Sonntagsfragen

Sonntagsfragen an Mike Krüger

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Mike, eines der Gesichter der langjährigen RTL-Show «7 Tage, 7 Köpfe» ist ab 27. August 2007 in der neuen Comedy-Reihe «Krügers Woche» bei ProSieben zu sehen. Mit Quotenmeter.de sprach er nicht nur über sein neues Format, sondern auch über Comedy im Fernsehen allgemein. Außerdem: Wie ist sein Verhältnis zu RTL und warum ging er wirklich?

Herr Krüger, ab Ende August 2007 sind Sie bei ProSieben mit der neuen Sendung «Krügers Woche» zu sehen. Für alle, die jetzt zum ersten Mal davon hören: Um was geht es darin?
Wir machen etwas ganz Neues. Wir erzählen die Entstehung einer Talk-Show in Form der Redaktionssitzung und des Geschehens vor einer Show. Wir steigen meist an dem Punkt aus unserer Sendung aus, wenn das Format «Krügers Woche» on Air geht. Ich spiele mich darin weites gehend selbst. In dem Format habe ich seit über zehn Jahren eine Late Night-Show und deswegen auch schon leichte Abnutzungserscheinungen.

Ich bin letztlich der doch schon gealterte Entertainer, der mitunter von seiner Redaktion und von den Autoren auf die Schippe genommen wird. Mike Krüger weiß in dieser Rolle aber auch, dass er auf das Leben als Showmaster gar nicht mehr so viel Lust hat. Viel lieber würde er auf einer Finca leben und den Tag genießen. Weil die Show aber noch so erfolgreich läuft, macht er halt weiter.

Dementsprechend respektlos geht er auch mit seinen Kollegen oder der naiven Unterhaltungschefin des Senders um. Sie sehen: Man braucht da ein gewisses Augenzwinkern, wenn wir das umsetzen.

Muss man sich das jetzt so ähnlich wie bei «Pastewka» vorstellen?
Nicht direkt. Wir produzieren beispielsweise vor richtigem Publikum und wöchentlich aktuell. Ich kann also Woche für Woche auf spannende Ereignisse eingehen. Das macht für mich den Reiz und den Unterschied zu vielen anderen Comedy-Produktionen aus. Diese Woche wäre es sicher die Tour de France gewesen.

Auch von Stargästen ist die Rede. Wen dürfen wir denn da erwarten?
Es ist ja so, dass ich einige Freunde in dieser Branche habe. Deswegen hoffe ich, dass mich da einige einmal besuchen werden. Sie müssen aber wissen, dass es bei uns mitunter durchaus böse zur Sache gehen kann. Also denke ich, dass diese schon auch eher aus dem Bereich Comedy kommen werden. Aber sie können gerne auch einen Bezug zum tagesaktuellen Geschehen haben. In diesen Tagen würde ich mir zum Beispiel wünschen, dass ein schnaufender Radsportler am Tropf hängend in die Redaktion gelaufen kommt. Das wäre so mein Humor.

Nur zum Verständnis: Es gibt aber Drehbücher…
Jaja, natürlich. Wir machen keine Impro-Comedy. Wobei man auch sagen muss, dass wir uns nicht 1:1 an die Vorgaben in den Büchern halten. Also wenn da zwei oder drei Sätze abweichen, dann ist das kein Problem.

Comedy-Formate haben es aber schwer zur Zeit. Selbst ehemalige Hits wie die «Schillerstraße» oder «Genial daneben» sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Wie beurteilen Sie die Lage der einst so erfolgreichen Comedy-Formate?
Ich glaube, es ist ganz natürlich, dass sich Produktionen wie «Genial Daneben» und «Schillerstraße» mit der Zeit schwer tun. Beides sind großartige TV-Formate und in beiden bin ich ja auch mehr oder weniger regelmäßig mit dabei. In der «Schillerstraße» bin ich zum Beispiel zusammen mit Oliver Welke einer der beiden Polizisten. Wenn man der «Schillerstraße» nun etwas Ruhe gönnt, bin ich auch guter Dinge, dass die Quoten wieder ansteigen werden. Außerdem muss man ja auch festhalten, dass beide über die Maßen erfolgreich waren und beide etwas komplett Neues in der deutschen Fernsehlandschaft darstellten. Da hat es auch Mut gebraucht diese ins Programm zu heben. Und es hat wunderbar funktioniert.

