Talkcheck

Die Talk-Show-Bilanz 2014

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Welches Talk-Format schnitt 2014 am besten ab und welche Themen waren am beliebtesten? Die großen Formate der Öffentlich-Rechtlichen im großen Quotenvergleich.

Das Thema des Jahres

Kaum ein Talker ließ es sich nehmen, im Jahre 2014 über den Fall Uli Hoeneß zu berichten. Bereits im Januar 2013 deckte der "Stern" einen Fall schwerer Steuerhinterziehung seitens des Ex-Fußballers auf, der noch bis tief ins Jahr 2014 vor seinem Haftantritt in der JVA Landsberg diskutiert wurde. Nicht etwa globalen Themen wie Krieg schenkten die Fernsehzuschauer die höchste Aufmerksamkeit, gleich bei mehreren Sendungen erzielten Ausgaben zum Fall Hoeneß die Jahresbestwerte in Sachen Quoten.
Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Deutschland. Vor allem im Weltgeschehen im Allgemeinen und in der Politik im Speziellen bot das Jahr 2014 viel Diskussionsstoff. Krim-Krise, Nahost-Konflikt, Folter-Skandal in den USA, Steuerskandale um Prominente, Edward Snowden und immer wieder Putin. Über zu wenige Themen brauchen sich die Polit-Talkshows dieser Tage nicht beschweren. Gleichzeitig tummeln sich im Ersten und beim ZDF wiederum enorm viele Talker, wodurch die Gefahr besteht, dass sich die Diskussionsrunden gegenseitig das Wasser abgraben. Welche Talk-Show im öffentlich-rechtlichen Fernsehen profitierte am meisten von der Themenlage und welche Genrevertreter mussten sich hinten anstellen?

«Günther Jauch» ist durch seine langjährige Präsenz im Privatfernsehen vielleicht der namhafteste aller aktuellen Talker, gleichwohl er als Leiter der sonntägigen Diskussionsrunden im Ersten erst seit September 2011 praktiziert. Im Windschatten des «Tatort»  geht ein Quotenerfolg am Sonntag ab 21.45 Uhr zumindest leichter von der Hand, Jauch musste sich jedoch nach anfänglicher Kritik erst innerhalb seines neuen Formats warmspielen. Im Rahmen der ersten Staffel 2011/2012 sprangen so durchschnittliche 15,5 Prozent heraus, die bereits deutlich über dem Senderschnitt des Ersten lagen, aber auch wesentlich vom Lead-In beeinflusst wurden. Dafür steigerte sich Jauch in den Folgestaffeln. Vor allem zu Beginn des Jahres hatte «Günther Jauch»  jedoch zu kämpfen. Die erste herausragende Ausgabe flimmerte den Zuschauern erst am 9. Februar entgegen, als es um Stars am Steuer-Pranger ging. Bei reichweitentechnisch gleichbleibend starkem Lead-In im Vergleich zur Januar-Ausgabe, hielt «Günther Jauch» 5,55 Millionen Zuschauer und damit 18,9 Prozent, nur knapp weniger verzeichnete die ARD-Talkrunde im Rahmen des „Falls Edathy“ sieben Tage darauf.

