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ARD/ZDF in Rio: Zum Abschied nochmal aus dem Vollen schöpfen

von   |  3 Kommentare

Die womöglich letzten öffentlich-rechtlich begleiteten Olympischen Spiele stehen bevor. Unter dem Motto ‚Samba rund um die Uhr‘ wollen ARD und ZDF kritisch und vielfältig aus Rio berichten.

Olympia-Fahrplan 2016

  • 4. August, 20.15 Uhr: Olympia-Countdown und Dokumentation «Der brasilianische Patient - Olympialand in der Krise» im ZDF, ab 22 Uhr Olympia-Live-Fußball Deutschland gegen Mexiko
  • 5. August: Eröffnungsfeier im Ersten
  • 6. August: 7er-Rugby feiert Olympia-Premiere
  • 11. August: Golf wird nach über 100 Jahren wieder olympisch
  • 21. August: Schlussfeier im ZDF
Mit leichten Seitenhieben und direkten Attacken haben ARD und ZDF am Dienstagnachmittag in Hamburg wahrlich nicht gespart: Im Rahmen einer Pressekonferenz haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten die Karten offen gelegt, wie sie von den Olympischen Spielen in Rio berichten werden – den letzten olympischen Wettbewerben, für die sie die Rechte haben. Von 2018 bis 2024 liegen die Sendelizenzen erstmal bei Discovery Networks und somit bei Eurosport. Dem entsprechend oft betonten die Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender während ihrer Präsentation, dass es in Rio „noch einmal das volle Programm“ geben wird.

So mahnt Volker Herres, der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens: „Großes Sportereignisse sind mehr als nur Sport.“ Für ihn zählen sie als kulturelle Events zum „Kit der Gesellschaft. Doch das gelingt ihnen nur, wenn sie auf Plattformen stattfinden, die jeden erreichen.“ Auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey schwenkt die gebührenfinanzierte Fahne: „Die Olympischen Spiele wie auch die Paralympics aus Rio bedeuten für uns in diesem Jahr buchstäblich 'Samba rund um die Uhr'.“ Er führt fort: „Wir werden zeigen, was es heißt, wenn diese Großereignisse in den öffentlich-rechtlichen Sendern zu sehen sind: hintergründige, journalistische Berichterstattung, vielfältige Perspektiven und ein Live-Erlebnis zum Mitfiebern.“

Die Betonung, dass Olympia zu ARD und ZDF gehöre, zog sich wie ein roter Faden durch die mehr als eine Stunde andauernde Pressekonferenz. Frey etwa unterstrich im weiteren Verlauf noch, dass in Rio möglicherweise zum letzten Mal „eine nationale Perspektive“ gewährleistet sei, statt die für ihn möglich scheinende Bedrohung eines weltweit gleichgeschalteten Bildes. Daher wollen sich ARD und ZDF dieses Jahr noch intensiver um Berichte rund um deutsche Athletinnen und Athleten kümmern, bei der ARD wird dank der Radiosender zudem eine noch stärkere Regionalisierung auf einzelne Sendegebiete versprochen.

Während die ARD-Funkwellen tagsüber sehr spezifisch berichten werden, gibt es von 19 Uhr vorabends bis 5 Uhr morgens jedoch die ARD-Olympianacht, in der die Radiosender gemeinschaftlich über die Live-Wettbewerbe berichten. Im Fernsehen findet die sogenannte „lange Strecke“ mit Liveberichten nahezu nonstop bei ARD und ZDF derweil immer „vom «Mittagsmagazin»  bis zum «Morgenmagazin»“, also von 13 Uhr bis 5 Uhr statt. Highlightsendungen mit den Zusammenfassungen der wichtigsten Wettkämpfe folgen unterdessen von 9 bis 12 Uhr. Es ist somit die umfangreichste Olympia-Berichterstattung aller Zeiten.

Wir bleiben auch in Rio unserer Programmphilosophie treu und werden besonders das Auftreten der deutschen Athleten im Fokus haben. Dabei ist unser Maßstab: journalistisch begründet flexibel und schnell von Wettbewerb zu Wettbewerb zu schalten.
ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz
Im ZDF ist für diese Best-ofs als Moderator Sven Voss zuständig, im Ersten agieren Michael Antwerpen und Jessy Wellmer im Doppel, wobei Wellmer verspricht, dabei „spielerisch zu werden, ohne dabei blöd zu sein.“ Beide Sender haben zudem Rubriken angekündigt, die innerhalb ihrer Olympia-Sportberichterstattung Akzente setzen sollen. Während im Ersten unter anderem kleine Wettbewerbe mit Anwohnern und Sportfans vor Ort anstehen, möchte das ZDF (das sich den bisherigen Sky-Fachmann Jonas Reckermann als Experten dazu holt) in die Vergangenheit zurückblicken. Die langen Live-Strecken werden im Ersten von Alexander Bommes und Gerhard Delling moderiert, eine ganze Latte von Kommentatoren begleitet die Live-Bilder der verschiedenen Sportarten. Im ZDF stehen Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne als Präsentatoren vor der Kamera. Die Olympia-Eröffnungsfeier ist am 5. August 2016 im Ersten zu sehen, die Schlussfeier am 21. August 2016 im ZDF.

