Die Kino-Kritiker: «London Has Fallen»

Schon «Olympus Has Fallen» war qualitativ grenzwertig. Die Fortsetzung nun fände allenfalls im Heimkino einen adäquaten Aufbewahrungsort. «London Has Fallen» gibt sich wenig Mühe, den Titel "Schlechtester Actionfilm des Jahres" von sich zu weisen.

Filmfacts: «London Has Fallen»

  • Kinostart: 10. März 2016
  • Genre: Action/Thriller
  • FSK: 16
  • Laufzeit: 99 Min.
  • Kamera: Ed Wild
  • Musik: Trevor Morris
  • Buch: Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt, Christian Gudegast, Chad St. John
  • Regie: Babak Najafi
  • Schauspieler: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Radha Mitchell, Michael Wildman, Owen Davis
  • OT: London Has Fallen (USA 2016)
Fortsetzungen müssen sein! So sieht es zumindest die internationale Filmindustrie. Im Falle von von vornherein direkt als solche geplanten Filmreihen geht das meistens auch zumindest halbwegs in Ordnung. Bei zunächst als Einzelfilm angelegten Produktionen gehört schon eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl dazu, um den guten Eindruck des Vorgängers nicht zu versauen. Bei «London Has Fallen» ist das ein wenig anders. Die diesem Actionkracher zugrunde liegende Story aus dem ersten Teil, «Olympus Has Fallen», sorgte schon vor drei Jahren kaum für die ganz großen Begeisterungsstürme, die sich die Macher wohl erhofft hatten. Das konnte man damals vielleicht noch darauf schieben, dass der ziemlich parallel dazu gestartete Michael-Bay-Gedächtnisfilm «White House Down» exakt dasselbe Thema – einen Angriff aufs Weiße Haus – inszenierte, nur eben einen ganzen Deut besser und nicht halb so ernst wie es Antoine Fuqua versuchte. Es existiert also Luft nach oben. Möglicherweise funktioniert das Konzept des eine-Stadt-wird-in-Schutt-und-Asche-gelegt-Filmes besser, wenn er sich die Bühne nicht mit einem ähnlichen Vertreter teilen muss!? Doch genau das Gegenteil ist der Fall, denn abseits der miserablen Qualität in Sachen Effekte und Actionchoreographien muss sich «London Has Fallen» sein aktuelles Standing im Genrekino sehr wohl mit jemandem teilen: und zwar mit der bitteren Realität, auf die Filmemacher Babak Najafi («Banshee Origins») keinerlei Rücksicht nimmt und sein Werk dadurch nicht nur langweilig, sondern auch ganz schön geschmacklos macht.

Die Welt in Gefahr - Schon wieder


Nach dem plötzlichen, rätselhaften Tod des britischen Premierministers ist seine Beerdigung ein Pflichttermin für die Staatsoberhäupter der westlichen Welt. Selbstverständlich nimmt auch US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) daran teil, begleitet von seinem Leibwächter Mike Banning (Gerard Butler). Doch was als die bestgeschützte Veranstaltung auf dem Planeten beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tödlichen Spießrutenlauf, bei dem das Leben der mächtigsten Anführer der Erde auf dem Spiel steht. Nur mit knapper Not kann Banning das Leben des US-Präsidenten schützen und mit ihm in den Londoner Untergrund fliehen. Doch die Hintermänner der Verschwörung verlangen seine Auslieferung und nehmen die britische Hauptstadt ins Visier. Während Vizepräsident Trumbull (Morgan Freeman) versucht, das gnadenlose Ultimatum hinauszuzögern, nimmt Banning den Kampf auf…

Keiner möchte päpstlicher sein, als der Papst: Actionfilme mit Dutzenden von Todesopfern haben eine lange Tradition. Es wird sie immer geben. Vollkommen unabhängig davon, wie es derzeit um die politische Lage bestellt ist. Trotzdem: Angesichts der aktuell äußerst angespannten, weltpolitischen Situation sind die Menschen zunehmend unsicher. Dreharbeiten zu einem Jackie-Chan-Film, aufgrund derer vor einigen Wochen ein Bus auf den Straßen von London explodierte, versetzten die Umstehenden in Angst und Schrecken und ließen Gedanken an die Terroranschläge in Paris wach werden. Ob es also so eine gute Idee ist, zum jetzigen Zeitpunkt einen Film in die Kinos zu bringen, der sich damit befasst, dass die Oberhäupter der westlichen Welt von arabischen Terroristen angegriffen werden, ist da weit mehr als eine Geschmacksfrage. Wir sagen: nein, und verweisen bereits an dieser Stelle darauf, dass es eben nicht bloß der eigentliche Plot und die strikte Gut/Böse-Trennung ist, die «London Has Fallen» zu einem mal fragwürdigen, mal einfach nur absolut dämlichen Filmerlebnis macht, sondern auch die konsequente Heroisierung der USA, die hier einmal mehr bis aufs Äußerste durchgezogen wird.