Wieso funktioniert Ihre Reihe?
Ich hoffe, dass sie funktioniert. Denn ich denke die wöchentliche Aktualität, die es in «Krügers Woche» erstmals gibt, ist ein Faktor , der den Zuschauern ungemein gefallen könnte. Das Konzept stammt von mir selbst und ich habe wirklich ein Jahr gewartet, bis ich es einem Sender angeboten habe. ProSieben war der richtige Partner in diesem Fall. Die machen das einfach, weil sie sich selbst schlapp gelacht haben, als sie den Piloten gesehen haben. Ich weiß, dass die Jungs auch oftmals einen längeren Atem haben und Formaten Zeit geben. Und das ist ja auch das Tolle an ProSieben.

Wollen diese nicht vordergründig lachen?
Natürlich, aber eben auch über die Dinge, die gerade in der Öffentlichkeit aktuell sind. Bei anderen Produktionen geht das doch gar nicht. Da werden teilweise drei Folgen an einem Tag produziert – alles andere lohne sich nicht, heißt es oftmals. «Krügers Woche» wird wöchentlich neu gedreht, somit sind wir viel frischer als viele andere Produktionen.

Also sehen Sie Comedy-Formate nicht vor dem Aus?
Nein, Comedy gab es schon immer und Comedy wird es auch noch lange geben. Aber Sie kennen das Geschäft ja: Wenn es mal gut läuft, dann hat jeder Sender fünf Produktionen dieses Genres. Da gibt es dann neben einem Comedy-Freitag auch noch einen Comedy-Montag und so weiter. Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem einige Formate bereits verschwunden sind. In diesem Zuge musste ja auch «7 Tage, 7 Köpfe» nach sehr langer Laufzeit Abschied nehmen. Nun haben neue Produktionen wieder Chancen überhaupt ihr Publikum zu finden.

Wieso haben Sie dieses Format ProSieben angeboten?
ProSieben ist derzeit der mutigste Fernsehsender Deutschlands – und das meine ich ganz ehrlich. Ich habe mich wahnsinnig gefreut als ich gehört habe, dass man «Dr. Psycho» in eine zweite Staffel schickt. Dieser lange Atem imponiert mir ungemein. Auch die Samstag-Abend-Shows von Stefan Raab sind einzigartig in Deutschland. Das was ProSieben im Unterhaltungsbereich anbietet, ist einfach Qualitätsfernsehen höchster Klasse.

Sie waren ja lange Zeit bei «7 Tage, 7 Köpfe» zu sehen. Dann haben Sie bei RTL «Krüger sieht alles» moderiert. Der Abschied war weniger herzlich – Sie seien zu alt war zu lesen. Wie ist Ihr Verhältnis zu den Kölnern heute?
Wer mich kennt, der weiß, dass ich nur äußerst selten Streit habe. Ich bin in der glücklichen Position durch mein sehr schönes Privatleben und durch die Tatsache, dass ich gesund bin, eine ungeheure Energie und Ausgeglichenheit zu schöpfen. Mich kann so schnell also nichts aus der Ruhe bringen.

Aber natürlich ist es so, dass es am Ende der Zusammenarbeit mit RTL ein paar Meinungsverschiedenheiten gab. Das war aber nichts Schlimmes – ich habe heute keinen Streit mit den Verantwortlichen. Eigentlich habe ich nicht mehr viel mit ihnen zu tun und deswegen kann ich die Frage, nach meinem Verhältnis zu RTL nur schwer beantworten.

