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«Alien»: Alles zum Franchise, der Vorgeschichte und den Spin-Offs

Als 1979 der Science-Fiction-Horrorfilm «Alien» die weltweiten Kinosäle eroberte, brachte er gleich zwei spannende Neuerungen mit sich.

Zum ersten Mal spielte eine Frau die heldenhafte Hauptrolle in einem Streifen dieses Genres – und die Optik war für jene Zeit absolut beeindruckend! Der Schweizer Künstler HR Giger erhielt sogar einen Oskar für seine lebensnahen und doch extrem surrealistischen Aliens, die so manchen Zuschauer bis in die Träume verfolgt haben dürften. Fortsetzungen und Spin-Offs waren geradezu vorprogrammiert.

Das große Film-Lexikon zählt den ersten Alien-Streifen "zu den Höhepunkten des Science-Fiction-Kinos". Carl Plantinga meinte gar "eine der heftigsten affektiven Erfahrungen in meinem gesamten Kinoleben" zu durchleben. Die Schockeffekte waren grandios, die Angst durchtränkte förmlich die Zuschauerreihen. Schon allein die Atmosphäre an Bord des Schiffes Nostromo, eines gewerblichen Erzfrachters, kontrastiert mit den üblichen Weltraumabenteuern: Die Mannschaft besteht nicht aus Kämpfern und genialen Wissenschaftlern, sondern aus einem Haufen demoralisierter Techniker. Das Innere des Raumschiffes präsentiert sich alles andere als blitzblank, eher kommt der Gedanke an eine Müllhalde auf. Die Besatzung kann sich kaum gegen das grausame Monster verteidigen, das an Bord gelangt, (Achtung, Spoiler!) allein Ellen Ripley alias Sigourney Weaver entkommt dem Ungeheuer und katapultiert es hinaus ins Weltall (Spoiler Ende). Damit war zwar dieser Film zu Ende, doch aufgrund des großen Erfolgs kam es unweigerlich zu Fortsetzungen, die deutlich zeigten: Die fremde Macht aus dem Weltall lässt sich nicht so leicht aus dem Rennen werfen!

Für Sigourney Weaver, die auch in den nachfolgenden drei Alien-Produktionen die Hauptrolle spielte, bedeutete dieses Engagement den Durchbruch als Hollywood-Star. Es folgten «Aliens – die Rückkehr» im Jahr 1986, «Alien 3» im Jahr 1992 und «Alien – die Wiedergeburt» im Jahr 1997. Dominierten im allerersten Film von 1979 noch die psychologischen Effekte, verschob sich die Choreographie 1986 in Richtung Action. Deutlich wurde spürbar, dass der Regisseur gewechselt hatte, Ridley Scott reichte den Staffelstab an James Cameron weiter. Cameron betätigte sich in diesem Fall zugleich als Drehbuchautor und schuf ein eigenständiges filmisches Meisterwerk, das zwar vom Ruhm des Vorgängers profitierte, jedoch auch ohne diesen Background sicher einige Siegeslorbeeren geerntet hätte. Ganz im Gegensatz zu den Filmflops, die zwischen 1980 und 1982 den Versuch unternahmen, den Alien-Hype für sich selbst zu nutzen: ½Astaron – Brut des Schreckens» scheiterte ebenso wie «Samen des Bösen» und «Mutant - Das Grauen im All». An dieser Stelle zeigt sich deutlich, dass Weltraumhorror nicht gleich Weltraumhorror ist; das Publikum bemerkt ohne Frage den Unterschied zwischen billigem Splatter und ausgefeilter Wertarbeit. Sogar eine komödiantische Parodie befand sich unter den Nachahmern, doch die «Trottel im Weltall» kamen überhaupt nicht gut an: Eine billige Szenerie und jede Menge geschmackloser Gags genügten schon in den 80er Jahren nicht, um die Hitliste der Kinocharts zu stürmen.



Mit «Aliens – die Rückkehr» war allerdings der richtige Pfad eingeschlagen, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Das Lexikon des internationalen Films drückt es folgendermaßen aus: "Auf äußerste Spannung und fulminante Action-Szenen aufbauender Science-Fiction-Film; die ‚monströsen‘ Geschehnisse werden durch die intelligente Verknüpfung mit nachvollziehbaren Empfindungen erträglich.“ Wahrscheinlich kam es Cameron als Regisseur zugute, dass er ein großer Fan des ersten Alien-Films war und so mit Leidenschaft an das Projekt herangehen konnte. Als Dank erhielt er 1987 gleich sieben Oscar-Nominierungen, zwei der goldenen Trophäen wurden dann tatsächlich am Tag der Preisverleihung überreicht.