Während sich die meisten Ausgaben mit recht starken Schwankungen etwa auf Höhe von 17 Prozent beim Gesamtpublikum bewegten, knackte erstmals eine Episode um Uli Hoeneß am 9. März die 20 Prozent-Marke. 5,83 Millionen Interessierte bewirkten eine Quote von 20,8 Prozent, im Jahr 2014 schafften dies nur noch zwei weitere Folgen. Mit 5,96 Millionen Zuschauern versammelte „Mein Kind ist ein Schläger“, thematisch anknüpfend an den Kölner «Tatort: Ohnmacht» zuvor, mehr als die Ausgabe um den ehemaligen Präsident des FC Bayern München, dafür verbuchte die Runde mit 20,5 Prozent eine niedrigere Quote. Exakt 20 Prozent generierte schließlich noch einmal eine Folge zum „Putin-Interview“ am 16. November. Wo Licht war, fand sich jedoch auch Schatten: Auch «Günther Jauch» kam 2014 nicht ohne Quoten-Misserfolge aus. Besonders gegen Ende der dritten Staffel, die Jauch Ende Juni abschloss, schalteten WM-bedingt weniger Fernsehende zum Talk-Format. Am 15. und 22. Juni waren deshalb nur 9,5, beziehungsweise 10,8 Prozent mit von der Partie. Insgesamt darf sich «Günther Jauch» 2014 über durchschnittlich 4,56 Millionen Zuschauer und 16,2 Prozent freuen. Allerdings entschieden sich im Jahr 2013 noch mittlere 17,0 Prozent für die Sonntagabendsendung.

Die langlebigste Talk-Show des ZDF findet sich in Persona von «Maybrit Illner» wieder. Seit etlichen Jahren besiedelt die Moderatorin den ZDF-Donnerstag. Illner beweist dabei vielleicht die höchste Konstanz und zeigt sich unabhängiger von Lead In-Formaten als viele andere Talker und Talkerinnen. Stand jetzt moderierte sie 40 Ausgaben in diesem Jahr, davon lagen nur sieben Episoden deutlich unter dem ZDF-Senderschnitt von aktuell 12,7 Prozent bei den Zuschauern ab Drei. Auch bei «Maybrit Illner»  fungierte Uli Hoeneß als Quotenbringer, denn die Ausgabe „Rote Karte für Uli Hoeneß“ markierte mit 20,0 Prozent des Gesamtpublikums mit Abstand den Jahresbestwert. Die zweitbeliebteste Sendung wurde am 3. April ausgestrahlt und verzeichnete „nur“ 15,2 Prozent.

Schlecht lief es dafür an anderen Tagen. Eine Folge über Steuerverschwendung generierte am 1. Mai nur 8,8 Prozent. Sonst rutschte «Maybrit Illner» bei allen Zuschauern nicht mehr unter neun Prozent Marktanteil. Seit Oktober 1999 ist Illner für das Talk-Format verantwortlich, erst im März 2007 verlieh das ZDF der Sendung ihren Namen. Nach dieser langen Zeit schafft es Illner jedoch immer noch, sich zu steigern: 2013 interessierten sich im Schnitt 11,9 Prozent für die stets nach 22 Uhr beginnende Sendung. Im Jahr 2014 passte sich Illner dem ZDF-Quotenschnitt an und kletterte auf mittlere 12,4 Prozent. Dabei hatte das Ende der Donnerstagskonkurrenz «Beckmann»  scheinbar keinerlei Einfluss auf die Performance der ZDF-Sendung.

Ohnehin lief «Beckmann», das am 25. September eingestellt wurde, nur äußerst dürftig. Lediglich eine thematische Aufarbeitung der „Volkskrankheit Demenz“ kratzte am 15. Mai mit 11,8 Prozent am Quoten-Durchschnitt im Ersten. Sonst hielt die Donnerstagabend-Sendung miserable Zahlen für Das Erste bereit, die am 29. Mai sogar bis auf 4,5 Prozent fielen. 7,1 Prozent aller Zuschauer lockte «Beckmann» 2014 im Schnitt lediglich an, was eine Absetzung allemal rechtfertigt. Sandra Maischberger lieferte zwar deutlich besser ab, besonders zufrieden kann die ARD mit «Menschen bei Maischberger» jedoch nicht sein. Nur wenige Ausgaben liefen 2014 dienstags wirklich ausgezeichnet, 13,1 Prozent waren am 23. September ein guter Wert, als es um „zu viel Stress ums Essen“ ging. Heraus stach allerdings die Ausgabe am 2. Dezember. Damals ging es um das Thema "Hoch geflogen, tief gestürzt". Die Folge kam Anfang des Monats auf 2,21 Millionen Zuschauer und sehr gute 14,5 Prozent bei allen Zuschauern ab drei Jahren. Besonders die beiden ersten Ausgaben des Jahres erzielten im Januar mit 7,7, respektive 7,9 Prozent maue Zahlen und markierten damit den Tiefpunkt des Jahres, beide Ausgaben traten allerdings in direkter Konkurrenz zu «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!»  auf RTL an. Der Jahresmittelwert beläuft sich auf 11,1 Prozent gegenüber 11,3 Prozent im Vorjahr.

