Pro & Contra

Soll Gottschalk zur ARD wechseln?

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Soll Thomas Gottschalk beim ZDF bleiben und dort einige Primetime-Shows sowie einen wöchentlichen Talk moderieren oder zur ARD wechseln und dort ein tägliches Vorabend-Format gestalten? Zwei Quotenmeter.de-Redakteure diskutieren.

Pro von Jan Schlüter


Wenn wir aus den zahlreichen Wechselspielen großer TV-Gesichter der vergangenen Jahre gelernt haben, dann das Eine: Alle hatten eine relativ komfortable Situation bei ihrem ehemaligen Sender und waren dort erfolgreich – doch sie alle wechselten, weil sie die nächste große Herausforderung suchten. Johannes B. Kerner, Jörg Pilawa, Günther Jauch, Harald Schmidt und andere verließen nicht ihre Senderheimat, weil sie dort keine Zukunft mehr sahen oder besonders schlechte Einschaltquoten erzielten, sondern weil sie nach Jahren des Erfolgs wieder das Risiko suchten.

Im Falle von Kerner und Pilawa ist dies mehr oder weniger geglückt, im Falle von Jauch und Schmidt muss der kommende Erfolg abgewartet werden. Aber richtig erfolgreich ist bisher noch keiner der Senderwechsel verlaufen – im Falle von Oliver Pocher ja geradezu katastrophal. Aber gerade dies ist ja genau die Herausforderung, die all die Stars angestrebt hatten: Ein direkter Quotenerfolg beim neuen Sender wäre ja schließlich langweilig gewesen. Und genau wegen des Risikos, der letzten Herausforderung in der TV-Karriere, denkt auch Thomas Gottschalk nun über ein attraktives Angebot der ARD nach.

Und je schwieriger die zu meisternde Aufgabe ist, desto interessanter dürfte sich die Offerte der ARD darstellen. In Gottschalks Fall besteht diese wohl darin, den täglichen ARD-Vorabend mit einer eigenen Personality-Sendung aufzupolieren. Dieses Terrain wäre für den Show-Altmeister völlig neu, ist aber deswegen besonders reizvoll. Mit einem solchen Angebot kann das ZDF nicht dienen; hier würde Gottschalk weiterhin einige Primetime-Shows pro Jahr und eventuell einen wöchentlichen Spätabend-Talk moderieren – in diesem Genre kennt er sich bekanntermaßen spätestens seit «Gottschalk Late Night» allzu gut aus.

Schwierig wäre es allemal für den Moderator, am Vorabend im Ersten zu punkten. Der Erfolg einer solchen Show würde auch maßgeblich von den bald startenden Krimiserien abhängen, die dann bis 19.25 Uhr ausgestrahlt werden. Nach fast 25 Jahren «Wetten, dass..?», einer Show, die bekanntermaßen nicht allzu viel gestalterischen Spielraum lässt, will Gottschalk vielleicht zum Ende seiner Karriere alle künstlerischen Freiheiten haben, die ihm dieses Vorabend-Format bietet. Es eröffnet mehr Risiken, aber deshalb gleichzeitig auch mehr Chancen, seine letzten Jahre im TV-Geschäft einfach anders zu gestalten als in den Jahrzehnten zuvor. Zudem bietet Das Erste deutlich mehr Primetime-Sendeplätze für Shows als das ZDF, bei denen der Showmaster ebenfalls viel Freiraum für neue Formatideen hätte. Die Entscheidung zur selbsternannten „Bonusrunde“ der Gottschalk’schen TV-Karriere ist klar: Entweder eine wilde Achterbahnfahrt im Ersten oder ein paar Runden im ZDF-Kettenkarussell.

Contra von Manuel Weis


Sicherlich, ein Angebot von der ARD ist für einen Medienmacher immer reizvoll: Es ist ein Job beim Ersten Deutschen Fernsehen. Wie Thomas Gottschalk aber schon gesagt hat: Das Risiko ist eindeutig vorhanden. Wohin Monika Piel ihn am Vorabend auch immer stecken möchte (kolportiert wurde in der vergangenen Woche 19.25 Uhr), die Gefahr sich die Finger zu verbrennen, ist enorm groß.

Natürlich: Noch hat es kein Kaliber wie Gottschalk im ARD-Vorabend versucht, doch auch der Hype um Bruce Darnell war zum Zeitpunkt seines ARD-Gastspiels nicht gerade gering. Was passiert denn, wenn Gottschalks neue tägliche Show im Vorabend des Ersten floppt? Dann hat es nämlich jeder schon vorher gewusst: Die miesen Quoten wären nur ein weiteres Beispiel dafür, dass der Showmaster-Dino Gottschalk seinen Zenit überschritten hat.

Und in der Primetime? Da ist Das Erste mit Opdenhövel, Cantz, Elstner und Pflaume schon zahlreich und (zumeist) auch gut aufgestellt. Sicherlich würde sich auch noch für Gottschalk ein Platz finden lassen und wahrscheinlich wäre er dann der neue Showgott der ARD, aber er wäre eben nicht der einzige, der für hohe Quoten am Samstagabend sorgen würde.

Gottschalk selbst muss entscheiden, ob er dieses enorme Wagnis auf sich nehmen möchte. Auch ein Umzug – raus aus den USA und wieder zurück nach Deutschland - wäre mit diesem Schritt verbunden. Das kann auch schön sein, denn frischer Wind tut manchmal gut. Im ZDF hätte Gottschalk zwar nicht die große Herausforderung (und eine solche kann gerade in seinem Alter noch einmal durchaus reizvoll sein), dafür aber einige Spielplätze: «Ein Herz für Kinder», den Jahresrückblick – all das könnte er ohne großes Risiko machen.

Da würde dann wohl selbst ein Quotenflop der ihm angebotenen wöchentlichen Show (als Sendezeit soll 22.15 Uhr im Raum stehen) nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Gottschalk täte – auch um seinen Ruf als Quotenking nicht zu ramponieren – gut daran, nicht das Abenteuer in der Ferne zu suchen, sondern seinem Heimatsender treu zu bleiben.

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