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Ein Reporter zwischen Terror und Korruption

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Die Terroranschläge in Paris, die Terrorgefahr in Deutschland und die DFB-Affäre. Das waren die bestimmenden Themen der vergangenen Wochen. Wir haben mit Sky-Reporter Marc Behrenbeck gesprochen, dem Fachmann in diesen Bereichen.

Zur Person: Marc Behrenbeck

Behrenbeck arbeitet seit Dezember 2011 für Sky Sport News HD. Dort ist er vor allem in der Region um Frankfurt im Einsatz, berichtet also von der Eintracht, von Hoffenheim und neuerdings auch von Bundesliga-Aufsteiger Darmstadt. Immer mehr wurde Behrenbeck auch Fachmann für Sportpolitik und verfolgt seit Jahren die Geschehnisse bei FIFA, UEFA und DFB.
Herr Behrenbeck, die DFB-Affäre rückt in diesen Tagen etwas in den Hintergrund. Sie haben in den vergangenen Wochen viel aus Frankfurt und Zürich, wo die FIFA sitzt, berichtet. Sind Sie entsprechend froh, nun etwas durchatmen zu können?
Froh kann man angesichts der aktuellen Sachlage nicht sein. Ich war am Dienstagabend auch in Hannover – zwar nicht im Stadion, aber vor der Arena und in der Stadt. Da war unendlich viel Polizei. Wenn man dann hört, dass das Spiel wegen einer Terror-Drohung abgesagt wurde, hat man schon ein mulmiges Gefühl. Entsprechend werde ich als Reporter von Sky Sport News HD auch in den kommenden Tagen nicht durchschnaufen können, denn die Vorkommnisse werfen natürlich neue Fragen auf. Zum Beispiel wie es nun in der Bundesliga weitergeht.

Bleiben wir dennoch kurz bei der DFB-Affäre. Da haben sich einige Journalisten schon sehr früh auf die eine oder die andere Seite geschlagen. War das ein Fehler?
Es ist ein schwieriges Thema. Natürlich wollten einige hier die ganz große Geschichte haben. Dafür hatten sie sicherlich auch ihre Quellen. Die Medien, von denen wir sprechen, stehen für hohes Niveau und ein großes Maß an Seriosität. Aber gerade dann, wenn noch nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen, lässt man sich schnell mal in eine Richtung lenken. Das hat man – wenn man die unterschiedlichen Medien genau beobachtet hat – deutlich gemerkt. Das geht mir übrigens auch manchmal so. Man spricht mit Quellen, die natürlich eine Position haben. In solchen Fällen versuche ich auch immer noch mit jemandem zu sprechen, der anders denkt. Anders als die schreibende Zunft, kann ich in meinen Live-Schalten aber nicht immer lange darüber nachdenken, was ich sage. Entsprechend schwer ist es, in diesen Schalten immer zu 100 Prozent ausgewogen und auf Fakten bedacht zu antworten. Ich hinterfrage mich an jedem dieser schweren Tage selbst, wie gut mir das gelungen ist. Und auch ich muss zugeben, dass ich manchmal nicht zu 100 Prozent richtig lag.

In diesem Zusammenhang: Hat Ihnen der Satz, Sky sei ein Beckerbauer-Sender, missfallen?
Diese Aussage des Kollegen fand ich unangemessen und den damit geäußerten Vorwurf haltlos. Natürlich darf man hinterfragen, wie wir mit Franz Beckenbauer umgehen. In meiner Wahrnehmung haben wir uns immer an die aktuelle Faktenlage gehalten und dementsprechend berichtet. Es gab und gibt übrigens keinerlei Vorgaben, wie ich dabei über einzelne Personen zu berichten habe.

