Die Kritiker

«Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter»

von

Tolle Ermittler, gute Grundidee, konventionelle Kriminalrätsel: «Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter» ist ein solider Krimi, der ein tolles Drama hätte werden können.

Cast und Crew

Vor der Kamera:
Hinnerk Schönemann («Nils Holgerssons wunderbare Reise») als Frank Wolf,
Teresa Weißbach («Bamberger Reiter. Ein Frankenkrimi») als Yvonne Weber,
Karl Kranzkowski («In gefährlicher Nähe») als Wolfgang Schulte,
Oliver Stokowski («Überleben an der Wickelfront») als Lutz Müller,
Luca Zamperoni («Küss mich, Hexe!») als Konrad Ritter,
Ulrike C. Tscharre («Lösegeld») als Rieke Müller


Hinter der Kamera:

Regie: Johannes Grieser, Drehbuch: Holger Karsten Schmidt,
Kamera: Volker Tittel, Schnitt: Esther Weinert & Michael Reysz, Musik: Robert Schulte-Hemming & Jens Langbein, Produktion: Michael Smeaton & Dr. Simone Höller
Ein verschwitzter, verdreckter, verzweifelter Mann bangt um sein Leben. Er wird in einem scheußlichen Gemäuer gefangen gehalten, das genauso gut auch der Schauplatz eines «Saw»-Films sein könnte. Inklusive stetig tropfendem, rostigem Wasserhahn. Auf die modrigen Wände kritzelt er den Satz: „Ich wars nicht“. Es ist ein atmosphärischer Einstieg in einen anderweitig routiniert gefilmten ZDF-Fernsehkrimi, dessen zentrales Rätsel zwar konventionell ist, das aber von einem reizvollen Grundkonzept profitiert. «Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter» nimmt sich einer realen Anekdote deutscher Justizgeschichte an, um mit frei erfundenen Figuren und Charakterproblemen daraus eine eigene Story zu spinnen: Wir schreiben das Jahr 1999, wenige Monate, bevor sämtliche ungelösten Kriminalfälle aus der DDR für immer zu den Akten gelegt und als verjährt abgehakt werden.

Der Schauplatz dieses exemplarischen Falls ist Eisenach, wo die aus dem Westen stammende Polizistin Yvonne Weber (Teresa Weißbach) kurz nach Dienstbeginn in ihrer neuen Arbeitsumgebung direkt einige Egos verletzt, indem sie einen alten Fall aufrollt. 1983 wurde der als Weiberheld bekannte Rockmusiker Konrad Ritter (Luca Zamperoni) des Mordes an einer Polizistentochter beschuldigt und für die Tat verurteilt. Eineinhalb Jahre später gelang es dem vom Spießbürgertum verachteten Musiker aber ein Wiederaufnahmeverfahren in die Wege zu leiten, woraufhin er freigesprochen wurde. Dennoch sind sich die Einwohner Eisenachs sicher, dass Ritter ein Mörder ist – und Yvonnes Verbissenheit, mit der sie den alten Fall neu beleuchtet, schmeckt ihnen so gar nicht.

Auch innerhalb des Polizeipräsidiums macht sich die aufgeweckte, locker auftretende und dennoch viele private Details für sich bewahrende Westdeutsche allerhand Feinde. Selbst ihr neuer Einsatzpartner Frank Wolf (Hinnerk Schönemann) hat für ihr Engagement nur abfällige Bemerkungen übrig. Trotzdem bleibt Yvonne ihrem Vorhaben treu und deckt immer mehr Ungereimtheiten auf, wodurch sie doch noch Franks Ehrgeiz wachrüttelt. Somit manövriert sich das Duo jedoch ins Visier der alten, sexistischen Elite, die sich nach den DDR-Zeiten zurücksehnt und die einiges zu verheimlichen hat …

Das patriarchale Gehabe der alteingesessenen Eisenacher Polizisten und die von den Protagonisten allmählich aufgedeckten Verschwörungen sind dem Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt reichlich altbacken geraten und kommen sehr übertrieben daher. Die Vorurteile über den unbeschwerten Rockmusiker Ritter und die zierlich gebaute Polizistin Yvonne Weber könnten Stoff für ein Abbild deutscher Gesellschaftsgeschichte sein, sind hier aber relativ plump, weshalb sie allein dazu dienen, den behandelten Kriminalfall zu dramatisieren. Die Stasi-Proleten und DDR-Sadisten werden somit der kecken Grundidee von «Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter», dem Aufrollen alter DDR-Fälle vor ihrer Verjährung, nicht gerecht. Besonders im Vergleich zu den komplexeren Hauptfiguren fallen die Schurken in diesem Kriminalfilm negativ auf – Schönemann und Weißbach hätten bessere Rivalen verdient.

Gegensätze ziehen sich in Krimifilmen bekanntlich an, hier ergänzen sich die widersprüchlichen Hauptfiguren aber auf unverbrauchte Art. Während Yvonne die aufgeschlossene Persönlichkeit hat, ist es ihr grimmigerer Kollege Frank, dessen Vergangenheit im Laufe von Rückblicken beleuchtet wird. Generell sind die Einblicke in die Vorgeschichte der Figuren und des titelgebenden Falls dank clever gestreuter Hinweise spannender als der Verlauf des Hauptplots, ebenso wie die sich sukzessive entwickelnde Dynamik zwischen Frank und Yvonne. Dennoch enttäuscht, dass das wiederkehrende Thema der Vorverurteilung in «Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter» zu kurz kommt – denn wann immer Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt und Regisseur Johannes Grieser es anschneiden, finden sie die richtige Einstellung und die richtigen Worte.

Fazit: Gut gemeint, durchschnittlich umgesetzt. «Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter» erzählt ein reizvolles Thema mittels einiger Krimiklischees.

«Für immer ein Mörder – Der Fall Ritter» ist am 29. September 2014 um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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