hat euch ja dieses Jahr die lang erwartete «World of Warcraft»-Verfilmung gefallen? Oder ihr liebäugelt gar mit dem angekündigten «It came from the Desert», das auf einer eigentlich schon vergessenen 80er-Spielereihe basiert? Für 2018 sind aktuell gar diverse weitere große Namen angekündigt: «The Division», «Portal», «Half-Life», «Dead Island» und sogar das epische «Last of us» unter Federführung von Sam Raimi als Produzent.

Viel Stoff für Gamer, die sich auch gerne mal ohne Controller oder Joystick berieseln lassen. Doch die beiden besten Vorlagen sind trotz allem zumindest meiner bescheidenen Meinung nach noch nicht verfilmt worden – und aktuell auch nicht konkret angedacht. Warum das so ist? Ob Rechteprobleme oder andere Überlegungen verantwortlich sind ist letztlich zweitrangig. Hier sind in jedem Fall meine Wunschfilme aus Games – verbunden mit einem Plädoyer, diesen Zustand doch endlich zu beenden.

Von Guybrush, Elaine, Stan & Geisterpirat LeChuck


Tief in der Karibik liegt Mêlée Island– eine verschlafener Sündenpfuhl voller verkrachter Existenzen, Grogtrinker und Männer ohne Moral. Hier lebt auch der junge und unbekümmerte Guybrush Threepwood, der nicht nur mit einem selten schwierigen Namen gesegnet ist, sondern auch einem Traum nachgeht: Er möchte Pirat werden.

Die Spieleschmiede Lucasfilm Games (später Lucas Arts) von George Lucas hatte sich 1987 mit «Maniac Mansion» am Adventure-Markt angemeldet und ihr erstes Point-and-Click-Adventure präsentiert. Man erschuf damit zwar nicht das erste mausgesteuerte Point-and-Click-Adventure überhaupt (wie oft angenommen wird), verhalf dank des neuartigen Bedienkonzeptes dem Genre aber zum Durchbruch.

1988 folgte das nicht minder schräge und wunderbare «Zak MacKracken and the Alien Mindbenders», 1989 die Umsetzung des dritten «Indiana Jones»-Kinofilms als Spiel und 1990 das bei der breiten Masse ungeliebte «Loom». Doch war 1990 eben auch noch das erste Abenteuer des genannten Guybrush Threepwood erschienen – «The Secret of Monkey Island» wurde zum Überhit für Lucasfilm Games und Ron Gilbert, der auch für die drei bisherigen Adventures (außer «Loom») verantwortlich gezeichnet hatte. Gilbert kehrte 1991 noch einmal mit «Monkey Island 2: Le Chuck´s Revenge» zurück und lieferte ein noch reichhaltigeres, epischeres Kunstwerk von Spiel ab. Bis heute ist dieser zweite Teil im Adventure-Sektor nahezu unerreicht.

Aufgrund kreativer Differenzen verließ er Lucasfilm Games jedoch – ohne ihn entstanden 1997 noch das gute «The Curse of Monkey Island» und 2000 das etwas schwächere «Escape from Monkey Island». 2009 legte Telltale Games dann mit «Tales from Monkey Island» noch einmal einen redundanten Nachschlag auf.

Dank wunderbar schrägem Humor, ausgefeilten und lebendigen Charakteren und einer wendungsreichen Story ist die ewige Jagd um die Liebe der schönen Elaine und gegen den finsteren Geisterpiraten LeChuck auch heute noch ein Genuss.

Eines sollte zum Schluss jedoch noch erwähnt sein: Die «Monkey Island»-Reihe steht in letzter Konsequenz nur als Vertreter diverser grandioser Adventures der Lucas-Schmiede. Ob die Reise ins Land der Toten in «Grim Fandango», das Rocker-Epos «Full Throttle», das auf verschiedenen Zeitebenen operierende «Day of the Tentacle» oder das wunderbare Indy-Sequel «Indiana Jones and the Fate of Atlantis» - viel Gold, das Hollywood bergen könnte.

Der Wilde Westen, rau wie sein Held


Zugegeben: Mit der renommierten «GTA»-Reihe konnte ich nie wirklich viel anfangen. Vielleicht lag es am Gangster- und HipHop-Setting, vielleicht an der zu coolen und gestylten Machart. Als Rockstar Games jedoch im Jahr 2010 das Western-Open-World-Spiel «Red Dead Redemption» vorlegte, war ich sofort gefesselt. Dabei handelte es sich dabei genau genommen nur um eine Fortsetzung: Jedoch muss man ehrlicherweise gestehen, dass «Red Dead Revolver» 2004 vieles von dem, was der Nachfolger so richtig machte, falsch gemacht hatte und zurecht kein großer Hit geworden war.

