Vermischtes

Warum sieht man so viel Casino Werbung bei Fußballclubs?

Sehr viele Fußballclubs im Profibereich werben für Casinos.

Das ist jedoch nicht erlaubt, weshalb sich jetzt Aufsichtsbehörden eingeschaltet haben. Es soll bereits ein Verfahren gegen Borussia Dortmund und vielen weiteren Clubs anhängig sein, wozu sich nun auch Suchtexperten zu Wort gemeldet haben.

Zahlreiche Sportwetten-Anbieter sind auch in Deutschland tätig, wenn es um Glücksspiele geht. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Roulette oder Spielautomaten. Sobald die Fußballclubs die Logos eines Anbieters auf der Bande im Stadion oder auf der eigenen Website veröffentlichen, ist das Werbung für die vermutlich illegalen Inhalte der Anbieter. Darauf haben sich jetzt die Behörden konzentriert. Nicht nur Borussia Dortmund ist deshalb in das Visier der Aufmerksamkeit geraten, sondern auch Düsseldorf, Köln und Bremen.

Verbot für Glücksspiele?


Die Aufsichtsbehörden üben deutliche Kritik an den Anbietern für Casinospiele und Sportwetten, in denen um Echtgeld gespielt wird. Allerdings sind Sportwetten in Deutschland derzeit geduldet. Die anderen Online-Angebote bezüglich Glücksspiele, wozu auch Poker gehört, befinden sich rechtlich gesehen in einer Grauzone. Deshalb darf für diese Angebote eher nicht geworben werden.

Doch für diese Angebote werden die Fußballvereine automatisch, wenn das Logo auf den Trikots der Spieler erscheint. In Fachkreisen wird von Dachmarkenwerbung gesprochen, weil es zu einer umfassenden Werbung für die Anbieter kommt. Das betrifft alle Geschäftsbereiche. Schon im Jahr 2017 musste der HSV ein Logo seines Sponsors entfernen, der Glücksspiele anbietet. Diese mussten komplett aus dem Stadion verschwinden.

Fußballvereinen wird kein absichtliches Verhalten gegen deutsches Recht unterstellt


Den Fußballvereinen soll keine Absicht im Bereich der Werbung für die Anbieter von Glücksspielen vorgeworfen werden, so heißt es von der Seite der Bezirksregierung Düsseldorf. Es ist meist so, dass die Clubs nicht wissen, dass sie für umstrittene Angebote der Online-Casinos werben. Deshalb sollen sie innerhalb der Verfahren über die tatsächlichen Verstöße lediglich darüber informiert werden. Außerdem müssen sie ihre Partnerschaft mit den Anbietern überdenken.

Die Clubs müssen in aller Deutlichkeit bekannt geben, dass sie ausschließlich die Angebote von Sportwetten bewerben. Zudem sollten sie nicht zu den Websites der Anbieter verlinken, sobald diese auch Online-Casinos betreiben. Sollten sich die Clubs aber nicht an die Vorschläge der Behörden halten, könnte es zu Unterlassungsverfügungen kommen. Das heißt, dass die Werbung der jeweiligen Vereine für Online-Casinos besser entfernt werden sollte.

Das Ganze hat einen Grund - es gibt immer mehr Glücksspiel-Süchtige


Suchtexperten fordern bereits seit langer Zeit, die Werbung für Glücksspiele einzustellen. Sie kritisieren die Partnerschaften zwischen den Sportlern, Verbänden, Fußballvereinen und Wettanbietern. Immer mehr Menschen werden glücksspielsüchtig, das hat sich in den letzten Jahren gezeigt, beispielsweise in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Das liegt zum Beispiel an den Live-Wetten, die auf der Basis des aktuellen Glücksspielstaatsvertrags rechtlich nicht genau definiert sind.

Hier entstehe eine vollkommen andere Spielgeschwindigkeit und erhöht den Kick beim Wetten. Das ist für ein höheres Suchtpotenzial verantwortlich. Das Internet steigere die Gefahr zusätzlich, süchtig zu werden. Hier kann rund um die Uhr gespielt werden, denn kein Casino oder Wettbüro wird geschlossen. Das Spielen ist mit mobilen Geräten außerdem von jedem Ort aus möglich.

Werbung für Anbieter steigert die Suchtgefahr


Die erhöhte Suchtgefahr liegt laut den Experten in der steigenden Werbung für die Anbieter von Sportwetten. Etwa 50 Millionen Euro wurden nur für deutsche Profi-Fußballvereine und Verbände in dieser Hinsicht ausgeschüttet. Das ist der Grund, warum diese so viel Werbung für sie machen. In der Bundesliga hat nahezu jeder Club einen Sponsor, der privater Wettanbieter ist. Sie gehen Partnerschaften mit verschiedenen Anbietern ein. Das sorgt aber dafür, dass die Suchtgefahr von den Spielern nicht mehr richtig wahrgenommen wird.

Sogar der FC Bayern München kooperiert mit einem Wettanbieter. Das wird natürlich kritisiert, da der Verein eine Vorbildfunktion hat, dies aber nicht konform damit geht. Deshalb sollen der DFB und die Clubs ihre Verantwortung endlich umsetzen und sich von den Anbietern in aller Form abgrenzen.

Die Experten sehen das als besonders problematisch an, wenn es so wirkt, dass die umstrittenen Glücksspiele in Ordnung sind, weil renommierte Fußballvereine wie der FC Bayern München dafür werben. Die Clubs haben viele Fans und Mitglieder und damit eben auch eine große Reichweite.

Wettanbieter melden sich zum Thema zu Wort


Die Anbieter bestreiten nicht, dass in ihren Angeboten Online-Casinos verfügbar sind. Sie geben an, dass es sich um eine Ergänzung zu den Sportwetten handelt, die in der Branche durchaus üblich ist. Die Anbieter möchten den Kunden ein breites Angebot zur Verfügung stellen. Zudem sind sie überzeugt davon, dass sie nichts Verbotenes tun. Sie glauben, das Angebot ihrer Online-Casinos ist auf der Grundlage der europarechtlichen Dienstleistungsfreiheit erlaubt, was sich Testseiten wie Casibella oder Casinoviking entsprechend zunutze machen. Das haben wohl vor kurzem auch verwaltungsrechtliche Entscheide so gesehen.

Die Steuereinnahmen haben sich deutschlandweit durch Sportwetten deutlich verdoppelt, und das nur in den letzten fünf Jahren. Der Umsatz auf der ganzen Welt durch Sportwetten liegt bei ungefähr 1 Billion Euro.

Kurz-URL: qmde.de/121157
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