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Disney in Deutschland

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Der Start des frei empfangbaren Disney Channels ist der nächste Schritt in der langen, zumeist erfolgreichen Eroberung des deutschen Medienmarkts durch den Disney-Konzern. Wir blicken zurück auf einige Eckpfeiler der hiesigen Disney-Historie ...

Ein Disneyland in Deutschland?

1983 eröffnete mit Tokyo Disneyland der erste Disney-Themenpark außerhalb der USA – und erwies sich als einer der erfolgreichsten Freizeitparks weltweit. Somit war es für den Disney-Konzern ein logischer Schritt, auch in Europa einen Park aufzubauen, wobei vier Länder als Standort in die engere Auswahl kamen: Das englischsprachige Großbritannien, das vom Klima her am ehesten den US-Standorten der Disney-Parks ähnelnde Spanien, das wirtschaftlich starke und eine hervorragende Infrastruktur aufweisende Deutschland sowie Frankreich – das mit einer zentralen Lage in Europa auftrumpfte. Großbritannien schied wegen des Klimas und mangelnder Baufläche schnell aus, während Deutschland daraufhin wegen hoher Land- und Baupreise den Kürzeren zog. Der Rest ist Geschichte: Nachdem sich die französische Regierung bereit erklärte, Disneys Unternehmung finanziell zu unterstützen, bekam Frankreich den Zuschlag.
Eins ist bereits jetzt klar: Der Wechsel des deutschen Disney Channels ins frei empfangbare Fernsehen wird in die Geschichte eingehen. Zumindest in die Geschichte der Walt Disney Company – immerhin geschieht diese Umstellung nicht heimlich, still und leise. Der Free-TV-Sendestart wird viel mehr von der größten Disney-Medienkampagne aller Zeiten in deutschen Landen begleitet. Mit Werbeaktionen in einem achtstelligen Mediawert gibt sich Disney Deutschland wirklich jede Mühe, auf die Neugeburt des hiesigen Disney Channels hinzuweisen – entsprechend groß dürften die Erwartungen an den Senderstart sein.

Damit wird der Free-TV-Start des deutschen Disney Channels Teil einer langen Reihe von bemerkenswerten Momenten in der hiesigen Historie rund um Micky, Donald, Schneewittchen, Jack Sparrow und Co. Deutschland ist seit einiger Zeit einer der wichtigsten Märkte des weltweit größten Unterhaltungskonzerns – eine kompletter Abriss der deutschen Disney-Geschichte würde daher jeglichen Rahmen sprengen. Trotzdem möchten wir unseren Lesern an dieser Stelle zumindest eine exemplarische Auswahl an wichtigen Momenten präsentieren:

Micky Maus: Disneys Neuetablierung durch ein Comic-Phänomen


Walt Disney interessierte sich schon sehr früh in seiner Karriere für eine internationale Auswertung seiner Figuren – und so schloss er zahlreiche Verträge mit internationalen Verleihern, um Disney-Cartoons auch außerhalb der USA zeigen zu können. Besonderen Erfolg feierten sie unter anderem in Frankreich, wo Cartoons nicht bloß als Vorfilme ausgewertet wurden, sondern gebündelt und in abendfüllender Länge auch als Hauptprogramm dienten. Disneys Cartoons gelangten in den Dreißigern zudem nach Deutschland, selbst wenn die NSDAP nach ihrer Machtergreifung diese Filme offiziell missbilligte. Die deutschen Filmfirmen Bavaria und UFA versuchten dennoch über Umwege, an die Vertriebsrechte des Disney-Animationsfilms «Schneewittchen und die sieben Zwerge» zu gelangen, weshalb 1938 sogar eine deutschsprachige Synchronfassung entstand. In Deutschland kam es jedoch erst 1950 zur Uraufführung dieser Version, die 16 Jahre später anlässlich einer Wiederaufführung des ersten Disney-Langfilms durch eine neue Synchronfassung ersetzt wurde.

Um nach dem Krieg in der Bundesrepublik Deutschland allmählich wieder Fuß zu fassen, versuchte Disney 1951 die Redaktion für ein Comicmagazin aufzubauen. In der Redaktion des Magazins „Das Beste aus Reader's Digest“ wurde der nach Deutschland entsandte Konzernvertreter fündig: Sowohl Verlagskaufmann Adolf Kabatek als auch Übersetzerin Erika Fuchs hatten trotz anfänglicher Skepsis ein offenes Ohr für diese Idee und sagten zu. Die in Dänemark beheimatete Egmont Harald Petersen Stiftung, die in Nordeuropa seit 1949 Disney-Comics publizierte, gründete daraufhin in Stuttgart eine Tochtergesellschaft namens Ehapa Verlag, warb Kabatek und Fuchs ab und brachte im September 1951 pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres die erste Ausgabe des Micky-Maus-Hefts heraus. Als erste vollständig in Farbe gedruckte Zeitschrift der noch jungen Republik verbreitete sich das Magazin wie ein Lauffeuer – und bringt seither Generationen von Kindern in Kontakt mit den klassischen Disney-Figuren.

Seinen Namen verdankt das erst seit 1993 auch im Titel als „Magazin“ bezeichnete Heft noch der Popularität, die Micky Maus vor dem Krieg in Deutschland genoss und so den Eltern der ursprünglichen Kinder-Zielgruppe gewissermaßen eine positive Assoziation bescherte. In vielen anderen europäischen Ländern war der Namenspate ähnlicher Disney-Hefte dagegen schon damals Donald Duck, der 1934 erfunden wurde und kurz darauf in den USA sowie später auch in Europa auf der Kinoleinwand Micky in Sachen Popularität überholte. Darüber hinaus etablierte er sich in der Welt der Comics ab 1942 dank der Geschichten des Zeichners und Autors Carl Barks als die lesenswerteste Disney-Figur, was sich in den internationalen Magazin-Titeln sowie der Menge an Donald-Geschichten in europäischen Heften widerspiegelte.

Auch in Deutschland wurde Donald nach Start des Micky-Heftes allmählich der größere Star, weshalb er mit dem „Donald Duck Sonderheft“ 1965 eine eigene Heft-Reihe erhielt, die ein etwas älteres Publikum anvisiert. Zwei Jahre später kam zudem das „Lustige Taschenbuch“ auf den Markt, welches sich eingangs abwechselnd auf Duck- und auf Maus-Comics konzentrierte. In späteren Jahren wurde diese strikte Trennung aufgehoben, wobei seither in jedem Band aufgrund der größeren Beliebtheit der Enten der Anteil der Micky-Comics dem der Duck-Geschichten unterliegt.

Während das „Micky Maus Magazin“ im Jahr 2004 zu den größten Gewinnern des Printmarkts gehörte und eine Auflagenzahl von nahezu einer halben Million Exemplaren hatte, befinden sich diese Zahlen seither im Sinkflug. Im dritten Quartal 2013 waren es nur noch knapp mehr als 135.000 Stück. Das sich gleichermaßen Kindern wie Erwachsenen öffnende „Lustige Taschenbuch“ liegt derweil seit einigen Jahren über der Auflagenstärke des „Micky Maus Magazins“ und bringt daher seit einiger Zeit munter immer mehr Nebenreihen auf den Markt. Vom jährlichen Weihnachtsband über Spezialbände, die sich bestimmten Themen widmen, hin zu Premium-Ausgaben für erwachsene Leser, die komplexere Geschichten beinhalten, etwa über Donalds Superhelden-Alter-Ego Phantomias.

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