Meinungen

Die Schwächen von «Wetten dass..?»

von
Tag für Tag erreichen die Quotenmeter.de-Redaktion zahlreiche Leserbriefe. Marcel Kodura wandte sich an die Redaktion mit der Bitte seine Analyse der ZDF-Sendung «Wetten, dass..?» auch online zu veröffentlichen.

Während Thomas Gottschalk in einer seiner letzten Sendungen als Moderator von Europas erfolgreichster Unterhaltungsshow wieder zur Höchstform aufläuft, machen sich bei der Wettshow konzeptionelle Schwächen bemerkbar.


Am Samstag begrüßte Thomas Gottschalk seine Zuschauer zur 194. Ausgabe von «Wetten dass..?» in Augsburg – es war die drittletzte mit ihm als Moderator. Auf der Couch nahmen diesmal neben Til Schweiger und Filmpartnerin Jasmin Gerat, auch Markus Lanz, Herbert Grönemeyer und die französische Schauspielerin Catherine Deneuve Platz. Stargast des Abends war Justin Bieber.

Thomas Gottschalk schien am Samstagabend befreit. Er wirkte konzentrierter als in den Sendungen zuvor. Es schien, als ob der Druck von ihm abgefallen wäre, nachdem er die Entscheidung getroffen hatte, den Showklassiker Ende des Jahres zu verlassen. Verzichtete er am Anfang noch auf die sonst üblichen Stand Up-Comedy-Einlage, so gab er im weiteren Verlauf immer mehr lustige Gags zum besten, mitunter auch sehr böse und spitzzüngelige mit hohem Lachfaktor.

Doch die Schwächen beginnen schon bei der Co-Moderatorin. Noch immer hat Michelle Hunziker Abstimmungsschwierigkeiten mit Gottschalk. So kam es am Samstag vermehrt dazu, dass sie ihm in die Moderationen, besonders bei den Ankündigungen der Wettenkandidaten, platzte. Es wirkte amateurhaft und nicht abgestimmt, wenn die Schweizerin ihn auch nach etlichen Moderationen immer wieder unterbricht. Besonders auf der Wettbühne wird es oftmals ziemlich chaotisch und wuselig, wenn sie um den Kandidaten und Gottschalk herum schwirrt und für Unruhe sorgt.

Aber auch bei dem derzeitig verfolgen Konzept der Show machen sich deutliche Schwächen bemerkbar. So gab es in Augsburg mal wieder keine Stadtwette – mal macht man eine, mal nicht. Da blickt ja kein Zuschauer mehr durch. Hat man die nun abgeschafft oder nicht?

Bei den übrigen Wetten ist zwar schon zu merken, dass einem die größeren, actiongeladenen Wetten etwas fehlen. Dennoch boten auch die kleineren Wetten ein Unterhaltungspotenzial sowie einen Gemütlichkeitsfaktor. Das Problem bei den Wetten besteht aber nach wie vor bei den Wetteinlösungen der Prominenten. Gerade in dieser Ausgabe wurde dies wieder einmal mehr als deutlich. Udo Jürgens hätte im Falle des Falsch-Tippens Blumensträuße im Publikum verteilen müssen. Hatte das ZDF nicht einmal in einer Reform der letzten Jahre versprochen, härtere Wetteinsätze einzuführen, die den Stars wirklich „weh tun“ ? Wahrscheinlich ist dies schon wieder Schnee von gestern. Die Wetteinsätze wirkten jedenfalls lasch und schon fast lächerlich, oftmals noch wie eine Belohnung, wie etwa bei Jasmin Gerat, die in einer aufgeblasenen Plastikkugel Luftkegel umrennen „durfte“. Es machte ihr sichtlich Spaß. Wetteinsätze werden so ad absurdum geführt. Außerdem kam es auch in dieser Sendung wieder vor, dass die Moderatoren den Kandidaten bei ihren Wetten zu viel geholfen haben. Dabei geht es in der Show doch darum, dass die Kandidaten alleine beweisen sollen, dass sie besondere Fähigkeiten besitzen. Unter Vorsagen kann das jeder machen.