Ein großer Schwerpunkt beider Sender wird es aber, im Fahrwasser der rund 280 Live-Fernsehstunden auch über die politische Lage in Brasilien zu sprechen. Sowohl die Wirtschaftsprobleme als auch Korruptionsskandale und der verheerende Lehrerstreik stehen laut ARD und ZDF fest auf dem Programmplan, ebenso wie eine strenge, aber nicht verurteilende Doping-Berichterstattung. Was dies den Sendern kosten wird, wollte auf der Pressekonferenz niemand genau beziffern, allerdings seien die Kosten „gering höher“ als bei den Olympischen Spielen in London, was an der komplizierteren Infrastruktur in Brasilien liegen würde. Dafür sei nun aber auch mehr Personal vor Ort, zudem werden die Livestrecken umfangreicher denn je mit einer Audiodeskription versehen. Zudem wären über 1000 Stunden an Livestreams und 360°- sowie VR-Digitalinhalte vorgesehen sowie komplexe HbbTV-Angebote – und dies, obwohl nur 20 Prozent der SmartTV-Nutzer diese Schnittstelle zwischen Web und Fernsehen nutzen.

Ein wenig Hoffnung machen sich die Verantwortlichen dann doch, dass dies nicht der bombastische Schluss der öffentlich-rechtlichen Olympia-Ära wird. Knapp angebunden merkte Herres an, dass die Verhandlungen mit Discovery zum Thema Sublizensierung noch laufen.
Sollten die Olympischen Spiele in Rio die letzten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden, fände ich das ...
... extrem ärgerlich, immerhin zahle ich für sowas meine Gebühren!
63,8%
... klasse, denn meine Gelder sollten nicht in Sport fließen!
17,6%
... so spannend wie trocknende Farbe. Denn mir ist das Ganze völlig egal!
18,6%

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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
24.05.2016 17:29 Uhr 1
4 mal Olympia beu Eurosport!! Unfassbar!!
Teddy21075
25.05.2016 05:26 Uhr 2
Die Frage solle eher sein, ob überhaupt 2 Sender berichten müssen und vor allem bei allen Sachen vor Ort sein müssen.

Und die nächste Frage sollte sein, warum wir für die Dauerwerbesendungen auch noch noch Gebühren bezahlen müssen.

Hier sollte die nichtstuende Politik einmal eingreifen und der Werbelobby klar machen, daß man die Werbebereiche demnächst ausblendet, was technisch machbar ist, wenn man dadurch unsere Gebühren entlasten kann.

Mit ist klar, daß die Übertragungen der Veranstaltungen ein teurer Spaß ist, aber ich brauche keine Werbung von Cola & Co. im Hintergrund, denn billiger wird es dadurch auch nicht, weil diese Werbeeinnahmen weder dem Sport noch dem Land zu gute kommen, wie wir mittlerweile alle wissen.

Wenn Europa sich hier einmal einig wäre und die Werbung komplett ignoriert, wie schnell wird dann alles machbar sein.

Das gleiche gilt natürlich auch für die Fußball EM. Was spricht also dagegen, wenn die EM nicht durch die FiFa betreut wird, sondern von den Rundfunkanstalten, die nun mal auch die Stadien anmieten könnten und damit ohne Zahlung an Ex-Blatter & Co. auch den Gebührenzahler entlasten könnte.

Wobei man sich wirklich die Frage stellen sollte, ob die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht einen gemeinsamen Sportkanal gründen sollten, denn Kanäle haben sie nun mal genug. Und ich denke, daß ein Sportkanal höhere Einschaltquoten haben dürfte, als ein Theaterkanal.

Vor allem würden dann endlich auch einmal viele Randsportarten in den Genuß der Übertragung kommen und sie bekannter machen.
Säqirjënn
25.05.2016 11:15 Uhr 3
@ Teddy

1. Wenn sich zwei Programme bei der Berichterstattung abwechseln hat das den Vorteil, dass nicht auf einem für einen Monat alle regelmäßigen Sendungen ausfallen.

2. ARD und ZDF können nicht einfach mal so einen Sportsender gründen, das muss von allen 16 Ministerpräsidenten und Landtagen abgesegnet werden um das bundesweit aufzuziehen. (Und da manche Landesregierungen eher Richtung "wie kann man den Rundfunkbeitrag noch um ein paar Cent senken" aufgelegt sind, und die Privatsender lautstark protestieren würde, ist das eh unwahrscheinlich.) Abgesehen davon, dass ein Programm nach dem Vorbild von ORF Sport+ abseits von sportlichen Großereignissen wenig Zuspruch hätte (wobei man dazusagen muss, dass es ORF Sport+ verboten ist Premiumsport zu zeigen) Was man aber überlegen könnte ist, ob man so zeitintensive Sportsendungen wie Olympia nicht eher auf Spartensender wie Tagesschau24 oder zdf info auslagern sollte. Der weniger sportaffine Teil der Bevölkerung würde das zu würdigen wissen.

3. Zu den Lizienzkosten finde ich, dass man rechtlich garantieren sollte, dass von allen sportlichen Großereignissen die im deutschen Fernsehen übertragen werden sollen, die ö.r. Anstalten die Rechte für einen bestimmten Übertragungsumfang zu einem festgelegten Preis (bestehend aus den anteiligen Kosten für Technik und Organisation der Übertragung, für die infrastrukturellen Kosten direkt an das austragende Land und ein niedriger, festgelegter Betrag für die Sportler und Organisatoren des Events) erhalten müssen. Den restlichen Übertragungsumfang kann man von mir aus versteigern.

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