Die Kritiker

«Das Wunder von Kärnten»

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Der junge Wiener Kardiologe und Ultra-Marathonläufer Dr. Markus Höchstmann, dessen erster Job ihn 1998 ausgerechnet ans LKH Klagenfurt in Kärnten geführt hat, hat keinen leichten Stand. Seine in Wien gebliebene Frau und seinen kleinen Sohn sieht er nur am Wochenende, die älteren Kollegen halten ihn wegen seines Pendelns in die Großstadt für arrogant.

Doch an diesem Wochenende ist er zum Hierbleiben verdonnert, weil sein Chef bei einer Konferenz in den USA ist und er statt seiner den Kärntner Abgeordneten Plögauer operieren muss. Ausgerechnet heute, am vierten Geburtstag seines Sohnes. Nicht zum ersten Mal fragt sich Höchstmann, was er hier eigentlich verloren hat. Er ahnt noch nicht, dass er ausgerechnet an diesem Tag vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt werden wird.

Vor allem die spöttischen Kommentare des Kinderarztes Dr. Thomas Wenninger darüber, dass ausgerechnet dem ungeliebten Wiener die stellvertretende Leitung der Chirurgie aufgetragen wurde, führen zu ersten Spannungen, die auch Anästhesistin Lydia Martischek, Wenningers Ex-Freundin, registriert.
Bis der Notruf kommt.

Ein Rettungshubschrauber bringt ein dreijähriges Mädchen leblos und kalt in die Klinik. Kein Puls. Keine Atmung. Nichts. Körpertemperatur 18,4°C. Ein hoffnungsloser Fall, wie Wenninger befindet - die Kleine lag fast 30 Minuten unter Wasser. Eine vergleichbare Rettung ist noch nie gelungen. Nur ein Wunder kann jetzt noch helfen, das Leben der kleinen Katharina zu retten. Und wer glaubt heute schon noch an Wunder?

Mit dem Mut der Verzweiflung und der zähen Ausdauer eines Marathonläufers versucht Dr. Höchstmann, das schier Unmögliche möglich zu machen. 15 Stunden lang kämpft er in dieser Nacht um das Leben seiner Patientin, zuerst gegen den Widerstand vor allem Wenningers, schließlich aber mit dessen und Lydias Unterstützung. Diese Stunden im OP machen nicht nur aus ihm einen Menschen, der in seinem Beruf endlich seine Berufung findet. Sie machen auch ein Team aus den vormaligen Gegnern.

Darsteller
Ken Duken («Laconia») als Dr. Markus Höchstmann
Julia Koschitz («Doctor's Diary») als Dr. Lydia Martischek
Juergen Maurer («Das Glück dieser Erde») als Dr. Thomas Wenninger
Sara Wogatai als Katharina Breitner
Gerti Drassl («Madonnen») als Karin Breitner
Gerhard Liebmann («Lourdes») als Georg Breitner
Hilde Dalik («Die Lottosieger») als Judith

Kritik


«Das Wunder von Kärnten» will nicht nur einen medizinischen Ausnahmefall dokumentieren, in dem gegen jede Wahrscheinlichkeit ein vierjähriges Mädchen doch noch gerettet werden konnte. Der Film will ebenso zeigen, welches Drama sich für die Eltern im Wartesaal des Krankenhauses in den langen Stunden zwischen Hoffen, Bangen und Verzweifeln abspielt. Und wie ein Arzt verbissen darum kämpft, weitermachen zu dürfen.

Solche Geschichten hat man schon oft gesehen. Vorzugsweise natürlich im ZDF, mit jeder Menge Melodramatik aufbereitet. Selten fiel das Resultat aber so stark aus, wie es hier der Fall ist. Das hat mehrere Gründe: einerseits sicherlich, dass man bis auf wenige Ausnahmen darauf verzichtet hat, effekthascherisch mit plumpen Stilmitteln zu emotionalisieren, wie es bei solchen Stoffen leider oft der Fall ist. Man geht sparsam mit den Slow-Motions um (wenn es natürlich auch die bessere Entscheidung gewesen wäre, ganz auf sie zu verzichten), lässt Dialoge fast schon naturalistisch ihren Gang nehmen, ohne den Charakteren Sprüche aus dem Poesiealbum in den Mund zu legen. Dadurch kann man sich mit den Figuren deutlich besser identifizieren, als wenn alles auf Kitsch und Rührseeligkeit aus wäre.

Der Film betont, auf wahren Ereignissen zu beruhen, einzelne Charaktere, Namen und Handlungsschritte aber frei erfunden zu haben. Das merkt man, schließlich laufen am Schluss die Fäden natürlich erwartungsgemäß auf eine sehr optimistische Weise zusammen. Das kleine Mädchen wacht auf – womit nicht einmal der optimistische Markus Höchstmann (der Name ist Programm) gerechnet hätte.

Zum positiven Gesamtbild trägt natürlich auch das starke Schauspielerensemble seinen Teil bei. Vor allem Gerti Drassl und Gerhard Liebmann spielen die Eltern des verunglückten Mädchens trocken, nüchtern, entsetzt und somit nahegehend. Auch Jürgen Maurer als der skeptische Kinderarzt kann vollständig überzeugen.

Nur Ken Duken wirkt in der Hauptrolle wie eine Fehlbesetzung, spielt er häufig doch zu aufgesetzt und manchmal allzu berechnet.
«Das Wunder von Kärnten» (Regie: Andreas Prochaska; Drehbuch: Christoph Silber und Thorsten Wettcke) liefert eine gelungene und neue Betrachtungsweise auf ein mittlerweile stark abgearbeitetes Modell, geht aber trotzdem nicht das Risiko ein, sich gänzlich von den etablierten Konventionen des Genres zu entfernen. Dennoch: eine starke Bearbeitung eines sehr schweren Themas.

Das ZDF zeigt «Das Wunder von Kärnten» am Montag, 5. März 2012, ab 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/55313
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