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Von der Rubrik zur Show – Scheitern vorprogrammiert?

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Die «Circus HalliGalli»-Rubrik «Mein bester Feind» wird zur ausgedehnten Primetime-Show. Kann ein solches Unterfangen gut gehen?

Herzlich Willkommen bei «Mein bester Feind» – dem Freundschaftstest unter den deutschen Fernsehshows. Unser Service-Angebot für alle diejenigen, die sich denken: Der Typ, der da seit Jahren mit mir durchs Leben gammelt und vorgibt, mein bester Kumpel zu sein - ist er das wirklich? Wir finden es heraus!"
Klaas Heufer-Umlauf probt die Anmoderation zu «Mein bester Feind»
Joko und Klaas arbeiten tatkräftig daran, für ProSieben zu einer ähnlich prominenten Stütze zu werden wie Stefan Raab. Was im Großen und Ganzen für den Münchener Privatsender nur von Vorteil sein kann. Denn obwohl der «TV total»-Moderator mit seinen 48 Jahren derzeit so geschäftig ist wie eh und je, wenn nicht sogar mehr denn je, wäre es auf Dauer unsinnig, sich allein auf ihn zu verlassen. Eine zweite Generation an Senderkollegen überstrahlenden Persönlichkeiten muss her. Und da sind die ehemaligen MTV-Gesichter eine naheliegende Wahl. Mit der wöchentlichen Show «Circus HalliGalli» und dem Primetime-Event «Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt» haben sie bereits ihre Pendants zu «TV total» und «Schlag den Raab» aufgebaut. Nun müssen noch mehr Projekte her, um den ProSieben-Samstag mit weiteren Shows zu bestücken.

Ist aber «Mein bester Feind» ein Schritt in die richtige Richtung? Als abendfüllende Spielshow mit wahnsinnigen Einsätzen werden schließlich leise Erinnerungen an «Elton zockt! – Live» wach. So, wie die Geister scheidende, extralange Sendung mit Elton auf einer unregelmäßigen «TV total»-Rubrik basiert, walzt «Mein bester Feind» nun eine «Circus HalliGalli»-Rubrik auf mehrere Stunden Sendezeit. Ein unglücklicher Vorbote – denn trotz Feinschliff des Showkonzepts holte die verbesserte, zweite Auflage von «Elton zockt!» vor fast exakt einem Jahr nur 11,2 Prozent Marktanteil bei den Werberelevanten. Eine dritte Ausgabe blieb daher bisher aus.

Es muss wohl sportlich zugehen, um im deutschen Fernsehen einen Showableger zum Erfolg zu führen. Stefan Raabs Sportevents, darunter die «Wok-WM» oder das «Turmspringen», sind schlussendlich ja nichts anderes als megalomanische Antworten auf «TV total»-Einspieler. Da Raab in seiner Stammshow mittlerweile kaum noch das Studio verlässt, hält seit einiger Zeit sogar «Schlag den Raab» als Ideenschmiede her. Nachdem Raab in seiner Wettkampfshow einen Heidenspaß an den Disziplinen «Autoball» und «Eisfußball» bekundete, bekamen diese mit etwas Verzögerung eine eigene Eventshow spendiert. Aufgrund mäßiger Zuschauerreaktionen erhielt der «Eisfußball Pokal 2009» allerdings trotz starker Quoten (18,1 Prozent in der Zielgruppe) nie eine Fortsetzung.

Es ist allerdings nicht so, als würden Joko und Klaas mit «Mein bester Feind» lachend in die Kreissäge laufen. Im Gegensatz zu «Elton zockt» wird die neue Show mit dem Anarcho-Duo nicht live auf Sendung gehen. Einerseits aus logistischen Gründen, weil im Studio allerhand Umbauarbeiten anstehen, andererseits lassen sich so etwaige Längen leicht ausbügeln. Und selbst wenn manche Shows wie «Schlag den Raab» klar vom Live-Faktor profitieren, kann es nicht schaden, eine weitere ausufernde Actionshow zu vermeiden. Mit etwas mehr als drei Stunden Bruttolaufzeit ist «Mein bester Feind» zwar noch immer alles andere als kompakt, allerdings sind dem Wahnsinn somit immerhin Grenzen gesetzt.

Und wüsste man nicht, dass «Mein bester Feind» ein Ableger einer Showrubrik darstellt, so könnte man es glatt für ein wiederbelebtes, fieses Spielshowkonzept aus den 90ern halten: Normalbürger quälen sich in Actionspielen, um Autos, Fernseher und Geld zu gewinnen. «Wünsch dir was», «Spiel ohne Grenzen» und Konsorten lassen grüßen. Nur, dass die Kandidaten in diesem Fall nichts gewinnen können, sondern nur deren Freunde. Fies. Aber Gemeinheiten sind auch kein Novum in der deutschen Spielshow-Landschaft. Bei «Donnerlippchen» gab es einst oft genug Spiele, bei denen die Teilnehmer über den für Schadenfreude sorgenden doppelten Boden im Unklaren gelassen wurden. Und das Format hat es auch zum Klassiker gebracht. Schlussendlich entscheiden über den Erfolg von «Mein bester Feind» die Kandidatenauswahl (keine Selbstdarsteller, bitte!) und die durch die Spiele gebotene Abwechslung. Ob «Mein bester Feind» in dieser Hinsicht liefert, lesen Sie am Sonntag in der Quotenmeter.de-Kritik zur Show.

Bis dahin: Immer schön in Acht nehmen! Man weiß nie, welche Freunde einen heimlich für irgendwelche Showexperimente anmelden …

«Mein bester Feind» ist am 6. Dezember 2014 ab 20.15 Uhr bei ProSieben zu sehen.

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