Die Kritiker

«Inspector Banks: Das verschwundene Lächeln»

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Fast zwei Jahre nach der Erstausstrahlung in Großbritannien zeigt ZDFneo die dritte Staffel von «Inspector Banks». Der Auftakt zu den neuen Folgen ist dabei durchwachsen.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Stephen Tompkinson als DCI Alan Banks, Andrea Lowe als DS Annie Cabbot, Caroline Catz als DI Helen Morton, Jack Deam als DC Ken Blackstone, Christine Bottomley als Katy Heath, Geoff Bell als Jimmy Chivers, John Lightbody als Paul Cain und andere


Hinter den Kulissen:
Regie: Bill Eagles, Buch: Robert Murphy, Musik: Sheridan Tongue, Kamera: Darren Miller, Schnitt: David Head, Produktion: Left Bank Pictures

Ganz schnell agiert auch ZDFneo nicht bei der Ausstrahlung von seinen Serien. Ab Anfang Februar 2014 zeigte der britische Sender ITV die dritte Staffel seiner Krimi-Reihe «Inspector Banks». Immerhin nicht ganz zwei Jahre vergingen, bis die Zuschauer vom Spartenkanal des ZDF nun in den Genuss der neuen Filme kommen. Drei Neunzigminüter stehen zur Verfügung, die anders als im Original nicht jeweils in zwei Teile aufgesplittet worden sind. Zum Auftakt bekommt es der Ermittler aus Leeds in «Das verschwundene Lächeln» mit einer Kindesentführung zu tun, hinter der offensichtlich mehr steckt als ein unschuldiger Junge und einer erschütterten Mutter.

Schon die Grundsituation der Entführung ist für die Ermittler irgendwie seltsam: Nicht gewaltsam sind die Entführer eingedrungen, um den 11 Jahre alten Kyle in ihre Gewalt zu bringen. Kyles Mutter Katy erklärt auch, dass ihr Sohn nicht in klassischer „Komm ich zeig Dir ‘nen echten Hasen“-Manier in ein Auto gelockt wurde. Nein, da waren ein Mann und eine Frau, die sagten sie seien Vertreter des Jugendamtes und müssten Kyle mitnehmen. Und was macht man da als Mutter natürlich? Richtig, man stellt keine großartigen Fragen, sondern gibt sein Kind einfach ab. Das kommt nicht nur den Ermittlern komisch vor. Zwar beteuert Katy, dass sie gefleht und gebettelt habe ihren Jungen da zu lassen, doch wirklich glaubhaft wirkt das nicht.

Medienrummel oder blanke Stille?


Doch die eigentlichen Hintergründe sind diffus. Um näher an Katy heranzukommen sucht Inspector Banks eine geeignete Ermittlerin, doch weil Annie Cabbot gerade erst aus dem Mutterschaftsurlaub zurück ist, will ihr Boss sie noch nicht voll einspannen – sehr zu deren Argwohn. So darf Helen Morton die Rolle übernehmen, die mit der Situation ebenfalls unzufrieden ist. Denn auch sie hat nebenbei Probleme mit ihrem eigenen Teenie-Jungen und schafft es nicht wirklich das Vertrauen von Katy zu gewinnen. Doch plötzlich nimmt die ganze Geschichte Fahrt auf: Nicht nur, dass Kyles Vater sich verdächtig macht. Auch wird klar, dass der Junge mehrfach wöchentlich hohe Summen in der Spielhalle verzockt hat. Dabei war am Abend von Kyles Verschwinden auch noch der Rektor der Schule in der Halle zugegen. Und schließlich taucht auch noch die Leiche eines weiteren Jungen auf, der aus dem gleichen Viertel wie Kyle kommt. Er ist allerdings nicht durch Gewalteinwirkung sondern eine Überdosis Heroin gestorben. Hat Kyle auch damit etwas zu tun? Spätestens hier wird die Produktion allerdings ein Stück weit inkonsistent: Während die Entführung von Kyle in sämtlichen Medien großflächige Präsenz genießt, hat von dem anderen Fall nicht einmal das Ermittlerteam von Inspector Banks Kenntnis erlangt – und das obschon die Polizei lange eingeschaltet war. Zwar versucht der Film selbst diese Diskrepanz zu erläutern, schafft das aber nicht wirklich plausibel.