Also sind Sie nicht wegen Ihres Alters gegangen. Warum dann? «Krüger sieht alles» war doch erfolgreich.
Ja, erfolgreich und aufwändig. Wir haben da mit sehr viel Liebe ins Detail gearbeitet. Alle Clips wurden sehr exakt bearbeitet und vertont. RTL kam schon bald zu mir und hat mich gefragt, ob wir nicht einfach eine Strecke einbauen könnten, in der Homevideo-Clips, die aus den USA gekauft sind, laufen. So sechs Minuten hat man sich vorgestellt. Das hat aber meinem Geschmack nicht entsprochen. Eine reine Clipshow mit Homevideos wollte ich aber nicht machen – auf keinen Fall. Die Sendung hieß ja «Krüger sieht alles» und nicht «RTL sieht alles».

Ich wollte lieber weiterhin richtige Fernsehspots zeigen. Es war dann auch schwierig die Rechte für verschiedene Produktionen zu bekommen. Budweiser zum Beispiel gibt diese überhaupt nicht raus, bei vielen anderen Werbespots sind sie nur für zwei Jahre zu bekommen. RTL wollte sie für fünf Jahre haben. Das waren alles mehr oder weniger kleine Probleme. Und so mussten wir einfach irgendwann erkennen, dass wir verschiedene Ansichten hatten. Das Ergebnis: Bei RTL ist jetzt die Homevideo-Show «Upps» zu sehen.

Ihr Weg hat Sie dann zuerst zu kabel eins geführt – wo Sie einen Ihrer ganz wenigen Flops gelandet haben. Wie sind Sie damit umgegangen?
(lacht) Da bin ich in der Tat in die Comedy-Falle geraten. Bei dieser Sendung mit der versteckten Kamera gab es mehrere Probleme. Zum einen habe ich mit der Zeit festgestellt, dass mir es überhaupt keinen Spaß macht, Menschen auf diese Art und Weise reinzulegen. Deswegen war ich auch überhaupt nicht böse, als die Produktion dann vorzeitig abgebrochen wurde.

Außerdem mussten wir am Rosenmontag starten. Rudi Carrell hätte da zu mir gesagt: Auf gar keinen Fall darfst du am Rosenmontag starten. Das habe ich kabel eins auch so gesagt, aber da wollte man an diesem Termin festhalten. Das Ergebnis kennen Sie vermutlich am Besten. In den Folgewochen hatten wir ein sehr starkes Gegenprogramm, «Die Flucht» zum Beispiel. Und dann habe ich auch mitbekommen, dass es bei Sat.1 seit zwei Jahren eine exakt ähnliche Sendung zu sehen gibt. Die habe ich wegen einer Obst-Allergie allerdings nie angeschaut. Pflaumen sind nicht gut für mich. Ein Gutes hat es aber, dass meine kabel eins-Sendung so wenige Zuschauer hatte: Kaum jemand weiß überhaupt von diesem Flop (lacht).

Zum Abschluss stellen wir auch Ihnen kurze und knappe Sonntagsfragen: Über welchem Komiker lachen Sie denn gerne?
Was das Fernsehen betrifft: Ich liebe «Dr. Psycho» - und das sage ich jetzt wirklich nicht, weil es bei ProSieben läuft. Was Bühnenshows angeht, da bin ich großer Fan von Willy Astor. Er ist Weltmeister in Sachen Wortwitz und immer wieder ein Muss. Aber auch Karl Dall ist fantastisch – er hat eine unglaubliche Komik, allein wenn er nur den Raum betritt.

Und welche TV-Formate oder Genres mögen Sie überhaupt nicht?
Prinzipiell die Nachmittagsformate. Also Gerichts-Shows, Talk-Shows und so weiter. Ich kann es aber auch nicht haben, wenn dicke Frauen Häuser renovieren, diese dann aber in der Regel noch schlimmer aussehen als zuvor - mit dem Unterschied, dass die Möbel neu sind.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute.

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