Popcorn und Rollenwechsel: Boyle & Musicals

Danny Boyle will einen Original-Musicalfilm erschaffen. Eine schwierige Aufgabe ...

Mit Regisseur Steven Soderbergh verließ ein filmisches Chamäleon die Bühne der Filmschaffenden, um sich der Malerei zu widmen. Soderbergh schuf Filme nahezu jeden Genres und mit variierender kommerzieller Tauglichkeit. Doch Filmfreunde finden im weiterhin aktiven Danny Boyle einen ähnlich gelagerten Regisseur. Boyle drehte bereits so unterschiedliche Filme wie das Teenie-Drogendrama «Trainspotting», den Horrorfilm «28 Days Later», den Sci-Fi-Thriller «Sunshine» und das Feel-Good-Drama «Slumdog Millionär» – und ginge es nach ihm, so wäre schon längst ein Musical auf dieser Liste zu finden.

Im Gespräch mit KCRW erklärt Boyle, dass die Musicalform das Genre ist, das für ihn die größte Herausforderung darstellt und dem er sich liebend gern annehmen würde. Und auch wenn Boyle zwischenzeitlich im Gespräch war, bei einem «My Fair Lady»-Remake Regie zu führen, so betont der Brite, dass er unbedingt ein Original auf die Leinwand bringen möchte: „Ja, ich möchte absolut ein Original erschaffen, kein Musical, das auf einer Bühnenshow basiert, sondern das mit seiner Musik fürs Kino geschaffen wurde.“

Damit sehnt sich Boyle nach einer absoluten Rarität in der Welt des Musicals. Bereits Bühnenmusicals sind hauptsächlich Adaptionen von bereits existierendem Material. Von «Das Phantom der Oper» bis «Cats» – aufgrund hoher Kosten und der schweren Aufgabe, eine funktionierende Geschichte zu schaffen und für diese dann noch gelungene Lieder zu schreiben, verlassen sich Musicalschaffende zumeist auf die Zugkraft und künstlerische Orientierungshilfe eines bereits veröffentlichten Werkes. Bühnenausnahmen gibt es dennoch einige, seien es «Starlight Express», «Grease» oder «Avenue Q». In der Welt des Films dagegen gibt es nur sehr wenige Ausnahmen – und die meisten davon handeln kurioserweise von Sängern und Musicaldarstellern. Ob «Top Hat», «Singin' in the Rain» oder «High School Musical»: Filmemacher, die Musicals schaffen, begründen den Gesang in ihren Filmen gerne damit, dass es ja Sänger und Tänzer sind, die hier plötzlich singen und tanzen.

Ob Danny Boyle mit seinem noch zu erschaffenden Musical in eine ähnliche Kerbe schlagen wird? Nun, er sagt zumindest, dass sein Musicalvehikel auf jeden Fall eines braucht: Es soll nicht befremdlich wirken, dass gesungen wird, man soll es einfach akzeptieren. Denn leider haben einige Kinogänger das Problem, den Gesang nicht einfach als Stilmittel zu akzeptieren, so dass sie über die vermeintliche Unlogik der Musicaleinlagen herziehen.

Wenn es nicht Sänger sind, so sind es Kinder, die in Original-Musicalfilmen die Hauptrollen haben. Neben dem bereits genannten «High School Musical» wäre «Newsies» zu nennen, ein Film über streikende Zeitungsjungen. Und auch Boyle bedauert, nicht seinen „Kinderfilm“ «Millionen» zu einem Musical gemacht zu haben. „Wir hatten damals noch nicht das Selbstbewusstsein, das durchzuziehen“, bereut Boyle den Verzicht auf das musikalische Element.

Vielleicht findet Boyle nach seinem Thriller «Trance» endlich das ideale Material ...

15.04.2013 08:00 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/63192

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