Die optisch gewohnt hochwertige Produktion hat in der deutschen Ausstrahlung mit phasenweise seltsam wirkenden Synchronisierungen zu kämpfen, die nicht immer glaubwürdig ihre Story transportieren. Aber auch im britischen Original ist nicht alles perfekt gelungen. So darf auf solch simple Symbolik wie ein Eiswagen mit spielender Musik nach überwundener Gefahrensituation gerne verzichtet werden. Unglaubwürdig ist ferner auch eine Story um Mutter Katy. Diese soll zwar für den Zuschauer durchaus fragwürdig erscheinen, dennoch soll auch eine gewisse Zuneigung ihrerseits zu Kyle deutlich werden. So ist es aber doch recht unglaubwürdig, wenn die Mutter angibt, keine Bilder ihres Sohnes zu besitzen: „Wenn dann in seinem Zimmer“, erklärt sie. Aber was hätten sie da zu suchen?


Der Lehrer und der „destruktive, kleine Scheißkerl“


Leider geraten auch manche Dialoge etwas stumpf. So besuchen die Ermittler die Bewohner eines Hauses mit Blick auf die Wohnung von Katy und bekommen von ihnen so tolle Sätze zu hören wie „Wir sind hier in einem besser gestellten Viertel“, wobei die Definition von „Viertel“ schon dadurch relativiert wird, dass es eben freien Blick auf den Wohnraum derer gibt, die nach Meinung der Befragten nicht zu ihnen gehören – Katy, beispielsweise. Nicht weniger seltsam erscheint es auch, wenn Kyles Lehrer seinen Schüler als „destruktiven, kleinen Scheißkerl“ bezeichnet. Immerhin: Von der Stange ist ein solcher Satz nicht, anders als die Produktion in Gesamtbetrachtung. Aus einem durchschnittlichen Krimi, den das Buch bietet, gelingt es aber durchaus einige Spannung zu erzeugen. So ist es interessant, wie der Sohn einer Ermittlerin in seiner Schule als eine Art Buchmacher agiert und damit gedanklich vom vermeintlichen Entführungsopfer nicht mehr allzu weit entfernt ist. Mit etwas Anlauf kommt aber auch großflächiger Spannung in die eigentliche Entführungsstory, weil sich immer mehr Verstrickungen auftun und nie ganz klar ist, wer mit wem unter einer Decke steckt.

Kurz vor der Auflösung wird es dann aber wieder wirr, das Finale macht es sich zudem wiederum etwas zu leicht. So wird ein seltsamer Online-Chat eingeworfen, der Katys Verbindung zu den Entführern entwirren soll. Der aber ist eher ein Mittel zum Zweck und kein durchdachtes Handlungsmoment. Die Schlusssequenzen warten dann mit einem Entführer mit Helferkomplex auf, dessen Motive nicht so tiefgründig wirken wie es beabsichtigt ist. Gleiches gilt auch für das Plädoyer, das Inspector Banks gleich zweimal ablässt: Sowohl in der Auflösung der Entführungssituation als auch nach seiner Rückkehr in die Wache. Dabei mag er inhaltlich sogar richtig liegen, aber die Inszenierung ist dennoch over the top.

Das alleine würde den Film nicht weiter stören, doch es gibt zu viele Einzelelemente die nicht stimmig sind. Neben der Story eines Regelkrimis muss der Zuschauer sich auch mit phasenweise wenig durchdachten Dialogen zufrieden geben. Kleinere Störfeuer gibt es auch durch billige Symbolik und inkonsistente Charakterisierungen. Weil es insbesondere aufgrund der verdichteten Figurenkonstellation und der komplexen Problemstellung auch immer wieder spannende Phasen gibt, wäre es gleichwohl falsch, den Auftakt zur dritten Staffel von «Inspector Banks» als Totalausfall zu bezeichnen. Steigerungspotenzial besteht aber Zweifelsohne. Das ist aber wohl nicht der Grund, warum so viel Zeit bis zur Erstausstrahlung bei ZDFneo vergangen ist.

Die drei Folgen der dritten Staffel von «Inspector Banks» zeigt ZDFneo immer am späten Freitagabend. Los geht es mit «Das verschwundene Lächeln» am 4. Dezember um 23.30 Uhr.

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