Das ZDF läuft damit Gefahr, das ursprüngliche Konzept der Sendung aus den Augen zu verlieren. Die ursprünglichen Grundideen der Show verschwimmen so immer mehr. Genauso wie zum Ende der Show, als Michelle Hunziker als Überraschung für Thommy einen französischen Maler eingeladen hatte, der mit Kleister und Glitzerstaub ein Portrait von Gottschalk anfertigen sollte. Aber wieso betitelte sie diese Aktion als „Wette“? Der Maler ist Profi und es ist keine besondere Gabe, wenn man seinen Beruf in der Show ausübt, auch wenn das Endergebnis natürlich beeindruckend aussah. Schließlich wettet man ja auch nicht, dass Thomas Gottschalk eine Sendung moderieren kann. Wieso wettet man dann in so einem Fall?

Musikalisch spielte man wieder einmal in der ersten Liga und bediente auch verstärkt wieder den Musikgeschmack jüngerer Menschen, nachdem dies in den letzten Ausgaben nicht so der Fall gewesen war. Bruno Mars und Herbert Grönemeyer performten neben Udo Jürgens ihre aktuellen Singles auf der Showbühne. Als besonderen Coup konnte man Teeniestar Justin Bieber präsentieren, der neben einem Medley auch als Wettpate auf der Couch Platz nahm.

Doch die Wahl der Wetten für die jeweiligen Wettpaten erwies sich in einigen Fällen als unglücklich. Die Kinderwette mit dem Kandidaten, der Kisten auf dem Kinn stapeln konnte, hätte besser zu dem 17-jährigen Bieber gepasst. Als Zuschauer ließ einem das Gefühl nicht los, dass er mit der Satellitenfoto-Wette nur wenig anfangen konnte. Es schien, als wüsste er gar nicht so genau, was der Wettkandidat da eigentlich machen müsste. Diese Wette hätte mehr zu Markus Lanz und seiner Südpolreise gepasst.

Neben der etwas unpassenden Zuordnung zweier Wetten zu den Wettpaten, sorgte auch Michelle Hunziker für enttäuschende Momente beim Justin Bieber-Besuch. Auch hier platzte Hunziker wieder einmal in die Unterhaltung von Thommy mit dem Superstar und zwang ihm dann einen bunten Zauberwürfel wieder in die richtige Ordnung zu drehen. Minutenlang war daraufhin in der Sendung zu sehen, wie er ihn hin und her drehte. Wie banal und langweilig! Lieber hätte man den zurzeit erfolgreichsten Sänger der Welt ein paar interessante Fragen stellen können. Da hat man schon mal einen Weltstar auf der Couch und dann kann man doch auch versuchen spannende Details und interessante Meinungen zu erfahren. Das hätte die Fans sicher mehr erfreut, als ihm einen Würfel zu recht schieben zu lassen. Und gerade die jungen Zuschauer will man ja von RTL wegholen. So wirkte der Auftritt seltsam leer und peinlich.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass Gottschalk gut in Form war und auch mit seinen Music-Acts Aufsehen erregen konnte, doch konnte er den Teeniestar-Effekt nicht ganz für sich nutzen. Auch die ruhigeren und kleineren Wetten waren nett anzusehen. Es schmerzt jedoch, dass Gottschalk gehen will, eher müsste am Konzept der Sendung gearbeitet werden, und versucht werden, Spielregeln zu schärfen und strenger umzusetzen.

Der Inhalt des Leserbriefs spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von Quotenmeter.de wider.

Kurz-URL: qmde.de/48492
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelZietlow & Bechtel: «Big Brother» startet im Mainächster ArtikelZDF-Intendant Schächter: ‚Wollen starker, klarer Absender sein‘

Optionen

Drucken Merken Leserbrief


Werbung


E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipps

Wade Bowen im Hamburger Nochtspeicher
Junge, komm bald wieder! Es ist ein lauer Sommerabend in der Hansestadt Hamburg, auf den Straßen herrscht ausgelassene Stimmung. Wie jedes Wochenen... » mehr

Werbung