Die Kritiker

«Polizeiruf 110: Raubvögel»

von

Story


Auf einem stillgelegten Industriegelände in Halle wird ein Mann tot aufgefunden. Den Spuren nach wurde er erschlagen. Der Fundort scheint allerdings nicht der Tatort zu sein. Die Identität des Toten ist schnell geklärt. Es handelt sich um André Wanka. Er wohnte zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Falknerin Jenny Münzer, auf einem alten Bauernhof. Wanka war als Pilot und Fluglehrer beschäftigt. In der Nacht seiner Ermordung hatte er angeblich den Auftrag für einen Transportflug. Doch Wanka ist in dieser Nacht nicht gestartet. Wer war der angebliche Auftraggeber und welche Fracht sollte Wanka fliegen?

Bei der Auswertung der Spuren entdeckt Rosamunde Weigand THC an der Kleidung des Toten. Doch Wanka hat selbst nie Drogen genommen. War er in den Handel mit Drogen verstrickt? Außerdem befindet sich an den Schuhen des Opfers Erde, die Spuren von Sprengstoff enthält. Ein Hinweis auf den möglichen Tatort? Wankas Wohnort liegt am Rande des Brekels, eines Naturschutzgebietes und früherer Truppenübungsplatz, von dem er bei seinem letzten Flug viele Fotos gemacht. Die Luftbilder zeigen jedoch nichts als Wald. Warum hat Wanka diese Fotos gemacht und gibt es einen Zusammenhang zwischen seiner Ermordung und dem, was Wanka offensichtlich beim Überflug des Brekels gesucht hat?

Schließlich taucht Maria, die Exfrau des Opfers, im Präsidium auf. Angeblich wollte Wanka seine Lebensgefährtin verlassen und wieder zu ihr zurückkommen. Ist enttäuschte Liebe oder Eifersucht das Motiv für den Mord? Schmücke entscheidet kurzerhand, seine Ermittlungen vom Büro auf den Hof der Münzers zu verlegen. Unter falschem Namen und als Urlauber getarnt quartiert er sich bei den Münzers ein. Inmitten unberührter Natur und blühender Frühlingslandschaften klären Schmücke, Schneider und Nora Lindner diesen Fall.

Darsteller
Jaecki Schwarz («Ein starkes Team») als Hauptkommissar Herbert Schmücke
Wolfgang Winkler («Immer wieder Sonntag») als Hauptkommissar Herbert Schneider
Isabell Gerschke («Leo – Ein fast perfekter Tag») als Oberkommissarin Nora Lindner
Henny Reents («KDD – Kriminaldauerdienst») als Jenny Münzer
Matthias Ziesing («Unter den Linden») als Dominik Münzer
Esther Zimmering («Morgen räum' ich auf») als Maria Wanka
Kai Scheve («Freundschaft mit Herz») als Knut Köhler

Kritik
Die Absetzung ist bereits beschlossene Sache. Im Sommer soll die letzte «Polizeiruf 110»-Folge mit dem Ermittlerteam aus Schmücke, Schneider und Lindner produziert werden, die das Erste den Planungen zu Folge in rund einem Jahr ausstrahlen will. Hauptdarsteller Jaecki Schwarz zeigte sich ob der Einstellung der Reihe wenig überrascht und vermutet einen Zusammenhang mit der von Intendantin Karola Wille angestrebten Verjüngung des MDR. Die Sendeanstalt konterte und versprach Schwarz und seinem Kollegen Wolfgang Winkler, dass die beiden auch in Zukunft MDR-Gesichter bleiben sollen, wenn auch in anderen Rollen.

Unter qualitativen Gesichtspunkten betrachtet kommt die Absetzung (aus welchen Gründen auch immer sie erfolgen mag) jedenfalls nicht zu früh. Denn wie man es dreht und wendet, wird aus der neuen Folge „Raubvögel“ ersichtlich, dass die Geschichten um Schmücke und Schneider wohl auserzählt sind. Andreas Pflügers Drehbuch erzählt behäbig, langweilig und uninteressant, belässt es durchgehend bei Belanglosigkeiten. Hier wird das übliche Ermittlungs-ABC abgeklappert, das erst im letzten Drittel ein wenig Fahrt aufnimmt, in dem Dialoge ohne jeden Subtext auskommen und der Krimi mit seinen vielen potentiellen Tätern und den vielen verschiedenen sich daraus ergebenden Handlungssträngen auch zu überfrachtet wird, um auf der zweiten Ebene noch irgendetwas Relevantes zu transportieren.

Dass man zwar vieles, aber eben ausnahmslos Triviales erzählt, bringt noch eine weitere Konsequenz mit sich. Denn es fehlt die Zeit (und bei den Episodenfiguren größtenteils auch die Kompetenz), um die einzelnen Nebenrollen individuell, geschweige denn vielschichtig zu gestalten. Die Figuren sind schwammig entworfen, noch schwammiger als bei den meisten anderen deutschen Fernsehkrimis. Die Handlungsmotive bleiben an der Oberfläche, der Sprachduktus beim üblichen Gefühls-Larifari, ohne jemals auch nur ansatzweise in die Tiefe vorzudringen. Da kann man es den Schauspielern allenfalls bedingt anlasten, wenn das Resultat auf dem Fernsehbildschirm platt und unausgegoren aussieht. Doch bei genauerem Hinsehen bemerkt man hier doch ein Gefälle, an dessen oberen Ende sich Wolfgang Winkler und Isabell Gerschke absetzen können (Jaecki Schwarzs Arbeit läuft außer Konkurrenz, ist seine Rolle doch wesentlich besser und präziser entworfen als die seiner Kollegen). Am unteren Ende pendelt sich Esther Zimmering ein, bei der jede Geste und jeder noch so banale Satz unglaublich theatralisch ausfallen. Für dieses «Polizeiruf 110»-Team ist die Zeit für den Ruhestand wahrlich gekommen.

Das Erste strahlt «Polizeiruf 110: Raubvögel» am Sonntag, den 18. März 2012, um 20.15 Uhr aus.

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