Trotzdem nahm beim dritten Anlauf schon wieder ein neuer Mann auf dem Regiestuhl Platz: David Fincher zeichnete sich für «Alien 3» verantwortlich. Und erneut wandelten sich die Atmosphäre, der Aufbau und damit das Genre, denn diesmal entstand eher ein echter Science-Fiction-Thriller, wo sich vorher zuerst Horror und dann Action austoben durften. Eine ungewöhnliche Entwicklung für eine Film-Serie, denn in Normalfall bleibt die äußere Erzählform von Folge zu Folge gleich. «Alien 3» hält sich vor allem durch die schauspielerische Leistung von Sigourney Weaver am Leben, sie verkörpert eine starke weibliche Heldin, die immer wieder vom selben Alptraum heimgesucht wird. So stellt das Lexikon des internationalen Films ganz folgerichtig fest: "…fesselnd durch die Hauptdarstellerin, die die quälend-schicksalhafte Verbindung mit einem Monster eindrucksvoll vermittelt. In düsteren Kulissen stellt der Film die Frage nach den Überlebenschancen des Menschen." Der ganz große Erfolg blieb für diesen Streifen aus, was jedoch den vierten Versuch, die Kinocharts zu stürmen, nicht vereitelte.



Bis «Alien – die Wiedergeburt» schlussendlich über die Leinwand flackerte, vergingen jedoch noch einmal fünf reale Jahre – und ganze 200 Filmjahre für Ellen Ripley, die nach ihrem Tod wiedererweckt wird, inklusive des Grauens, das ihr folgt. Neues Spiel, neues Glück, neuer Regisseur: Diesmal ging das Filmprojekt an Jean-Pierre Jeunet, der sein Werk mit Elementen der Dystopie und der Groteske schmückte. Die Fans wünschten sich zwar, dass die Aliens sich endlich auf der Erde austoben durften, doch eine solche Inszenierung überschritt das eng geschnittene Budget. So spielt auch der vierte Teil im Weltraum, Ripleys Gene wurden geklont, Sigourney Weaver durfte sich also endlich einen neuen Charakter im alten Gewand zulegen. Obwohl Drehbuchautor Joss Whedon laut eigener Äußerung mit der Umsetzung seiner Vorlage nicht wirklich zufrieden war, reagierten die Kritiker teilweise euphorisch und verglichen diesen Teil qualitativ mit dem Klassiker aus 1979. Doch es gab auch negative Stimmen, die diese Fortsetzung für überflüssig hielten: Es gilt also, sich als Zuschauer einfach ein eigenes Bild zu machen!



Selbst im fortschreitenden 21. Jahrhundert macht «Alien» noch von sich reden, der Regisseur des Ursprungswerkes, Ridley Scott, tritt wieder ins Rampenlicht - mit einer Flut von Merchandising-Produkten im Rücken. Sogar in der digitalen Unterhaltungswelt finden wir passendes zum «Alien»-Franchise, denn wenn in diesen modernen Zeiten ein Hype auftritt, dann macht er sich allerorts bemerkbar. Scotts Science-Fiction-Streifen Prometheus – Dunkle Zeichen setzte bereits 2012 den Auftakt für ein Alien-Revival der anderen Art, ohne Sigourney Weaver und mit einer erschreckend hintertückischen Spezies bösartiger Außerirdischer. Und gerade jetzt im Augenblick hält die deutsche Science-Fiction-Fangemeinde den Atem an, weil Alien: Covenant Einzug in unsere Kinos hält. Noch einmal ein echter Ridley Scott, mit einer Handlung, die zehn Jahre nach «Prometheus» spielt. Der Android David steht im Mittelpunkt des Geschehens, er empfindet sich als eine Art Gottheit auf dem Planeten, wo eine Dekade zuvor sein Raumschiff «Prometheus» strandete. Gespielt wird der menschenähnliche Roboter von Michael Fassbender, ihm gegenüber steht natürlich wieder ein weiblicher Hauptcharakter, die Terraforming-Fachfrau Daniels, gespielt von Katherine Waterstone.

Das derzeitige Einspielergebnis liegt bei über 40 Millionen Dollar, die Produktionskosten überschritten allerdings die 100-Millionenmarke. Doch die direkte Number-1-Platzierung in Australien, Großbritannien und Südkorea verheißt Gutes für die Zukunft, wahrscheinlich wird dieser Film sich für die Produktionsfirma mehr als amortisieren. Die Kritiker zeigen sich überwiegend erfreut bis begeistert, sowohl von den Darstellern als auch von der spannungsvollen Inszenierung. Der Android "David" als prägnanter Stolperstein des Films tritt als eine ambivalente Figur auf, deren zukünftiges Handeln kaum voraussehbar ist: Insgesamt scheint hier also ein würdiger «Alien»-Nachfolger ins Spiel gekommen zu sein, der sich am besten genießen lässt, wenn die Vorinformationen stimmen: Also bitte zuerst «Prometheus» schauen – oder gleich die gesamte «Aliens»-Reihe, um die dicht erzählte Story mit all ihren Rückbezügen bis ins Innerste auszukosten!



Im «Alien»-Franchise treffen sich Action und Metaphysik, Horror und Science-Fiction – sie vermischen sich zu einem spannenden Cocktail, der zwar teilweise ein paar Schwächen aufweist, doch die Zuschauer bereits seit Jahrzehnten in seinen Bann schlägt. Auch das Ende von «Alien: Covenant╗ wird nicht wirklich der Weisheit letzter Schluss sein, Ridley Scott hat bereits neue Fortsetzungsideen in der Schublade, vielleicht sogar wieder mit Sigourney Weaver. Alles hängt von den Einspielergebnissen ab, im besten Fall beginnen die Dreharbeiten zu «Alien: Awakening» schon im Sommer 2018.

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