Die Kino-Kritiker

«Little Women»: Ein Literaturklassiker, neu arrangiert

von

Ein US-Literaturklassiker gelangt einmal mehr ins Kino: Saoirse Ronan und Florence Pugh spielen in «Little Women» einfach stark.

Filmfacts «Little Women»

  • Regie: Greta Gerwig
  • Produktion: Amy Pascal, Denise Di Novi, Robin Swicord
  • Drehbuch: Greta Gerwig; basierend auf dem Roman von Louisa May Alcott
  • Cast: Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen, Laura Dern, Timothée Chalamet, Meryl Streep, Tracy Letts, Bob Odenkirk, James Norton, Louis Garrel, Chris Cooper
  • Musik: Alexandre Desplat
  • Kamera: Yorick Le Saux
  • Schnitt: Nick Houy
  • Laufzeit: 135 Minuten
  • FSK: ohne Altersbeschränkung
Nach ihrem semi-autobiografischen Regiedebüt «Lady Bird» reicht «Frances Ha»-Hauptdarstellerin Greta Gerwig eine weitere Coming-of-Age-Geschichte nach. Ihre zweite Regiearbeit «Little Women» tauscht jedoch das Jahr 2002 gegen die Jahre 1861 bis 1868 und eine Originalidee von Gerwig gegen einen Klassiker der US-Literatur. Louisa May Alcotts «Little Women» gilt als eine der Pflichtlektüren im englischsprachigen Sektor des Bildungsromans und ist einer der frühesten US-amerikanischen Bestseller, der aus der Feder einer Autorin stammt. Als derart großer Klassiker wurde «Little Women» bereits mehrmals adaptiert, darunter als Stummfilm im Jahr 1918, als Schwarz-Weiß-Film mit Katharine Hepburn und Joan Bennett, 1994 mit Winona Ryder und Kirsten Dunst (in Deutschland unter dem Titel «Betty und ihre Schwestern») sowie als japanische Trickserie.

Die Geschichte eröffnet während des US-Sezessionskrieges, jedoch an der Heimatfront: Die March-Schwestern Jo (hier gespielt von Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) bangen darum, dass ihr Vater wohlbehalten aus dem Krieg zurückkehrt und befinden sich im Prozess, sich von Mädchen zu jungen Frauen zu entwickeln.

Das bedeutet für sie als Mitglieder einer nicht gerade vor Wohlstand platzenden, sehr wohl aber gut behüteten Familie (Familie March ist wortwörtlich der Mittelstand zwischen bettelarmen und extrem wohlhabenden Nachbarn), sich Gedanken um ihre finanzielle Zukunft zu machen – und als Frauen im 19. Jahrhundert bedeutet das auch: Politisches Taktieren in Liebesdingen. Aber auch Eifersüchteleien (etwa rund um den bildhübschen Laurie, gespielt von Timothée Chalamet), gesundheitliche Rückschläge und künstlerische Ambitionen begleiten die March-Schwestern auf ihrem Weg zum Erwachsensein.




Anders als bisherige Adaptionen und Alcotts Vorlage ist Greta Gerwigs «Little Women» nicht chronologisch erzählt: Die Regisseurin und Autorin arrangiert den Romanklassiker neu, und verlegt dabei den Fokus stärker auf die schriftstellerisch ambitionierte Jo March. Als Autorin, die von mehreren Männern nicht den gebührenden Respekt erhält, und hofft, eine eigene Stimme zu erschaffen, hat sie Parallelen zu Alcott, die in Gerwigs Adaption stärker unterstrichen werden, sei es durch neu kreierte Szenen oder dadurch, wie Szenen aus der Vorlage durch die neue Anordnung gewichtet werden. Ronan spielt Jo als kluge und zielstrebige, aber auch verspielte Natur und ist eine sehr ansprechende, facettenreiche Hauptfigur, der jedoch Florence Pugh als launenhafte, zumeist etwas hibbelig-begeisterungsfähige Amy mehrmals die Schau stiehlt.

Die Beiden stützen mit ihrem ausdrucksstarken Spiel den Großteil des Films, während Emma Watson und Eliza Scanlen etwas blass bleiben – da in Gerwigs Adaption jedoch eh Jo und Amy der Dreh- und Angelpunkt der meisten Szenen darstellen, stört dies kaum. Laura Dern als liebevolle, warmherzige March-Mutter, Chris Cooper als zurückhaltender, aber gutmütiger Nachbar Mr. Laurence und Tracy Letts als trockenhumoriger Verleger Mr. Dashwood ergänzen den Film in kleinen, aber prägenden Nebenrollen, genauso wie Meryl Streep als strenge, doppelzüngige Tante der March-Schwestern.

Gerwig lässt diesen tollen Cast in einer liebevoll detaillierten Ausstattung agieren und in Kostümen, die Bände über die Figuren sprechen – was auch nötig ist, da sie und die Wärme der Farbästhetik als Orientierung dafür dienen, wo wir uns in der Erzählung befinden. Gerwig überkreuzt nämlich Handlungsstränge aus den frühen und späten Jugendjahren der March-Schwestern, um so Parallelen und Differenzen zu verdeutlichen.

Das verstärkt die emotionale Gewalt sich partiell wiederholender Augenblicke in Jos Leben, vor allem aber führt diese non-chronologische Erzählweise zu einem genial konstruierten Ende, in dem Gerwig die adaptierte Geschichte und ihre Produktionsgeschichte verwischt, ihrer Protagonistin subtil zu neuer Stärke verhilft und sich vor Alcott verneigt.

Fazit: Greta Gerwig ist mit «Little Women» eine ebenso schöne wie kluge Adaption eines US-Literaturklassikers gelungen, die vor allem mit Saoirse Ronan und Florence Pugh in starken Performances besticht.

«Little Women» ist ab dem 30. Januar 2020 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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