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Rick Goldmann: ‚Auf Geeks und Nerds hat der Zuschauer keine Lust‘

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Der Beiname Regel-Rick kommt nicht von Ungefähr. Rick Goldmann, einst Eishockeyspieler, jetzt TV-Experte, ist ein akribischer Arbeiter. Alles Wissen will er aber gar nicht vermitteln. Vor der anstehenden Eishockey-WM, die er für Sport1 begleitet, haben wir mit ihm über seinen Zweitberuf TV-Experte gesprochen.

Zur Person: Rick Goldmann

"Rick" Goldmann heißt eigentlich Erich und ist ein früherer Eishockeyspieler. Für Mannheim, Kaufbeuren, Essen, Ingolstadt, Iserlohn und München machte er insgesamt 500 Spiele in der höchsten Eishockey-Klasse. Mit 32 musste er seine Karriere 2008 verletzungsbedingt beenden. Er wechselte zum Fernsehen, wo er für Sport1 seit 2008 die Weltmeisterschaften (einst gemeinsam mit Marc Hindelang, heute mit Basti Schwele) kommentierte. Zwischen 2012 und 2016 war Goldmann auch Experte für den die DEL übertragenden Sender Servus TV.
Rick Goldmann, Sie haben das deutsche Eishockey in der DEL vier Jahre lang bei Servus TV begleitet – und waren zuvor auch schon immer nah an der Nationalmannschaft dran. Wie hat sich die Sportart in Ihren Augen entwickelt?
Ich sehe vieles positiv. Seitdem Liga und Verband wieder miteinander sprechen, geht es in die richtige Richtung. Das war ja lange nicht der Fall, da herrschte Stillstand, wenn man nicht sogar von einer Blockade sprechen muss. Das ist jetzt besser. Die DEL ist auch deutlich professioneller geworden. Das sage ich mit Blick auf Zuschauerrekorde in den Hallen, festgeschriebene hauptamtliche Nachwuchstrainer, einen dauernd besetzten Disziplinarausschuss…

Welchen Teil hat das Fernsehen und damit zuletzt Servus TV dazu beigetragen?
Über das Fernsehen kann man da generell eins sagen: Egal welcher Sender das war, die Jungs haben immer ihr ganzes Herzblut reingesteckt, egal ob bis 2012 bei Sky oder in den vergangenen vier Jahren bei Servus TV. Durch Servus TV war die DEL in Deutschland aber wieder frei empfangbar. Ich glaube, dass es für kleine Sportarten nicht gut ist, wenn sie sich im Pay-TV verstecken. Deutschland ist in diesem Punkt noch nicht so weit, als dass eine Masse sie dort entdeckt. Wenn man Eishockey dann in der Qualität überträgt, wie es Servus TV gemacht hat, dann bleiben die Leute über kurz und lang mal hängen. Neben der DEL darf man natürlich auch die umfangreichen Übertragungen der deutschen Nationalmannschaft auf Sport1 nicht vergessen. Alleine von der anstehenden WM in Russland sind 31 Live-Spiele im Free-TV zu sehen.

Aber die Quoten haben nicht gestimmt – weshalb die Rechte auch nicht verlängert wurden.