Allgemein gefragt: Die Bundesliga ist inzwischen ein riesiges Produkt. Ein Produkt, das letztlich auch Sky verkauft. Müssen Sie aufpassen, dass der Skandal dieses Produkt nicht zu sehr beschädigt?
Sky vertraut mir und meiner Arbeit. Der Sender lenkt mich in keine Richtung. Es mag sein, dass es das anderswo gibt, das kann ich nicht beurteilen. Aber für uns bei Sky Sport News HD geht es darum, journalistisch sauber zu berichten. Selbstverständlich muss ich dann auch mal derjenige sein, der Funktionären unangenehme Fragen stellt.
Marc Behrenbeck
Das ist eine Frage, die mir viele Fans auch gestellt haben. Ich habe in diesem Jahr über den Skandal berichtet, der bei der FIFA begonnen hat, dann zur UEFA überging und inzwischen auch beim DFB angekommen ist. Und ich kann sagen: Ich hatte immer völlig freie Hand. Sky vertraut mir und meiner Arbeit. Der Sender lenkt mich in keine Richtung. Es mag sein, dass es das anderswo gibt, das kann ich nicht beurteilen. Aber für uns bei Sky Sport News HD geht es darum, journalistisch sauber zu berichten. Selbstverständlich muss ich dann auch mal derjenige sein, der Funktionären unangenehme Fragen stellt. Aber trotz allem halte ich das Produkt Bundesliga für eines der stärksten, das es im TV-Bereich gibt.

Wären die Enthüllungen ein paar Wochen später an die Öffentlichkeit gekommen, dann hätten sie vermutlich einen anderen Verlauf genommen. Der öffentliche Druck ist jetzt – nach dem 13. November in Paris – zumindest weg…
Natürlich ist der DFB-Skandal im Moment in den Hintergrund gerückt. Wenn es um Tote und Terror geht, dann wird Korruption zweitrangig.

Sie haben den Terror angesprochen. Am Wochenende wird wieder in der Bundesliga gespielt. Kommende Woche findet die Champions League statt. Haben Sie als Reporter in und an den Stadien Angst, dass etwas passiert?
Ich muss anmerken, dass ich nicht vor Ort in Paris war. Ich war am Dienstag in Hannover und habe vor dem kommenden Wochenende ehrlich gesagt keine Angst. Ich habe vielmehr großes Vertrauen in die Sicherheitskräfte. Und ich weiß, dass auch viele meiner Kollegen ein gutes Gefühl haben. Selbstverständlich war das am Dienstag, als das Länderspiel in Hannover abgesagt wurde, noch einmal eine andere Qualität. Der Terror erschien bisher ja immer weit weg. Ihn dann plötzlich in Hannover zu erleben, war sehr ungewohnt. Ich stand für die Live-Schalten in das Sky Sport News HD-Studio am Maschsee. In der Idylle, wo ich schon mehrere Male stand. Aber es war eben doch nicht alltäglich. Wenn ich daran denke, wie ich das Nationalteam erlebt habe: Die waren richtig konsterniert. So habe ich die Jungs nie auch nur ansatzweise erlebt.

Und mancher Funktionär ist der Meinung, dieser Abend würde den Fußball in Deutschland nachhaltig verändern.
Ich beschäftige mich seit einigen Jahren auch mit dem Thema der Sicherheit beim Fußball. Und natürlich werden jetzt wieder die Fragen gestellt, ob man nicht doch personalisierte Tickets für Fußballstadien einführen sollte oder Ganzkörper-Kontrollen an den Stadion-Eingängen erforderlich sind. Was die Sicherheit in Deutschland angeht, habe ich aber wirklich ein gutes Gefühl. Wir sind hier gut aufgestellt, weshalb ich hoffe, dass die Normalität wieder zurückkehren wird, auch wenn das ein bisschen Zeit braucht. Wie sehr sich der Fußball verändern wird, kann ich momentan noch nicht einschätzen. Ich bin mir aber sicher, dass in der Frage, ob die EM 2016 in Frankreich gespielt werden kann, noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Ich schließe nicht aus, dass ähnlich wie nach 9/11 ein „Jetzt-erst-Recht“-Gefühl aufkommt.

Vielen Dank für das Interview.

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