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Fernsehfriedhof

Der Fernsehfriedhof: Zaungäste erwünscht

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 182: Die Einführung des Videotextes, von der kein Zuschauer ausgeschlossen werden sollte.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir einer wahren TV-Innovation und ihrer etwas unbeholfenen Verbreitungsmethode.

«Videotext für alle» wurde im Oktober 1982 sowohl im Ersten Deutschen Fernsehen als auch im ZDF geboren und entstand rund zwei Jahre nach dem die technische Neuerung des Teletextes in Deutschland eingeführt wurde. Dies war ein zusätzliches, interaktives Angebot, durch welches die Zuschauer parallel zum traditionellen Programm mithilfe ihrer Fernbedienung Bildtafeln auswählen konnten, auf denen aktuelle Nachrichten oder Programmhinweise zu lesen waren. Vorgestellt wurde der Dienst bereits auf der Internationalen Funkausstellung im Jahr 1977, bevor er ab 1. Juni 1980 deutschlandweit über die Frequenzen der öffentlich-rechtlichen Hauptsender zu empfangen war. Weil der eigentliche Name „Teletext“ in Deutschland schon geschützt war, wurde das Angebot in „Videotext“ umbenannt.

Seine Inhalte wurden dabei über die sogenannte Austastlücke übertragen. Dahinter verbarg sich der Zeitraum, den der Elektronenstrahl in der Bildröhre eines analogen Fernsehgeräts benötigte, um wieder an seinen Ausgangspunkt zurückzukehren. In dieser Zeit wurde das Bild dunkel geschaltet, was jedoch so schnell ablief, dass es für das menschliche Auge unsichtbar blieb. In jener Lücke, die eben nicht für das eigentliche Fernsehbild genutzt werden konnte, ließen sich weitere Informationen wie z.B. VPS-Signale (ab 1985) oder der Teletext verbreiten. Da die Leerstelle jedoch sehr „klein“ war, konnten nur geringe Mengen an Daten übertragen werden, sodass pro Tafel insgesamt 25 sichtbare Zeilen mit je 40 Zeichen zur Verfügung standen. Zwei davon waren allein für Kopf- und Fußzeile reserviert. Dadurch wirkte der Text stets optisch wenig ansprechend und wurde schon bei seiner Einführung als rückständig eingestuft.

Bedingung für den Empfang war das Vorhandensein eines teletexttauglichen Fernsehgerätes, deren Verbreitung zu jener Zeit noch nicht sehr hoch war. Daher zeigten die beiden Sendeanstalten ab 1982 regelmäßig eine Auswahl der wichtigsten Teletext-Tafeln im laufenden, traditionellen Fernsehprogramm. Anders als beim eigentlichen Dienst hatten die Zuschauer dabei jedoch keinen Einfluss darauf, welche Tafeln gezeigt wurden, denn sie liefen in einer festgelegten Reihenfolge ab und sollten einen Überblick über das Angebot liefern.

Das erfolgte stets außerhalb der eigentlichen Sendezeiten, also in den Anfangsjahren am Ende des gemeinsamen Vormittagsprogramms von ARD und ZDF ab 13.15 Uhr für etwa eine Viertelstunde und dann noch einmal vor Beginn des jeweiligen Nachmittagsprogramms um 15.40 Uhr für rund 20 Minuten. Auf diese Weise kamen nicht nur alle Zuschauer in den Genuss der technischen Innovation, sondern die Sender konnten auch ihrer Informationspflicht außerhalb der Sendezeiten nachkommen und das Publikum auf einfache Weise mit aktuellen Nachrichten versorgen

Am 18. Juli 1987 zog dann der WDR als erster Regionalsender mit einer eigenen Version der Reihe nach und präsentierte in «WDR-Videotext für alle» eine Auswahl seines Angebots, das wiederum seit Januar 1983 in Betrieb war. Nach zehn Jahren endete im Jahr 1990 der Testbetrieb des Videotextes von ARD und ZDF und ging endlich in den Regelbetrieb über. Deswegen wurde nicht nur der Umfang des Angebots auf rund 400 Seiten, sondern auch seine Aktualität erhöht. Die Redaktion befüllte nun von 05.00 Uhr früh bis 03.00 Uhr nachts die Tafeln. Zudem wanderte das Format «Videotext für alle» ins Nachtprogramm und verkürzte auf diese Weise die Nachtlücke zwischen Sendeschluss und Frühprogramm.

Als ab 01. September 1995 das Erste sein Programm auf einen 24-Stunden-Betrieb ausweitete und die Nachtlücke von 03.00 Uhr bis 05.45 Uhr fortan mit Wiederholungen bestückte, verschwanden auch die Teletext-Tafeln aus dem regulären Programm. Beim ZDF blieb das Angebot unter dem Titel «Text aktuell» noch etwas länger auf Sendung, tauchte dann aber irgendwann auch nicht mehr in den Sendeabläufen auf.

«Videotext für alle» wurde in seiner letzten Variante im Jahr 1997 beerdigt und erreichte ein Alter von rund 15 Jahren. Das Angebot des Teletexts gibt es trotz aller anfänglichen Vorbehalte noch immer. Im Jahr 1988 zog Sat.1 als erster Privatanbieter nach, bevor in den Jahren 1992 und 1994 auch RTL und ProSieben folgten. Seit der Jahrtausendwende bieten ARD und ZDF keinen gemeinsamen Text mehr, sondern jeweils eine eigene Variante an. Das beschriebene technische Verfahren zur Übertragung der Bildtafeln wird übrigens beim analogen Fernsehen noch immer angewandt.

Möge die Reihe in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann einer der spektakulärsten Werbeaktionen des deutschen Fernsehens.

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