Die Eishockey WM bei Sport1

  • Vom 6. bis 22. Mai findet in diesem Jahr die 80. WM-Auflage in Moskau und St. Petersburg statt. Sport1 zeigt von der Vorrunde bis zum Finale insgesamt 31 Partien live im Free-TV, darunter alle Spiele mit deutscher Beteiligung. Vor Ort sind Moderator Sascha Bandermann, Kommentator Sebastian Schwele, Experte Rick Goldmann und Reporter Jonas Beck für den Sportsender im Einsatz. Schwele und Bandermann begleiten die deutschen Spiele am Mikrofon, außerdem sind Günter Zapf, Franz Büchner und Peter Kohl als WM-Kommentatoren mit dabei.
  • Bundestrainer Marco Sturm und Sport1-Experte Rick Goldmann haben übrigens eine gemeinsame Vergangenheit. Beide stammen aus dem niederbayerischen Dingolfing und starteten ihre Karrieren in der Jugend des EV Landshut. „Soweit ich es noch weiß, war die Mutter von Rick Schuld daran, dass wir damals als Dingolfinger den Weg nach Landshut gefunden haben." Auch die Fahrgemeinschaft hat der Bundestrainer noch in bester Erinnerung: „Wir haben täglich Stunden im Auto verbracht, aber es wurde uns nie langweilig. Wir wussten schon damals, dass Rick ein Entertainer wird.“
  • Die deutschen Vorrundengegner in der Übersicht: Sa., 7.5.: Frankreich (15 Uhr), So., 8.5.: Finnland (15 Uhr), Di., 10. Mai: Slowakei (15 Uhr), Do., 12.5.: Kanada (19 Uhr), Fr., 13.5.: Weißrussland (19 Uhr), So., 15.5.: USA (15 Uhr), Mo., 16.5.: Ungarn (19 Uhr).
Die Quotenanalyse überlasse ich den Experten (lacht). Hin und wieder bekomme ich solche Zahlen aber doch mit. Und da muss ich als Laie sagen, dass man nicht vergessen darf, wo der Sender Servus TV herkommt. Und entsprechend können sich die Werte über weite Strecken doch sehen lassen. Gerade im Play-Off-Viertelfinale waren da schon einige gute Ergebnisse dabei.

Das Projekt«Servus Hockey Night» ist zu Ende. Schade für Sie?
Natürlich ist es immer schade, ein solches Projekt wieder zu verlassen, das so auf Qualität ausgerichtet war. Ein Format, in dem man alle Möglichkeiten hatte, Eishockey so zu präsentieren, wie es sich die Fans schon lange gewünscht haben. Auf der anderen Seite weiß ich auch, dass das Geschäft nun einmal so ist. Es geht in dieser ganzen Sache auch gar nicht so sehr um mich. Ich habe zwei Physiotherapiepraxen in München, habe 20 Angestellte. Eishockey ist also nicht mein einziges Standbein. Es tut mir mehr um die Sportart leid, die so eine Sendung wie die «Servus Hockey Night» verdient hat und es geht mir um die Kollegen, deren Hauptberuf das Eishockey ist.

Werden wir mal sportlich. Im Eishockey soll demnächst wieder ein Abstieg aus der DEL und ein Aufstieg aus der DEL2 eingeführt werden. Sind Sie Befürworter?
Das gehört für mich definitiv dazu. Sportarten in Deutschland brauchen das, wie die Geschichte zeigt. Der Zuschauer versteht auch nicht, dass wirtschaftlich in der Tat Einiges dagegen spricht. Wir haben rein aus finanzieller Sicht jetzt schon eine Drei-Klassen-Gesellschaft in der DEL und die Vereine der DEL2 sind größtenteils dann noch einmal eine Kategorie darunter einzuordnen. Aber dem Fan ist das egal. Er sagt: Ich bin ja kein Funktionär, ich bin Fan und möchte die Spannung haben. Daher ist es ein richtiger Schritt.

Was macht denn einen guten Eishockey-Experten im Fernsehen aus?
Du musst sehr tief in der Materie drin sein, ohne dass es der Zuschauer merkt. Auf Geeks und Nerds hat der Zuschauer meistens keine Lust. Mein Anspruch ist es also, wirklich alles zu wissen, es aber nicht unbedingt zu erzählen. Denn auch das macht einen guten Experten aus: Man darf nicht nur mit Fakten um sich werfen, sondern muss die Zuschauer auch unterhalten. Sport ist nämlich in den Wohnzimmern zu Hause und immer auch ein Unterhaltungsprogramm.

Nun ist Eishockey ja aber nicht zwingend ein telegener Sport. Kleiner, schneller Puck, Spieler mit Helm… Wie versuchen Sie als Co-Kommentator und Experte das zu überwinden?
Das sind die Argumente, die man hervorbringt, wenn etwas nicht klappt. Hat ein Sport Erfolg, ist das ganz schnell vergessen. Wenn wir jetzt über die Nationalmannschaft reden, wo einige NHL-Profis in diesem Jahr mitspielen: Schafft es die Mannschaft ins Halbfinale und auf die Titelseite derBild, dann redet keiner mehr davon, dass der Puck klein, schnell und weit weg ist. Ich kenne übrigens noch eine Sportart, wo die Zuschauer oft sehr weit weg sind und alle Spieler einen Helm tragen. Nur laufen die mit einem Ei in der Hand herum. Die NFL ist hierzulande durchaus ein Erfolg geworden – und da kennen die Zuschauer nicht einmal alle Regeln. Sogar im Stadion wird der Schiedsrichter bei Entscheidungen auf laut gestellt, weil selbst da manche nicht durchblicken. Es kommt also immer darauf an, wer die Übertragungen wie und mit welchem Aufwand betreibt. Was also wird investiert? Und dann brauchst du in der entsprechenden Sportart natürlich auch den Erfolg.

