Ein gutes Sprecherensemble, viel Chaos und auch etwas Langeweile: «Angry Birds – Der Film» hat zu viele Schwächen, um zu beflügeln, ist aber auch kein Totalausfall.
Im Zentrum des unausgegorenen Abenteuers steht der dauergenervte Vogel Red (Originalstimme: Jason Sudeikis / dt. Stimme: Christoph Maria Herbst), der wegen seiner Wutausbrüche von seinem friedfertigen Umfeld zu Wuttherapiestunden verdonnert wird. Dort lernt der Eigenbrötler eine kuriose Truppe an Problemvögeln kennen: Den hektischen Chuck (Josh Gad/Axel Stein), den unheimlichen Terrence sowie den gutmütigen Bomb (Danny McBride/Axel Prahl), der bei Überraschungen wortwörtlich explodiert. Als eines Tages ein Schiff mit grünen Schweinen am paradiesischen Vogel-Eiland anlegt, weckt deren Anführer Leonard (Bill Hader/Ralf Schmitz) Reds Misstrauen. Der Rest der Bevölkerung feiert die Neuankömmlinge hingegen, weil sie technische Neuerungen und neuartige Musik mit sich bringen. Also macht sich Red zusammen mit Chuck und Bomb auf die Suche nach dem mächtigen, weisen Adler (Peter Dinklage/Smudo), um nach Rat zu fragen …
Problematisch ist, dass die Filmemacher es nicht darauf beruhen lassen, sondern mit Subplots Red zu einer regelrechten, runden Identifikationsfigur formen wollen, auf dieser Ebene jedoch das Skript zu dünn geraten ist: Eine wirr geschnittene, keinerlei Chronologie oder Dramatik erkennen lassende Rückblende zeigt Red als Außenseiter, der wegen seiner Augenbrauen und seiner Verehrung des mythologischen weisen Adlers verlacht wird. Wenn alle anderen Vögel auf die Widersprüchlichkeiten der Schweine reinfallen, wird Red wegen seiner kritischen Nachfragen attackiert. Und wenn Red seinem Idol begegnet, wird in langgezogenen Dialogszenen Salz in Reds Wunden gestreut, weil er auf eine Mogelpackung reinfiel. All diese Sequenzen verlassen sich auf Allgemeinplätze und sind daher viel zu seicht, um die mit dramatischen Pausen gespickte Laufzeit dieser Passagen zu rechtfertigen.
Der Film bleibt den Wurzeln des beliebten Mobile-Games treu.
Sind die Schweine etwa eine Versinnbildlichung von gierigen Großkonzernen, die die Vögel übers Ohr hauen, während sie mit ihnen Handel treiben? Nein. Sie sind Einwanderer, die über ihre Intentionen lügen, darüber, wie viele sie sind, und die nebenher die Lebensqualität in ihrer neuen Heimat verschlechtern, ehe sie sich zurückziehen und die ungeborenen Kinder ihrer Gastgeber verschleppen. Egal, wie beabsichtigt die unglücklichen Deutungen dieser Ereignisabfolge sein mögen: Donald Trump wird das mögen, liberalere Zuschauer dürften sich derweil im Kinosessel winden. Erst das turbulente, wenngleich antiklimatische Finale besinnt sich wieder auf die Qualitäten dieses Films: Knalligen Unsinn. Mit gelungenem 3D und solider Tricktechnik (Detailfreude ist gegeben, dafür ist das Bild verdächtig überbelichtet) suhlen sich Clay Kaytis und Fergal Reilly darin, eine cartoonige, gewollt bescheuerte Antwort auf solche Materialschlachten wie in «Man of Steel» parat zu haben. Die Jüngsten und Junggebliebenen im Publikum wird das bei Stange halten, auch wenn dabei der kernige Dialogwitz der ersten Filmminuten flöten geht. Haften bleibt das Geschehen jedoch nicht, denn dafür gehen der Vogelattacke zu früh die feschen Ideen aus.

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