Während die Staatsoberhäupter der anderen Länder nach und nach dezimiert werden (ob es ein Statement ist, dass die fiktive Nachbildung von Angela Merkel als erstes dran glauben muss, sei einmal dahingestellt), erweisen sich ein über alle Maße gelangweilter Gerard Butler (demnächst in «Gods of Egypt» zu sehen) und der halbwegs engagiert den US-Präsidenten mimende Aaron Eckhart («I, Frankenstein») als Silberstreif am Horizont. Für wen? Nun, wenn man die vier Drehbuchautoren Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt (schrieben gemeinsam «The Expendables 3»), Christian Gudegast («Pink Panther Mafia») und Chad St. John fragen würde, bekäme man vermutlich die Antwort: für die ganze Welt!

Dass die Amerikaner gerade in ihren Actionschleudern mit einer ordentlichen Portion Patriotismus um sich werfen (aktuelles Beispiel: «13 Hours: The Secret Soldier of Benghazi»), ist allgemein bekannt. Wenn es die verantwortlichen Autoren und Regisseure allerdings allzu ernst meinen, steht es dem Unterhaltungswert der ja eigentlich auf kurzweiliges Entertainment abzielenden Produktionen nur im Weg. Genau so verhält es sich bei «London Has Fallen», der mit seinen gerade einmal neunzig Minuten eigentlich nur so an einem vorbei rauschen müsste, doch nach einem zähen, sich um Bodenständigkeit und politischen Realismus bemühenden Prolog dauert es viel zu lange, bis überhaupt erst was passiert. Und was dann passiert, ist nicht nur erschreckend nah an dem, was wie tagtäglich in den Nachrichten zu sehen bekommen, sondern in seiner Ausführung allenfalls dritt- oder viertklassig. Den Effekten sieht man ihre Herkunft aus dem Computer zu jedem Zeitpunkt an, Kameramann Ed Wild («Prisonders of the Sun») kann sein Equipment nicht einmal in Dialogsequenzen still halten und sowohl die Nahkampfsequenzen, als auch die Verfolgungsjagden sind von solch einer Lieblosigkeit, dass man sich fragt, wie es «London Has Fallen» überhaupt auf die große Leinwand schaffen konnte, wo der Produktionsstandard, trotz eines recht hohen Budgets von über 100 Millionen US-Dollar, doch eher auf einen Direct-to-DVD-Titel schließen lässt.

Wo bleibt die Spielfreude?


Das Geheimnis dahinter liegt vermutlich auf Seiten der Besetzung, einhergehend mit dem Erfolg von «Olympus Has Fallen», der bei einem Budget von 70 Millionen Dollar über 160 Millionen einspielte. Babak Najafi setzt auf den altbewährten Cast, schafft es aber nicht, diesem auch nur einen Hauch von Spielfreude abzugewinnen. Wenn Gerard Butler auf seine Widersacher eindrischt, dann können auch die Sounds der Schläge die Unlust in Butlers Mimik nicht übertönen. Morgan Freeman («Ted 2») lenkt die Geschehnisse von außen und spult nicht engagierter ein übliches Repertoire an zutiefst besorgten Gesichtszügen ab, während Aaron Eckhart als Einziger noch ein wenig Passion in seine Rolle zu legen scheint, allerdings zu wenig zu tun bekommt, um seine Stärken auszuspielen. Unter den Bösewichten fällt es derweil schwer, einzelne Typen auszumachen. Das Skript zeichnet sämtliche Terroristen als große, böse Masse, die sich über grimmige Blicke und eine hohe Schlagfertigkeit definiert. Durch das stete Zurückgreifen auf klassische Actionfilmklischees ist zudem von Anfang an klar, wie «London Has Fallen» wohl ausgehen wird. Das ist lahm, macht keinen Spaß und fühlt sich spätestens bei der frechen Schlusspointe wie pure Zeitverschwendung an.

Fazit:
«London Has Fallen» hat zwar ein recht hohes Budget, macht aber absolut nichts daraus und präsentiert miese Effekte, eine grenzwertige Handlung und gelangweilte Darsteller im Akkord. Geld- und Zeitverschwendung, möglicherweise der mieseste Actionfilm des Jahres.

«London Has Fallen» ist ab dem 10. März in den deutschen Kinos zu sehen.

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