Ein turbulentes Jahr liegt auch hinter «Markus Lanz». Der Moderator präsentierte gerade die letzte Ausgabe des langjährigen ZDF-Flaggschiffs «Wetten, dass…?». Auch seine Talkshow befindet sich eher auf dem absteigenden Ast. Von Dienstag bis Donnerstag unterhält sich Lanz mit ausgewählten Gästen, dabei knüpft er häufig an Champions League-Übertragungen des ZDF an und lädt Prominente aus dem Fußball in die Sendung ein. «Markus Lanz»  litt unter starken Quotenschwankungen, die vorwiegend in der zweiten Jahreshälfte in deutlich unzufriedenstellende Bereiche abglitten, als Werte bis zu 7,3 Prozent beim Gesamtpublikum feststanden. Dafür nahm die Fußball-Weltmeisterschaft einen stark positiven Einfluss auf das Format. Am 8. Juli, im Anschluss an das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien blieben ab 1.05 Uhr 45,5 Prozent aller Fernsehenden dran. Dafür drückte die 0 Uhr-Ausgabe am Tag darauf die Quoten in den Keller, als nur 2,2 Prozent einschalteten, nachdem sich Niederlande und Argentinien duellierten. Diese beiden Werte waren gleichzeitig die Extreme im Jahr 2014. Insgesamt wollten 2014 im Mittel 13,5 Prozent des Gesamtpublikums «Markus Lanz» sehen, 2013 verzeichnete der Moderator mit 14,4 Prozent fast einen ganzen Prozentpunkt mehr.

Die Talk-Shows im Quotenvergleich: Gesamtmarktanteile 2014

  1. «Günther Jauch»: 16,2% (Das Erste)
  2. «Markus Lanz»: 13,5% (ZDF)
  3. «Maybrit Illner»: 12,4% (ZDF)
  4. «Menschen bei Maischberger»: 11,1% (Das Erste)
  5. «Anne Will» 10,6% (Das Erste)
  6. «Hart aber fair»: 10,1% (Das Erste)
  7. «Beckmann»: 7,1% (Das Erste)
Damit liegt der ZDF-Moderator deutlich vor den ARD-Kollegen Anne Will und Frank Plasberg. Letzterer war auch 2014 wieder «Hart aber fair». Am Montagabend ab 21 Uhr gelangte er dadurch jedoch nicht zu großen Quotenerfolgen. Die Marktanteile bewegten sich meist am Rande der Zweistelligkeit. Auch hier sorgte eine Uli Hoeneß-Episode mit 13,7 Prozent für die höchste Quote des Jahres, während die Werte teilweise bis unter acht Prozent rutschten und insbesondere ab Oktober stark zu wünschen übrig ließen. 10,1 Prozent standen für «Hart aber fair»  im Jahr 2014 durchschnittlich auf dem Papier, «Anne Will» schloss das Jahr mit mittleren 10,6 Prozent etwas besser ab. Besonders gern gesehen war die erste Ausgabe des Jahres, die Justizirrtümer behandelte. Ansonsten kann sich «Anne Will»  im Vergleich zu Frank Plasberg nur auf die Fahne schreiben quotentechnisch nicht ganz so oft in die unteren Gefilde gerutscht zu sein.

Der Quotenmeter.de-Talk-Check verabschiedet sich mit dieser Ausgabe in eine Winterpause.

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