In «Red Dead Redemption» folgt man der Geschichte des Outlaws John Marston, der sich an seiner ehemaligen Bande rächen will und dabei in eine ganze Reihe wilder Abenteuer bis hin zu einem großen Eisenbahnraub verwickelt wird. Überall warten kleine bis größere Missionen oder Nebenhandlungen, die Charaktere bersten vor Witz und Tiefe, immer wieder wird die Geschichte rund um Marston ausgeschmückt und erweitert und das Ende ist im besten Sinne Hollywood pur. Nebenbei erzählt man auch noch en passant die Geschichte des Wilden Westens und lässt den Spieler mehr als eintauchen in diese längst vergessene Welt.

Ein wenig könnte man übrigens sowohl «Deadwood» als auch «Hell on Wheels» in Sachen Stil und Emotionen als Verfilmung des Spiels bezeichnen - dennoch hätte Marston definitiv ein eigenes Abenteuer verdient.

Im gleichen Jahr als das Hauptspiel erschien, gab es übrigens noch ein Add-on, das die Spielwelt mit einer Zombie-Apokalypse überzog und somit das Western-Genre mit «The Walking Dead» mischte – am Anfang durchaus spaßig, mit zunehmender Spielzeit jedoch wenig abwechslungsreich.

Eine weitere Fortsetzung der Reihe wird seit Jahren sehnlichst erwartet – vielleicht ist es ja 2017 endlich soweit. Die Hoffnung reitet bis zum Sonnenuntergang.

Conclusio


Steckbrief

Björn Sülter ist bei Quotenmeter zuständig für Rezensionen, Interviews, Schwerpunkte und Die Experten. Zudem lieferte er in den Jahren 2016/2017 die Kolumne Sülters Sendepause. Der Autor, Journalist, Podcaster und Sprecher ist Fachmann in Sachen Star Trek und schreibt seit über 20 Jahren über das langlebige Franchise. Er ist Teil der Chefredaktion bei Robots & Dragons, Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, der GEEK! und dem FedCon Insider und Chefredakteur des Corona Magazine. Seine Homepage erreicht ihr unter Sülters Sendepause.
Warum die x-te Fortsetzung oder ständiges Re-Booten einst erfolgreicher Stoffe? Warum Sequels und Prequels in Dauerschleife? Nicht nur die Literatur bietet viele wunderbare Vorlagen für spannende Filmstoffe, auch im Games-Sektor schlummern Story-Perlen, die mit ausgefeilten Charakteren, mitreißenden Emotionen, spannenden Wendungen, Humor und Intelligenz beseelt sind.

Dass Games-Verfilmungen dabei bisher einen derart schlechten Ruf mit sich führen, liegt letztlich wieder nur am fehlenden Mut der Verantwortlichen, endlich die richtigen Vorlagen auszuwählen – aber nein - es werden lieber weiterhin reine Actioner als banale Dutzendware ausgespuckt, die jeglichen Tiefgang vermissen lassen. Hollywood ist eben eines ganz sicher: Berechenbar und mutlos. Die Hoffnung bleibt, dass Perlen wie «Last of us» auch die Würdigung erhalten, die sie verdienen.

Bis dahin bleibt mir die Hoffnung, doch noch irgendwann Guybrush, Manny Calavera oder John Marston live und in Farbe in einem Realfilm erleben zu dürfen. Hollywood, bitte loslegen!

Der Sülter hat für heute Sendepause, ihr aber bitte nicht – Wie sind eure Erfahrungen? Gibt es Games, die ihr gerne verfilmt sehen würdet? Oder ist das absolut undenkbar und eventuell sogar gar nicht durchführbar? Welche Games könnte man mit in die Auswahl nehmen? Wie findet ihr meine Vorschläge? Und wer zur Hölle würde im Kino Guybrush, Elaine und LeChuck oder den Cowboy Marston spielen? Denkt darüber nach und sprecht mit anderen drüber. Gerne auch in den Kommentaren zu dieser Kolumne. Ich freue mich drauf.

In 14 Tagen sehen wir uns zur nächsten Ausgabe von «Sülters Sendepause».

Die Kolumne «Sülters Sendepause» erscheint in der Regel alle 14 Tage Samstags bei Quotenmeter.de und behandelt einen bunten Themenmix aus TV, Film & Medienlandschaft.

Für konkrete Themenwünsche oder -vorschläge benutzt bitte die Kommentarfunktion (siehe unten) oder wendet euch direkt per Email an bjoern.suelter@quotenmeter.de.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Nr27
24.09.2016 20:32 Uhr 1
Mein lieber Björn, bei den kommenden Hoffnungen in Sachen Spieleverfilmungen hast du aber einen echten Hochkaräter vergessen: "Assassin's Creed" mit Michael Fassbender und Marion Cotillard! Und auf den müssen wir gar nicht mehr so lange warten, der kommt nämlich schon am 27. Dezember in die Kinos. :)

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