Ab Herbst überträgt nun die Telekom alle Eishockeyspiele live. Ist das der Durchbruch für die Sportart?
Es ist ein großer Schritt für die Fans. Erstmals kann der Fan aus Schwenningen seine Mannschaft jetzt auch auswärts in Berlin sehen ohne zu hoffen und zu warten, dass ein Sender jetzt mal das Spiel als „Topspiel“ auswählt. Es wird dann von allen Spielen auch die Möglichkeit geben, kurze Best-Offs zu produzieren, was endlich eine ordentliche Zweitverwertung ermöglicht. Das ist grundsätzlich gut. Dass Eishockey durch diesen Schritt automatisch populärer wird, glaube ich aber nicht.
Ex-Spieler Rick Goldmann, heute TV-Experte, über den neuen DEL-Deal mit der Telekom
Es ist ein großer Schritt für die Fans. Erstmals kann der Fan aus Schwenningen seine Mannschaft jetzt auch auswärts in Berlin sehen ohne zu hoffen und zu warten, dass ein Sender jetzt mal das Spiel als „Topspiel“ auswählt. Es wird dann von allen Spielen auch die Möglichkeit geben, kurze Best-Offs zu produzieren, was endlich eine ordentliche Zweitverwertung ermöglicht. Das ist grundsätzlich gut. Dass Eishockey durch diesen Schritt automatisch populärer wird, glaube ich aber nicht. Dennoch: Ich begrüße diesen Deal. Und auf Sport1 wird es ja zukünftig auch regelmäßig DEL-Spiele im Free-TV zu sehen geben.

Im Mai arbeiten Sie jetzt für Sport1 und berichten von der WM in Russland. Ab Herbst zeigt Sport1 auch mindestens 40 DEL-Spiele. Sie könnten aber sicher auch das volle Paket mitnehmen und für die Telekom arbeiten. Wo geht es hin?
Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Ich habe ja schon erzählt, dass ich auch noch einen anderen Beruf habe, der viel Zeit in Anspruch nimmt. In den vergangenen vier Jahren war es so, dass ich im Zeitraum der Play-Offs bis zum Ende der WM Minimum 70 Stunden die Woche gearbeitet habe. Ich muss mir überlegen, ob das so weitergehen soll.

Bei der WM nun arbeiten Sie unter anderem mit Basti Schwele zusammen, mit dem Sie auch bei Servus TV kommentiert haben. Ein Vorteil?
In den vergangenen vier Jahren war es so, dass ich im Zeitraum der Play-Offs bis zum Ende der WM Minimum 70 Stunden die Woche gearbeitet habe. Ich muss mir überlegen, ob das so weitergehen soll.
Rick Goldmann über seine Zukunft als Fernsehexperte
Nicht nur mit Basti Schwele arbeite ich schon seit Jahren zusammen, auch mit Sport1-Moderator Sascha Bandermann. Er ist seit 2010 an Bord. Reporter Jonas Beck ist seit 2009 bei der WM für Sport1dabei. Er macht Filme und versorgt uns mit allen Infos, die wir brauchen. Was Basti angeht, stimmt es aber, dass es natürlich hilft, wenn man über viele Jahre hinweg so viele Spiele gemeinsam begleitet und sich einfach kennt – auch privat.

Zum Abschluss, Herr Goldmann: Wie weit schafft es die deutsche Mannschaft?
Ich sage es so: Wenn die deutsche Mannschaft in nächster Zeit etwas reißen will, dann muss sie es bei dieser WM. So einen guten Kader haben wir schon lange nicht mehr gehabt. Dass wir es unter die besten Acht schaffen, kann ich mir also schon vorstellen.

Danke für das Interview.

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